WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Börsen sind im Drogenrausch - von Hans-Jörg Bruckberger

Hoffentlich erholt sich die Weltwirtschaft nicht zu stark

Wien (OTS) - Es ist vollbracht: Nach Finanz-, Wirtschafts- und Schuldenkrise bzw. trotz eben dieser hat der US-Leitindex Dow Jones wieder ein neues Allzeithoch markiert, der deutsche DAX steht kurz davor. Dies, obwohl viele Probleme noch lange nicht gelöst sind und die Weltwirtschaft nur langsam in die Gänge kommt. Nicht wenige Beobachter schütteln deshalb den Kopf und verstehen die Welt nicht mehr. Jedenfalls nicht die der Börsianer. Tatsächlich spricht vieles für weiter steigende Aktienmärkte - darunter auch eben die schwache Konjunktur. Denn, so paradox es klingt: Wenn die Wirtschaft richtig anzieht, könnte an den Börsen Schluss mit lustig sein.

Die Börsen sind auf Drogen, in einer Art Rauschzustand, die Droge heißt Geld und die Dealer heißen Ben Bernanke, Mario Draghi, Mervyn A. King oder Haruhiko Kuroda. Derart hat eine deutsche Journalistin den Sachverhalt pointiert auf den Punkt gebracht. Die weltweite Geldschwemme der Notenbanker hält das Werkl am Laufen. Nicht umsonst war der jüngste Schub der US-Börsen einmal mehr Aussagen der US-Notenbank Fed zu verdanken, denen zufolge die lockere Geldpolitik und Anleihenkäufe weitergeführt werden.

Dass Aktien im historischen Vergleich, wie berichtet, immer noch günstig bewertet sind, spricht für weiter steigende Märkte. Dass es angesichts der niedrigen Zinsen und unrentablen Anleihen keine Alternativen gibt, ebenfalls. Gleichzeitig stehen große Player, etwa Lebensversicherer, an der Seitenlinie und sind kaum in Aktien investiert. Allein die zu erwartende große Rotation weg von Anleihen zu Aktien stimmt die Aktienmärkte positiv. Und wenn auch noch die Konjunktur anspringt ...

Genau hier spießt es sich aber. Natürlich ist Wirtschaftswachstum der Treiber für Unternehmensgewinne und das ideale Umfeld für einen nachhaltigen Bullenmarkt. Normalerweise. Die Zeiten sind aber noch lange nicht normal. Was, wenn der Wirtschaftsmotor wieder richtig brummt und die Inflation anzieht? Dann müssten die Notenbanker die Zügel wieder straffen. Für Anleger wie die hoch verschuldeten Staaten wäre das ein Albtraumszenario. Aus der Drogenparty würde ein Entzug -und der ist selten lustig. Insofern kann Märkten, so merkwürdig das klingen mag, die eher zäh und schleppend verlaufende Konjunkturerholung sogar recht sein. Einmal mehr ist es ein Spiel auf Zeit. Hoffentlich heilt diese tatsächlich alle Wunden.

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