• 07.03.2013, 10:07:18
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Europa verbraucht außerhalb seiner Grenzen noch einmal die Fläche ganz Skandinaviens

GLOBAL 2000 und SERI präsentieren neuen Report "KEIN LAND IN SICHT" - Europa nutzt auf anderen Kontinenten umgerechnet 14x die Fläche Österreichs für den eigenen Verbrauch.

Utl.: GLOBAL 2000 und SERI präsentieren neuen Report "KEIN LAND IN
SICHT" - Europa nutzt auf anderen Kontinenten umgerechnet 14x
die Fläche Österreichs für den eigenen Verbrauch. =

Wien/Brüssel (OTS) - Die österreichische Umweltschutzorganisation
GLOBAL 2000, das in Wien ansässige Sustainable Europe Research
Institute (SERI) sowie internationale ProjektpartnerInnen
präsentieren heute den dritten Teil der gemeinsamen
Ressourcen-Bericht-Reihe: "Kein Land in Sicht" beleuchtet den enormen
Landbedarf Europas und dessen katastrophale Folgen. Um Europas Bedarf
an Lebensmitteln und Konsumgütern zu befriedigen, werden jährlich
allein etwa 120 Millionen Hektar an landwirtschaftlich genutzter
Fläche außerhalb von Europa benötigt - dies entspricht der Größe
Skandinaviens (inklusive Finnland) oder 14-mal der Größe Österreichs.
Das hat dramatische Folgen für Menschen und Ökosysteme.

"Nicht nur für die Erzeugung von landwirtschaftlichen Produkten wird
Land benötigt. In all unseren Konsumgütern ist indirekt Land
enthalten, das für die Erzeugung genutzt wurde", sagt Lisa Kernegger,
Ökologin bei GLOBAL 2000 und Ko-Autorin des Berichts: "Für die
Erzeugung einer Tasse Kaffee werden 4,3 Quadratmeter Land benötigt.
Die Fertigung eines Laptops schlägt sich mit 10 Quadratmetern Land zu
Buche." Diese indirekte Landnutzung - die auch als "virtuelles" Land
oder als "Land-Fußabdruck" bezeichnet wird - ist den wenigsten
bewusst. Das Dramatische dabei ist die Tatsache, dass die negativen
Umweltauswirkungen dieser massiven Landnutzung in die Erzeugerländer
ausgelagert werden: Böden werden überdüngt und ausgelaugt, giftige
Pestizide belasten die Umwelt, unberührte Waldflächen werden in
Agrarland umgewandelt.

Stephan Lutter, Experte für nachhaltige Ressourcennutzung bei SERI
und leitender Autor des Berichts, erklärt: "Weltweit entspricht die
Größe des von Ackerflächen bedeckten Landes dem halben asiatischen
Kontinent. In den vergangenen fünfzig Jahren wuchsen diese Flächen um
fast zwölf Prozent an. Gleichzeitig benötigen wir aber auch immer
mehr Land für Siedlungsflächen, Infrastruktur, Industrie, etc.. Jede
Zunahme einer dieser Landnutzungen wird also auf Kosten der anderen
oder der Umwelt gehen." Durch die vielfältigen Handelsverflechtungen
ist Europa stark von Land in anderen Erdteilen abhängig, besonders in
Form von Produkten, die auf Flächen in China und Indien produziert
werden und dann nach Europa gelangen. Einige der nach Europa
exportierenden Länder können jedoch nicht einmal die Produktion von
Grundnahrungsmitteln und die Gewinnung von Ressourcen auf den eigenen
Flächen sicherstellen. Die Nachfrage in Europa steht somit in
Konkurrenz zur Selbstversorgung.

Der zunehmende Hunger nach Land zur Befriedigung des Konsums zeigt
sich außerdem oft im so genannten "land grabbing", auf Deutsch
"Landraub". Darunter versteht man, dass von der lokalen Bevölkerung
bestellte Flächen (die oft aufgrund des Gewohnheitsrechts in deren
Besitz sind) von außenstehenden Parteien wie nationalen Eliten,
Regierungen oder nationalen und internationalen Unternehmen
angeeignet werden. Diese Flächen stehen dann der lokalen Bevölkerung
nicht mehr zur Verfügung.

Die Nutzung von Flächen anderer Länder birgt für die EU aber auch
Risiken: Die Abhängigkeit von Land, das außerhalb Europas liegt,
macht den Staatenbund anfällig für Preisfluktuationen und
Preisanstiege, insbesondere wenn dieses Land in politisch oder
wirtschaftlich instabilen Staaten liegt. "Folglich bergen
Inanspruchnahme und Export von Land ein hohes Risiko, das zu
Destabilisierung, lokalen Konflikten und Versorgungsengpässen führen
kann", erklärt Kernegger.

Um den Land-Fußabdruck Europas zu reduzieren, bedarf es sowohl der
Politik und Wirtschaft als auch der BürgerInnen in den
Mitgliedsstaaten. "Es ist sehr wichtig, dass wir alle unseren
Gesamtkonsum drastisch senken. Dazu gehört insbesondere auch ein
Umdenken in Sachen Fleischkonsum, da die Nutztierhaltung besonders
große Flächen beansprucht", betont Kernegger: "Doch man darf die
Verantwortung nicht den BürgerInnen alleine überlassen. 'You can't
manage what you can't measure' - politische Strategien müssen die
Bemessung des Land-Fußabdrucks beinhalten, um dann effektive
Maßnahmen für eine Reduktion der Landnutzung innerhalb Europas und in
anderen Erdteilen zu gestalten", fordern Lutter und Kernegger
einstimmig.

Der Bericht "Kein Land in Sicht - Wie viel Land benötigt Europa
weltweit zur Deckung seines hohen Konsums" steht auf www.reduse.org
zum Download zur Verfügung.

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