Update: Nierenerkrankungen - Personalisierte Medizin als Therapieoption der Zukunft?

Amgen Press Academy informierte im Vorfeld des Weltnierentages am 14. März

Wien (OTS) - Geschätzte 250.000 Menschen leiden EU-weit an einem terminalen Nierenversagen, sind also auf eine Dialyse oder Nieren-Transplantation angewiesen. In Österreich (über-)leben mehr als 4.000 Menschen dank regelmäßiger Dialyse, noch einmal so viele dank einer Nierentransplantation. Rund 800.000 Österreicher leiden bereits an einer leicht eingeschränkten Nierenfunktion. Das Heimtückische an dieser Erkrankung ist, dass die Abnahme der Nierenfunktion schleichend und zunächst unbemerkt erfolgt. Treten Symptome auf, ist das Organ oft schon irreversibel geschädigt. Da sich eine chronische Niereninsuffizienz zumeist aufgrund eines bestehenden Diabetes oder Bluthochdrucks entwickelt, nimmt die Häufigkeit der Nierenschwäche mit zunehmendem Alter zu. Im Rahmen der "Amgen Press Academy" im Vorfeld des Weltnierentages am 14. März warnten Experten, dass daher allein aufgrund der demografischen Entwicklung in den nächsten Jahren ein dramatischer Anstieg der Nierenerkrankungen mit all ihren Folgen zu erwarten sei.

Heimlich, still und leise

Die Erkrankung chronische Nierenschwäche oder Niereninsuffizienz sei ein in der Allgemeinheit nicht verankerter Begriff, obwohl 10-13% der erwachsenen Bevölkerung davon betroffen seien, so Univ.-Prof. Dr. Alexander Rosenkranz: "Selbst in Krankenhäusern wird die Diagnose häufig übersehen", so der Leiter der klinischen Abteilung für Nephrologie LKH-Universitätsklinikum Graz weiter. Fallen die Nieren vollständig aus (terminales Nierenversagen) kann dies, sofern keine adäquaten Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden, tödlich enden.

Doch bereits eine leichte Niereninsuffizienz ist gefährlich, da es schon bei einem Abfall der Nierenfunktion unter 60% zu einer Risikoerhöhung für kardiovaskuläre Erkrankungen kommt. Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion sterben deutlich häufiger an kardialen Ursachen oder einem Schlaganfall als Nierengesunde - in vielen Fällen lange bevor ihre Nierenerkrankung offensichtlich wird. Daher forderten die Experten auf der Amgen Press Academy ein Screening der Risikopopulationen Hypertoniker und Diabetiker durch Allgemeinmediziner oder Internisten.

Bei terminalem Nierenversagen stehen drei Therapieoptionen zur Auswahl: Die Hämodialyse (= Blutwäsche), bei der der Patient dreimal wöchentlich mehrere Stunden auf einer Dialysestation verbringen muss. Das Blut wird außerhalb des Körpers durch spezielle Filter gereinigt und dann in den Körper rückgeführt. Bei der Bauchfell- oder Peritonealdialyse wiederum wird das eigene, gut durchblutete Bauchfell als Filtermembran verwendet. Und drittens die Nierentransplantation.

Ausführliche Beratung und einheitliches Disease Management gefordert

Rosenkranz: "Nicht alle Verfahren sind für alle Patienten geeignet! Eine optimale Versorgung der Patienten setzt eine entsprechende Aufklärung über die Therapieoptionen voraus." Diese sei aber sehr zeitintensiv und in unserem Gesundheitssystem nicht abgebildet. Daher wurde die Schaffung zentraler Anlaufstellen im Sinne der im Österreichischen Strukturplan Gesundheit abgebildeten Referenzzentren vorschlagen. Egon Saurer, Obmann des Vereins Nephro Tirol, der selbst dank einer Spenderniere lebt, merkte an, dass es in Österreich viel zu wenig niedergelassene Nephrologen gäbe, die Patienten daher in den Fachambulanzen betreut werden müssten. Er betonte auch die Wichtigkeit der Patientenverbände als unverzichtbarer Bestandteil der Versorgung.

Einzug der personalisierten Medizin in die Nephrologie

Auch wenn chronische Nierenerkrankungen auf den ersten Blick sehr homogen zu sein scheinen, gibt es sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe. Univ.-Prof. Dr. Gert Mayer: "Bislang gab es nur unzureichende Möglichkeiten, die Patienten genau zu charakterisieren - und zwar in Bezug auf die 'Art' der Nierenerkrankung, aber auch die Schwere der Begleiterkrankungen.

Im Jahr 2010 hat die Europäische Union beschlossen, das Projekt SYSKID ("systems biology towards novel chronic kidney disease diagnosis and treatment") zu fördern. Mayer steht dem wissenschaftlichen Führungsgremium des Projektes vor, in dem 26 Partner zusammenarbeiten, um Biomarker zu identifizieren und in Folge den Weg für eine "personalisierte Medizin" auch auf dem Gebiet der chronischen Nierenerkrankungen zu ebnen.

Mayer: "Erste vielversprechende Ergebnisse aus diesen Anstrengungen werden bereits in klinischen Studien getestet. Es ist zu hoffen, dass sich damit auf dem Gebiet der Nephrologie Möglichkeiten der personalisierten oder zumindest stratifizierten, i. e. auf Patientengruppen ausgerichteten Medizin, ergeben, die es erlauben, die individuelle Prognose der Patienten besser einzuschätzen und individuelle Therapiemaßnahmen zu setzen."

Eine Langfassung des Textes, Statements der ReferentInnen, weitere Infos zum Download: www.medical-media-consulting.at/pressroom

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