Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Der Nimbus"

Ausgabe vom 6. März 2013

Wien (OTS) - Norbert Darabos selbst wird sich vermutlich auch freuen. Die strategische Aufgabe im Hintergrund scheint dem gelernten Historiker mehr zu liegen als die erste Reihe. Darabos hat als Verteidigungsminister mehrmals laut die Frage gestellt, ob das (mit der Volksbefragung bestätigte) Mischsystem des Heeres künftige Herausforderungen meistert. Für den Sozialdemokraten ist das Bundesheer eine gesellschaftspolitische Frage, keine organisatorische. Als Minister eine Fehleinschätzung, die Herren Häupl und Pröll haben sie für ihn beantwortet.

Die SPÖ scheint dagegen mit seiner Wiederbestellung in die Parteizentrale gerade noch die Kurve gekriegt zu haben. Darabos hat mehrfach bewiesen, dass er imstande ist, die Funktionäre der Partei zu motivieren. Niederösterreich war sicher ein Schock. Es gelang den Roten dort viel schlechter als den Schwarzen, die eigenen Leute zu motivieren. Da Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter geht, beantwortete die SPÖ die Frage selbst, wer für die laue Stimmung verantwortlich ist.

Der Partei gelangen dazu zwei taktische Kunststückerl: Mit der Umbildung verdrängte sie den (berechtigten) Siegestaumel Erwin Prölls aus den Schlagzeilen. Mit Gerald Klug präsentiert sie einen Verteidigungsminister, der schon so aussieht - angesichts der Fülle an Boulevard-Medien im Land wohl kein Fehler. Und Werner Faymann hat sich als Obmann wohl noch unangenehmere Diskussion in der eigenen Partei erspart. Für die SPÖ geht es bis Ende September darum, auf die Siegerstraße zurückzukehren. In Kärnten ist das gelungen, dank des Irrsinns der FPK - und des besonnenen Politikers Peter Kaiser. Tirol ist wegen der (verständlichen) Zerrissenheit der Volkspartei ein Sonderfall. Aber in Salzburg sind - trotz Finanzskandal - die Wahl-Chancen von Gabi Burgstaller intakt. Wer was wann und wie gewusst hat, ist - angesichts der Faktenlage - beim stellvertretenden Landeshauptmann Wilfried Haslauer mindestens so aufklärungsbedürftig wie beim zurückgetretenen Finanz-Landesrat David Brenner.

Auch wenn Bundespolitiker gerne betonen, dass Regionalwahlen auch dort entschieden werden, hat es doch Auswirkungen auf das Image einer Partei. Derzeit ist zu sehen, dass jede Partei versucht, sich mit dem Nimbus des Gewinners zu umgeben. Das war in Österreich immer wichtig, oft sogar wichtiger als die Absicht.

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