Bundespräsident Dr. Heinz Fischer erteilt "Schlussstrich" erneut eine Absage

Staatsoberhaupt bei Generalversammlung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem in Wien

Wien (OTS) - Bundespräsident Dr. Heinz Fischer hat gestern einmal mehr Position gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus in Österreich bezogen. Bei der Generalversammlung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem im Wiener Rathaus betonte Fischer, dass es auch darum gehe, Lebensverhältnisse zu schaffen, die nicht die Gefahr in sich tragen, dass fremdenfeindliche Parolen, Schlagworte und Appelle an die negativen Seiten in der menschlichen Seele wirksam werden. Es werde immer notwendig sein, an die NS-Zeit und den Holocaust zu erinnern, daran zu forschen und darüber zu berichten. Der Bundespräsident bedankte sich auch ausdrücklich bei den Österreichischen Freunden der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem für ihr unermüdliches Engagement.

Die Ehrenpräsidentin des Freundeskreises, Nationalratspräsidentin Mag.a Barbara Prammer, ging in ihren Worten auf den 75. Jahrestag des "Anschlusses" ein. Die Nazis hatten ihre Macht von oben, aber auch von unten erhalten. Die Verfolgung in Österreich sei härter und grausamer gewesen als in Deutschland, die Enteignungen besser organisiert, die Exilierungen viel brutaler. Die Nachkriegsjustiz habe bald das Interesse an der Strafverfolgung der NS-Täter verloren. Heute sei es Verpflichtung eines jeden einzelnen, sich mit der Geschichte zu befassen. Die Präsidentin warb um Mitgliedschaft für den Freundeskreis und ersuchte darum, den Verein mit einer Basisförderung auszustatten.

Innenministerin Mag.a Johanna Mikl-Leitner, die auch für die KZ-Gedenkstätte Mauthausen zuständig ist, bezeichnete es als persönliches Anliegen, die Erinnerung an den Holocaust hochzuhalten. Nur wer die Vergangenheit kenne, habe eine Zukunft. Es bedürfe vieler helfender Hände, die Erinnerungsarbeit weiterzuführen. Der Botschafter des Staates Israel, Aviv ShirOn, betonte die Bedeutung der Arbeit der Freunde von Yad Vashem für die jüdische Gemeinschaft. Das Richtige zu tun, sei für die Menschen in der NS-Zeit nicht leicht, sondern gefährlich gewesen. Aber auch heute sei es nicht selbstverständlich, so ShirOn.
Wiens Oberrabbiner Prof. Paul Chaim Eisenberg erinnerte daran, dass das Gedenken an die Shoah nicht Angelegenheit der Juden allein sei, sondern alle Menschen betreffe. Hinter dem Gedenken stünden keine Revanchegelüste, aber das Erinnern müsse weitergeführt werden

Die Chefhistorikerin Yad Vashems, Univ.Prof. Dina Porat, strich die Bedeutung der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte als zentrale Forschungsstelle der Shoa hervor. Die historische Wahrheit des Holocaust werde heute bezweifelt, angegriffen und es würden viele Versuche unternommen, sie zu verändern oder als Lüge darzustellen. Dem müsse entgegengewirkt werden. Kaum einer der heute lebenden Menschen in Österreich sei am Holocaust beteiligt gewesen, so Porat. Aber alle Menschen auf dieser Welt seien verantwortlich für das, was von nun an geschehe.

Der Wiener Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny strich einerseits die Änderung des kollektiven Bewusstseins im Hinblick auf die NS-Vergangenheit hervor. Bei der Restitution sei man weiter als in Deutschland. Andererseits verwies der Stadtrat auch auf die kommende Ausstellung der Österreichischen Freunde von Yad Vashem, die den österreichischen "Gerechten unter den Völkern" gewidmet ist. Diese 90 ÖsterreicherInnen hatten in der NS-Zeit ihr Leben riskiert, um Juden vor der Ermordung zu retten.

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