WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Warum Italien keine neue Eurokrise droht - von Micaela Taroni

Italien ist heute besser ausgerüstet als im November 2011

Wien (OTS) - Die EU fürchtet die "Polit-Clowns" in Rom. Der Starkomiker Beppe Grillo, der die politische Kaste zur bedingungslosen Kapitulation zwingen will, ist zum Zünglein an der Waage in Italiens neuem Parlament aufgerückt. Der so oft totgesagte Berlusconi hat die Sitzmehrheit im Senat erobert und kann jetzt jeglichen Beschluss des Parlaments blockieren. Eigentlich ist Italien durch das Wahlergebnis so gut wie unregierbar geworden.

Doch trotz chaotischer Polit-Zustände in Rom und bevorstehender Regierungsverhandlungen, die sich so schwierig wie noch nie gestalten werden, droht Italien keine Eurokrise. Die Märkte haben zwar anfangs hitzig auf den erdrutschartigen Erfolg der Grillo-Truppe und auf die unglaubliche Wiederauferstehung Berlusconis reagiert, nach ersten Turbulenzen hat sich die Lage allmählich wieder beruhigt. Die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen sind zwar gestiegen, das ist aber nichts im Vergleich zum November 2011, als die Märkte die Regierung Berlusconi zu Fall brachten, indem sie dem Land mit immer höheren Zinssätzen für italienische Staatspapiere drohten.

Die befürchtete Attacke der Finanzspekulation nach den Wahlen in Italien ist vorerst ausgefallen. Ist das Krisenland diesmal begnadigt worden? Wahrscheinlich schon. Im Vergleich zum November 2011 ist Italien besser ausgestattet, um den Wogen spekulativer Angriffe aus dem Ausland standzuhalten. Die Regierung unter Mario Monti hat die Basis für eine nachhaltige Bilanzsanierung geschafft. Das Defizit ist fast auf Null gesunken, die Weichen für einen systematischen Abbau der Verschuldung sind gestellt. Außerdem kann Italien jetzt mit einer Unterstützung in Brüssel rechnen, das von der schmerzhaften Erfahrung mit Griechenland etwas gelernt hat. Die EU hat begriffen, dass die Griechenland-Pleite für Europa kostspieliger ist als erwartet und dass Italien, Europas drittstärkster Volkswirtschaft, nicht dasselbe Schicksal drohen kann, ohne dass der ganze Kontinent dafür einen unvorstellbaren Preis zahlen müsste. Langwierige politische Verhandlungen kann sich das Land nicht erlauben. 3,5 Millionen Italiener sind arbeitslos. Allein im vergangenen Jahr sind 100.000 Unternehmen zugrunde gegangen. Die Rezession belastet die Zukunft des Landes. Jetzt heißt es die Ärmel hochzukrempeln und für den Neustart zu arbeiten.

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