- 07.03.2013, 18:15:32
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Börsen sind im Drogenrausch - von Hans-Jörg Bruckberger
Hoffentlich erholt sich die Weltwirtschaft nicht zu stark
Utl.: Hoffentlich erholt sich die Weltwirtschaft nicht zu stark =
Wien (OTS) - Es ist vollbracht: Nach Finanz-, Wirtschafts- und
Schuldenkrise bzw. trotz eben dieser hat der US-Leitindex Dow Jones
wieder ein neues Allzeithoch markiert, der deutsche DAX steht kurz
davor. Dies, obwohl viele Probleme noch lange nicht gelöst sind und
die Weltwirtschaft nur langsam in die Gänge kommt. Nicht wenige
Beobachter schütteln deshalb den Kopf und verstehen die Welt nicht
mehr. Jedenfalls nicht die der Börsianer. Tatsächlich spricht vieles
für weiter steigende Aktienmärkte - darunter auch eben die schwache
Konjunktur. Denn, so paradox es klingt: Wenn die Wirtschaft richtig
anzieht, könnte an den Börsen Schluss mit lustig sein.
Die Börsen sind auf Drogen, in einer Art Rauschzustand, die Droge
heißt Geld und die Dealer heißen Ben Bernanke, Mario Draghi, Mervyn
A. King oder Haruhiko Kuroda. Derart hat eine deutsche Journalistin
den Sachverhalt pointiert auf den Punkt gebracht. Die weltweite
Geldschwemme der Notenbanker hält das Werkl am Laufen. Nicht umsonst
war der jüngste Schub der US-Börsen einmal mehr Aussagen der
US-Notenbank Fed zu verdanken, denen zufolge die lockere Geldpolitik
und Anleihenkäufe weitergeführt werden.
Dass Aktien im historischen Vergleich, wie berichtet, immer noch
günstig bewertet sind, spricht für weiter steigende Märkte. Dass es
angesichts der niedrigen Zinsen und unrentablen Anleihen keine
Alternativen gibt, ebenfalls. Gleichzeitig stehen große Player, etwa
Lebensversicherer, an der Seitenlinie und sind kaum in Aktien
investiert. Allein die zu erwartende große Rotation weg von Anleihen
zu Aktien stimmt die Aktienmärkte positiv. Und wenn auch noch die
Konjunktur anspringt ...
Genau hier spießt es sich aber. Natürlich ist Wirtschaftswachstum der
Treiber für Unternehmensgewinne und das ideale Umfeld für einen
nachhaltigen Bullenmarkt. Normalerweise. Die Zeiten sind aber noch
lange nicht normal. Was, wenn der Wirtschaftsmotor wieder richtig
brummt und die Inflation anzieht? Dann müssten die Notenbanker die
Zügel wieder straffen. Für Anleger wie die hoch verschuldeten Staaten
wäre das ein Albtraumszenario. Aus der Drogenparty würde ein Entzug -
und der ist selten lustig. Insofern kann Märkten, so merkwürdig das
klingen mag, die eher zäh und schleppend verlaufende
Konjunkturerholung sogar recht sein. Einmal mehr ist es ein Spiel auf
Zeit. Hoffentlich heilt diese tatsächlich alle Wunden.
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