• 28.02.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Warum Italien keine neue Eurokrise droht - von Micaela Taroni

Italien ist heute besser ausgerüstet als im November 2011

Utl.: Italien ist heute besser ausgerüstet als im November 2011 =

Wien (OTS) - Die EU fürchtet die "Polit-Clowns" in Rom. Der
Starkomiker Beppe Grillo, der die politische Kaste zur
bedingungslosen Kapitulation zwingen will, ist zum Zünglein an der
Waage in Italiens neuem Parlament aufgerückt. Der so oft totgesagte
Berlusconi hat die Sitzmehrheit im Senat erobert und kann jetzt
jeglichen Beschluss des Parlaments blockieren. Eigentlich ist Italien
durch das Wahlergebnis so gut wie unregierbar geworden.

Doch trotz chaotischer Polit-Zustände in Rom und bevorstehender
Regierungsverhandlungen, die sich so schwierig wie noch nie gestalten
werden, droht Italien keine Eurokrise. Die Märkte haben zwar anfangs
hitzig auf den erdrutschartigen Erfolg der Grillo-Truppe und auf die
unglaubliche Wiederauferstehung Berlusconis reagiert, nach ersten
Turbulenzen hat sich die Lage allmählich wieder beruhigt. Die
Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen sind zwar gestiegen,
das ist aber nichts im Vergleich zum November 2011, als die Märkte
die Regierung Berlusconi zu Fall brachten, indem sie dem Land mit
immer höheren Zinssätzen für italienische Staatspapiere drohten.

Die befürchtete Attacke der Finanzspekulation nach den Wahlen in
Italien ist vorerst ausgefallen. Ist das Krisenland diesmal begnadigt
worden? Wahrscheinlich schon. Im Vergleich zum November 2011 ist
Italien besser ausgestattet, um den Wogen spekulativer Angriffe aus
dem Ausland standzuhalten. Die Regierung unter Mario Monti hat die
Basis für eine nachhaltige Bilanzsanierung geschafft. Das Defizit ist
fast auf Null gesunken, die Weichen für einen systematischen Abbau
der Verschuldung sind gestellt. Außerdem kann Italien jetzt mit einer
Unterstützung in Brüssel rechnen, das von der schmerzhaften Erfahrung
mit Griechenland etwas gelernt hat. Die EU hat begriffen, dass die
Griechenland-Pleite für Europa kostspieliger ist als erwartet und
dass Italien, Europas drittstärkster Volkswirtschaft, nicht dasselbe
Schicksal drohen kann, ohne dass der ganze Kontinent dafür einen
unvorstellbaren Preis zahlen müsste. Langwierige politische
Verhandlungen kann sich das Land nicht erlauben. 3,5 Millionen
Italiener sind arbeitslos. Allein im vergangenen Jahr sind 100.000
Unternehmen zugrunde gegangen. Die Rezession belastet die Zukunft des
Landes. Jetzt heißt es die Ärmel hochzukrempeln und für den Neustart
zu arbeiten.

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