• 07.03.2013, 17:53:31
  • /
  • OTS0240 OTW0240

Wiener Zeitung: Leitartikel von Walter Hämmerle: "Konfuzius hilft Strache nicht"

Ausgabe vom 8. März 2013

Utl.: Ausgabe vom 8. März 2013 =

Wien (OTS) - Wenn sich im normalen Leben ein 80-Jähriger und ein
43-Jähriger öffentlichkeitswirksam um eine Trophäe streiten,
empfiehlt sich Abwarten als erfolgversprechendste Strategie für den
Jüngeren. Zumal, wenn der Ältere die spannendere Biografie und den
höheren Newswert auf seiner Seite hat. Doch bekanntlich verliert
alles Neue bald seinen Reiz. Oder um es mit Konfuzius zu sagen:
"Erzürne nicht, setze Dich ans Ufer des ruhigen Flusses und warte,
bis die Leichen Deiner Feinde vorbeitreiben."

Heinz-Christian Strache hat nur keine Zeit; das heißt: Eigentlich
hätte er sie schon, er ist ja schließlich erst 43 Jahre alt; er hat
sie nur nicht in diesem Jahr, in dem gleich fünf Wahlen - darunter
die Nationalratswahl im Herbst - die politischen Gewichte auf Jahre
neu verteilen.

Übt sich der FPÖ-Obmann also in Geduld und befolgt die konfuzianische
Variation von "Abwarten und Tee trinken", wird ihm der 80-jährige
Frank Stronach seinen schönen Plan durchkreuzen, die
Regierungsparteien bei den Wahlen das Fürchten zu lehren und dann den
eigenen Machtanspruch zu formulieren - rhetorisch wenigstens, falls
das Wahlergebnis anderes nicht zulässt.

Strache ist nun zum Handeln gezwungen. Aufräumarbeiten sind nach den
Niederlagen in Niederösterreich und Kärnten angesagt. Der FPÖ-Chef
wird sich zweifellos gegen die renitenten Landesgruppen durchsetzen,
in St. Pölten eher früher, in Klagenfurt entsprechend der delikaten
Gemengelage eher später. Die Partei kann es sich nicht leisten, ihr
stärkstes, tatsächlich ihr einziges Aushängeschild zu beschädigen;
Kratzer am Siegerimage werden aber bleiben.

Die wären, für sich genommen, für Strache zu verschmerzen, hätte er
ein schlüssiges Konzept zur Abwehr von Stronachs Angriff auf das
FPÖ-Revier der Protestwähler. Einfach nur die Lautstärke oder
Radikalität der Forderungen zu steigern, wird nicht genügen, damit
die Enttäuschten aller Lager erneut bei der FPÖ ihr Kreuz machen. In
der Politik nämlich - von Ausnahmesituationen, wie sie in
Griechenland oder Italien herrschen, abgesehen - gilt: je radikaler
die Position, desto geringer der Zulauf. Auch Strache braucht so
etwas wie eine vage Vermutung von Mäßigung für Wahlerfolge.

Stronach treibt den FPÖ-Chef nun in die Gegenrichtung. Das ist
Straches momentan größtes Problem.

www.wienerzeitung.at/leitartikel

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWR

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel