- 01.03.2013, 19:32:10
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Schuldenpolitik wird von der Realität eingeholt" (Von Ernst Sittinger)
Ausgabe vom 2.3.2013
Utl.: Ausgabe vom 2.3.2013 =
Graz (OTS) - Irgendwann steht jeder Schuldner an dem Punkt, wo es
nicht mehr weitergeht. Diesen Punkt haben die USA in der Nacht auf
den heutigen Samstag erreicht. Weil alle Anläufe zur gütlichen
Schuldenregulierung gescheitert sind, tritt nun ein Zwangssparpaket
mit drakonischen Ausgabenkürzungen in Kraft.
Diese Finanzkeule hatte der US-Kongress im Jahr 2011 beschlossen -
gewissermaßen als selbst gewähltes Damoklesschwert. Freilich war es
nur als Drohkulisse zur Erhöhung der Kompromissfähigkeit gedacht.
Dass das Schwert tatsächlich fällt, war nie vorgesehen.
Doch jetzt ist es so weit, und die Wirkungen reichen weit über die
USA hinaus. Das Ho-ruck-Zwangssparen der Amerikaner hat
beträchtliches Drohpotenzial für die Weltwirtschaft. Betroffen sind
vorrangig wir Europäer in der sowieso angeschlagenen Euro-Zone. Denn
eigentlich wäre den USA für 2013 die Rolle als Konjunkturmotor der
westlichen Welt zugedacht gewesen. Zwei Prozent Wachstum waren
vorhergesagt, für 2014 erwarteten manche Analysten sogar plus 2,7
Prozent in den USA.
Diese Dynamik kann man sich jetzt abschminken, denn die Einschnitte
im US-Haushalt sind denkbar brutal. Heuer werden bis September 85
Milliarden Dollar eingespart, in Summe sollen binnen zehn Jahren um
1200 Milliarden Dollar weniger fließen. Mehrere 100.000 US-Jobs sind
bedroht.
Zwar kann das Programm jederzeit gestoppt werden, falls man sich doch
noch einigt. Aber die Wahrheit, dass die USA auf Pump leben, lässt
sich nicht mehr ausblenden. Fast muss man froh sein, dass jetzt
Schluss mit dem ewigen Lavieren und Kopf-in-den-Sand-Stecken ist.
Seit Jahren schon wandeln die Amerikaner am finanziellen Abgrund. Nur
gab es keinen Anreiz zur Disziplin, weil die Notenbank willig das
Papier bedruckte und die Kontrollore wegschauten.
Speziell die Rating-Agenturen haben wieder versagt. Während sie
europäische Schuldenstaaten regelmäßig abstrafen, sahen sie über den
Umstand großmütig hinweg, dass die USA einen Schuldenberg von mehr
als 100 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung angehäuft haben. Zwei
der drei großen Agenturen halten unverdrossen am "Triple A" fest.
Die US-Misere taugt als Warnlicht für Europa: Wer es versäumt, seine
Schulden aktiv zu managen, dem fällt die Last irgendwann auf den
Kopf. Und dann können die Schäden unkalkulierbar werden. Wir Bürger
sollten daran denken, wenn ein Wahlkampf wieder einmal hemmungslos
zum Schaulaufen der Berufsversprecher ausartet.****
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