• 01.03.2013, 09:19:32
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Brennpunkt Bildgebung: Strahlenschutz - was PatientInnen wissen sollten

Wien (OTS) - 1. März 2013
Bildgebende Methoden sind heute aus der modernen Medizin nicht mehr
wegzudenken, sei es in der Notfallmedizin, der Onkologie oder auch
nur im herkömmlichen Spitalsalltag. Nahezu alle radiologischen
Methoden - Sonographie und Magnetresonanztomographie ausgenommen -
gehen mit einer Belastung der PatientInnen durch ionisierende
Strahlung einher.
Aufgabe der RadiologInnen ist es immer, diese Belastung genau
abzuwägen und den Nutzen der Untersuchung gegen ein mögliches, damit
verbundenes Risiko genau abzuwägen. Ebenso wird darauf geachtet, bei
jeder Untersuchung immer nur die mögliche Mindestdosis zu verwenden,
um ein noch diagnostizierbares Ergebnis zu erhalten.

Leitlinie zum Strahlenschutz oberste Priorität in der Radiologie

Grundsätzlich hat Röntgenstrahlung zwei Wirkungen auf Menschen.
Einerseits eine deterministische und somit zwangsläufig auftretende
Wirkung, die in einer direkten Beziehung zur Dosis steht. Diese
spielt in der radiologischen Diagnose keine Rolle, tritt aber bei
Strahlenunfällen auf und wird auch bewusst und kontrolliert in der
onkologischen Strahlentherapie eingesetzt.
Bei den stochastischen (zufallsbedingten) Wirkungen geht man davon
aus, dass es keine "Schwellendosis" gibt, und dass nach dem LNT
(Linear No Threshold)-Modell auch kleinste Dosen nach dem
Zufallsprinzip zu stochastischen Schäden führen können, wie z.B.
Krebsentstehung oder genetische Schäden.
Auf diesen Prinzipien basiert auch die grundlegende Leitlinie des
Strahlenschutzes, das sogenannte ALARA Prinzip (As Low As Reasonably
Achievable). Dies besagt im Falle der Radiologie, dass bei jeglicher
Untersuchung nur jene Dosis zum Einsatz kommen darf, welche noch eine
vernünftige und zielführende Diagnose zulässt.

Kommunikation mit PatientInnen muss verbessert werden

Obwohl diese Risiken den RadiologInnen bewusst sind, gibt es laut
Professor Madan Rehani, Direktor für Strahlenschutzagenden der
European Society of Radiology (ESR), einen deutlichen
Verbesserungsbedarf bei der Kommunikation dieser Risiken an die
PatientInnnen: "Meiner Meinung nach sind PatientInnen nicht
ausreichend über die Strahlenthematik bei radiologischen
Untersuchungen informiert. Hinzukommt, dass sich im letzten Jahrzehnt
durch die Medien auch das Bewusstsein der PatientInnen geändert hat
und diese nun dem medizinischen Personal weniger Vertrauen
entgegenbringen und teilweise auch besorgt sind über die anfallende
Strahlenbelastung. Hierin sehe ich eine ganz klare Aufgabe für die
RadiologInnen, sie müssen die Informationsquelle Nummer eins sein und
den PatientInnen ihre Sorgen nehmen. Geschehen muss dies in einer
überzeugenden und kompetenten Art, welche das Vertrauen zwischen Arzt
und Patient stärkt und keine Frage offen lässt. So kann auch
vermieden werden, dass PatientInnen durch einander widersprechende
Meinungen, welche in den Medien erscheinen, verwirrt oder verängstigt
werden."
Weiters sieht Prof. Rehani hier aber auch eine klare Bringschuld auf
Seiten der RadiologInnen und macht klar, dass effiziente und für die
PatientInnen zufriedenstellende Kommunikation nur auf Basis von
korrekten und verständlichen Informationen zu Strahlenrisiken
stattfinden kann.
"Alles andere führt nur zu verunsicherten PatientInnen und zu
unberechtigten Ängsten, wenn eigentlich gar kein Grund zur Sorge
besteht. Voraussetzung hierfür auf Seiten der Radiologie sind
verpflichtende Trainings und Weiterbildung in regelmäßigen Abständen,
sowie eine engere Zusammenarbeit mit den überweisenden Ärzten, welche
hier bereits eine entscheidende Vorarbeit zur Aufklärung leisten
können."

