Brennpunkt Bildgebung: Strahlenschutz - was PatientInnen wissen sollten

Wien (OTS) - 1. März 2013
Bildgebende Methoden sind heute aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken, sei es in der Notfallmedizin, der Onkologie oder auch nur im herkömmlichen Spitalsalltag. Nahezu alle radiologischen Methoden - Sonographie und Magnetresonanztomographie ausgenommen -gehen mit einer Belastung der PatientInnen durch ionisierende Strahlung einher.
Aufgabe der RadiologInnen ist es immer, diese Belastung genau abzuwägen und den Nutzen der Untersuchung gegen ein mögliches, damit verbundenes Risiko genau abzuwägen. Ebenso wird darauf geachtet, bei jeder Untersuchung immer nur die mögliche Mindestdosis zu verwenden, um ein noch diagnostizierbares Ergebnis zu erhalten.

Leitlinie zum Strahlenschutz oberste Priorität in der Radiologie

Grundsätzlich hat Röntgenstrahlung zwei Wirkungen auf Menschen. Einerseits eine deterministische und somit zwangsläufig auftretende Wirkung, die in einer direkten Beziehung zur Dosis steht. Diese spielt in der radiologischen Diagnose keine Rolle, tritt aber bei Strahlenunfällen auf und wird auch bewusst und kontrolliert in der onkologischen Strahlentherapie eingesetzt.
Bei den stochastischen (zufallsbedingten) Wirkungen geht man davon aus, dass es keine "Schwellendosis" gibt, und dass nach dem LNT (Linear No Threshold)-Modell auch kleinste Dosen nach dem Zufallsprinzip zu stochastischen Schäden führen können, wie z.B. Krebsentstehung oder genetische Schäden.
Auf diesen Prinzipien basiert auch die grundlegende Leitlinie des Strahlenschutzes, das sogenannte ALARA Prinzip (As Low As Reasonably Achievable). Dies besagt im Falle der Radiologie, dass bei jeglicher Untersuchung nur jene Dosis zum Einsatz kommen darf, welche noch eine vernünftige und zielführende Diagnose zulässt.

Kommunikation mit PatientInnen muss verbessert werden

Obwohl diese Risiken den RadiologInnen bewusst sind, gibt es laut Professor Madan Rehani, Direktor für Strahlenschutzagenden der European Society of Radiology (ESR), einen deutlichen Verbesserungsbedarf bei der Kommunikation dieser Risiken an die PatientInnnen: "Meiner Meinung nach sind PatientInnen nicht ausreichend über die Strahlenthematik bei radiologischen Untersuchungen informiert. Hinzukommt, dass sich im letzten Jahrzehnt durch die Medien auch das Bewusstsein der PatientInnen geändert hat und diese nun dem medizinischen Personal weniger Vertrauen entgegenbringen und teilweise auch besorgt sind über die anfallende Strahlenbelastung. Hierin sehe ich eine ganz klare Aufgabe für die RadiologInnen, sie müssen die Informationsquelle Nummer eins sein und den PatientInnen ihre Sorgen nehmen. Geschehen muss dies in einer überzeugenden und kompetenten Art, welche das Vertrauen zwischen Arzt und Patient stärkt und keine Frage offen lässt. So kann auch vermieden werden, dass PatientInnen durch einander widersprechende Meinungen, welche in den Medien erscheinen, verwirrt oder verängstigt werden."
Weiters sieht Prof. Rehani hier aber auch eine klare Bringschuld auf Seiten der RadiologInnen und macht klar, dass effiziente und für die PatientInnen zufriedenstellende Kommunikation nur auf Basis von korrekten und verständlichen Informationen zu Strahlenrisiken stattfinden kann.
"Alles andere führt nur zu verunsicherten PatientInnen und zu unberechtigten Ängsten, wenn eigentlich gar kein Grund zur Sorge besteht. Voraussetzung hierfür auf Seiten der Radiologie sind verpflichtende Trainings und Weiterbildung in regelmäßigen Abständen, sowie eine engere Zusammenarbeit mit den überweisenden Ärzten, welche hier bereits eine entscheidende Vorarbeit zur Aufklärung leisten können."

Strahlenbelastung nimmt zu

Entscheidend ist dies vor allem, da immer mehr Experten eine klare Zunahme der Strahlenbelastung durch bildgebende Methoden feststellen, allen voran durch den immer häufiger werdenden Einsatz der Computertomographie (CT).
"In den letzten Jahren haben immer mehr Artikel in renommierten Zeitschriften darauf hingewiesen, dass die CT eine zunehmende Quelle der Strahlenexposition darstellt, womit sich das Risiko CT-induzierter Krebserkrankungen erhöhe. So hat sich die durchschnittliche Strahlendosis eines Einwohners der USA von 3,6mSv im Jahr 1980 auf 6,2mSv im Jahr 2006 erhöht, wobei CT-Untersuchungen, neben nuklearmedizinischen Untersuchungen des Herzens, die wesentliche Ursache dieser Steigerung sind. In Österreich sind relativ weniger CT-Geräte im Einsatz als in den USA und traditionell hat Strahlenschutz, insbesondere bei Kindern, einen höheren Stellenwert, und der Einsatz von Ultraschall und Magnetresonanztomographie, statt Röntgen und CT, wird bevorzugt. Trotzdem haben diese Studien zu einem höheren Bewusstsein der Wichtigkeit des Strahlenschutzes bei RadiologInnen und Geräteherstellern geführt", so Prof. Gerhard Mostbeck, Institutsvorstand am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie Wilhelminenspital Wien und Vorstand des Instituts für Röntgendiagnostik am Otto-Wagner Spital Wien.

Strahlenschutz in Österreich

In Österreich ist die "Anwendung ionisierender Strahlung am Menschen in der Medizin" durch die aktuelle medizinische Strahlenschutzverordnung geregelt, wobei der "Rechtfertigung" (Strahlenexposition muss einen Nutzen erbringen), der "Optimierung" (Dosis so niedrig wie möglich - ALARA-Prinzip) und der "Verantwortung" (sowohl die überweisende Person als auch die durchführende Fachkraft überprüfen die "Rechtfertigung") entscheidende Bedeutung zukommt.
Die Vertreter der Österreichischen Radiologie - Bundesfachgruppe Radiologie der ÖÄK (BURA), Österreichische Röntgengesellschaft (ÖRG), Verband für medizinischen Strahlenschutz in Österreich (VMSÖ), Verband für Bildgebende Diagnostik Österreich (VBDO) - haben daher schon erstmals im Jahr 2000 die "Orientierungshilfe Radiologie -Anleitung zum optimalen Einsatz der Radiologie" entwickelt, die Anforderern radiologischer Leistungen hilft, diese Aspekte des Strahlenschutzes auch im klinischen Alltag anzuwenden.
Die nunmehr 4. Auflage aus 2011 wurde allen Österreichischen ÄrztInnen zugesendet und ist online abrufbar orientierungshilfe.vbdo.at.

Ab 07. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen

Beim 25. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of Radiology/ECR) vom 07. bis 11. März 2013 im Austria Center in Wien werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung präsentieren.
Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über 56.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

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Julia Patuzzi, David Zizka
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