• 05.03.2013, 17:26:37
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Der Nimbus"

Ausgabe vom 6. März 2013

Utl.: Ausgabe vom 6. März 2013 =

Wien (OTS) - Norbert Darabos selbst wird sich vermutlich auch freuen.
Die strategische Aufgabe im Hintergrund scheint dem gelernten
Historiker mehr zu liegen als die erste Reihe. Darabos hat als
Verteidigungsminister mehrmals laut die Frage gestellt, ob das (mit
der Volksbefragung bestätigte) Mischsystem des Heeres künftige
Herausforderungen meistert. Für den Sozialdemokraten ist das
Bundesheer eine gesellschaftspolitische Frage, keine
organisatorische. Als Minister eine Fehleinschätzung, die Herren
Häupl und Pröll haben sie für ihn beantwortet.

Die SPÖ scheint dagegen mit seiner Wiederbestellung in die
Parteizentrale gerade noch die Kurve gekriegt zu haben. Darabos hat
mehrfach bewiesen, dass er imstande ist, die Funktionäre der Partei
zu motivieren. Niederösterreich war sicher ein Schock. Es gelang den
Roten dort viel schlechter als den Schwarzen, die eigenen Leute zu
motivieren. Da Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter geht,
beantwortete die SPÖ die Frage selbst, wer für die laue Stimmung
verantwortlich ist.

Der Partei gelangen dazu zwei taktische Kunststückerl: Mit der
Umbildung verdrängte sie den (berechtigten) Siegestaumel Erwin Prölls
aus den Schlagzeilen. Mit Gerald Klug präsentiert sie einen
Verteidigungsminister, der schon so aussieht - angesichts der Fülle
an Boulevard-Medien im Land wohl kein Fehler. Und Werner Faymann hat
sich als Obmann wohl noch unangenehmere Diskussion in der eigenen
Partei erspart. Für die SPÖ geht es bis Ende September darum, auf die
Siegerstraße zurückzukehren. In Kärnten ist das gelungen, dank des
Irrsinns der FPK - und des besonnenen Politikers Peter Kaiser. Tirol
ist wegen der (verständlichen) Zerrissenheit der Volkspartei ein
Sonderfall. Aber in Salzburg sind - trotz Finanzskandal - die
Wahl-Chancen von Gabi Burgstaller intakt. Wer was wann und wie
gewusst hat, ist - angesichts der Faktenlage - beim stellvertretenden
Landeshauptmann Wilfried Haslauer mindestens so aufklärungsbedürftig
wie beim zurückgetretenen Finanz-Landesrat David Brenner.

Auch wenn Bundespolitiker gerne betonen, dass Regionalwahlen auch
dort entschieden werden, hat es doch Auswirkungen auf das Image einer
Partei. Derzeit ist zu sehen, dass jede Partei versucht, sich mit dem
Nimbus des Gewinners zu umgeben. Das war in Österreich immer wichtig,
oft sogar wichtiger als die Absicht.

www.wienerzeitung.at/leitartikel

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