Strahlenbelastung nimmt zu

Entscheidend ist dies vor allem, da immer mehr Experten eine klare
Zunahme der Strahlenbelastung durch bildgebende Methoden feststellen,
allen voran durch den immer häufiger werdenden Einsatz der
Computertomographie (CT).
"In den letzten Jahren haben immer mehr Artikel in renommierten
Zeitschriften darauf hingewiesen, dass die CT eine zunehmende Quelle
der Strahlenexposition darstellt, womit sich das Risiko
CT-induzierter Krebserkrankungen erhöhe. So hat sich die
durchschnittliche Strahlendosis eines Einwohners der USA von 3,6mSv
im Jahr 1980 auf 6,2mSv im Jahr 2006 erhöht, wobei CT-Untersuchungen,
neben nuklearmedizinischen Untersuchungen des Herzens, die
wesentliche Ursache dieser Steigerung sind. In Österreich sind
relativ weniger CT-Geräte im Einsatz als in den USA und traditionell
hat Strahlenschutz, insbesondere bei Kindern, einen höheren
Stellenwert, und der Einsatz von Ultraschall und
Magnetresonanztomographie, statt Röntgen und CT, wird bevorzugt.
Trotzdem haben diese Studien zu einem höheren Bewusstsein der
Wichtigkeit des Strahlenschutzes bei RadiologInnen und
Geräteherstellern geführt", so Prof. Gerhard Mostbeck,
Institutsvorstand am Institut für Diagnostische und Interventionelle
Radiologie Wilhelminenspital Wien und Vorstand des Instituts für
Röntgendiagnostik am Otto-Wagner Spital Wien.

Strahlenschutz in Österreich

In Österreich ist die "Anwendung ionisierender Strahlung am Menschen
in der Medizin" durch die aktuelle medizinische
Strahlenschutzverordnung geregelt, wobei der "Rechtfertigung"
(Strahlenexposition muss einen Nutzen erbringen), der "Optimierung"
(Dosis so niedrig wie möglich - ALARA-Prinzip) und der
"Verantwortung" (sowohl die überweisende Person als auch die
durchführende Fachkraft überprüfen die "Rechtfertigung")
entscheidende Bedeutung zukommt.
Die Vertreter der Österreichischen Radiologie - Bundesfachgruppe
Radiologie der ÖÄK (BURA), Österreichische Röntgengesellschaft (ÖRG),
Verband für medizinischen Strahlenschutz in Österreich (VMSÖ),
Verband für Bildgebende Diagnostik Österreich (VBDO) - haben daher
schon erstmals im Jahr 2000 die "Orientierungshilfe Radiologie -
Anleitung zum optimalen Einsatz der Radiologie" entwickelt, die
Anforderern radiologischer Leistungen hilft, diese Aspekte des
Strahlenschutzes auch im klinischen Alltag anzuwenden.
Die nunmehr 4. Auflage aus 2011 wurde allen Österreichischen
ÄrztInnen zugesendet und ist online abrufbar
orientierungshilfe.vbdo.at.

Ab 07. März tagen in Wien über 20.000 Radiologen

Beim 25. Europäischen Radiologenkongress (European Congress of
Radiology/ECR) vom 07. bis 11. März 2013 im Austria Center in Wien
werden auch heuer wieder Spezialisten aus dem Bereich der
medizinischen Bildgebung ihr Fachwissen auf den verschiedensten
Gebieten austauschen, und die neuesten Erkenntnisse der Forschung
präsentieren.
Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für
Radiologie (European Society of Radiology/ESR), welche weltweit über
56.000 Radiologen vertritt. Mit mehr als 20.000 Teilnehmern aus der
ganzen Welt ist der ECR einer der größten medizinischen Kongresse
weltweit; zusätzlich bietet er die größte Industrieausstellung in
Europa, bei der auf über 26.000 m2 mehr als 300 internationale Firmen
die neuesten Produkte der Medizintechnik anbieten.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ECR

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