Umgang mit Intelligenzen jenseits der Norm - Schulische Begabungsförderung als Investition in eine soziale Gesellschaft -

Wien (OTS) - In einer Pressekonferenz anlässlich des Symposiums "person:orientiert - Begabungs-förderung im Gespräch zwischen Theorie und Praxis" des Instituts TIBI für Begabungsentwicklung und Innovation an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) Wien/Krems und des eVOCATIOn Weiterbildungs-Instituts der Karl Popper Akademie präsentierten am 28.2.2013 im Club Stephansplatz in Wien international höchst renommierte Begabungsforscher/innen neueste Erkenntnisse aus ihrem Gebiet.
Anton Zeilinger (Universität Wien), Joseph S. Renzulli (University of Connecticut/USA), Gabriele Weigand (PH Karlsruhe) und Andrea Pinz (KPH Wien/Krems) forderten u.a. eine "Schule der Person", in der individuelle Begabungen aller Art gefördert werden.

Begabung als "soziales Kapital" der Gesellschaft

"Sind traditionelle Begabungsmodelle auch im 21. Jahrhundert noch gültig oder müssen sie im Hinblick auf neue Problemstellungen wie Umweltverschmutzung, unethische Wirtschaftspraktiken, ungleiche Gesundheitsversorgung, soziale Ungerechtigkeit usw. überdacht und überprüft werden?"

Mit dieser Frage bringt Prof. Dr. Joseph Renzulli, Direktor des National Research Center on the Gifted and Talented, University of Connecticut (USA), den Wandel im Verständnis von und Umgang mit Begabungen auf den Punkt: Die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts braucht nicht nur intellektuelle Begabungen, sondern die Potenziale aller Kinder und Jugendlicher, gerade auch ihre ethische Kompetenz und das Bewusstsein um ihre soziale Verantwortung.

Unter den Schüler/innen von heute sind die Führungskräfte von morgen. Dementsprechend geht es darum, Begabungen sinnvoll und wertvoll für die Gestaltung des eigenen Lebens - aber auch für die Gestaltung der gesamten Gesellschaft - einzusetzen. "Die vielfältigen Talente sind das soziale Kapital einer Gesellschaft," betont auch Mag. Andrea Pinz, Leiterin des Instituts TIBI an der KPH Wien/Krems.

"Schule der Person" fördert individuelle Talente und Kompetenzen

Ein dynamischer Begabungsbegriff beinhaltet Talente im kognitiven, motorischen, künstlerischen, sozialen, emotionalen und auch im spirituellen Bereich. Ein sensibler und verantwortungsbewusster Umgang mit diesen Begabungen fordert ein intensives Eingehen auf die Person des Lernenden. Begabungsförderung wird somit zur Entdeckungsreise zu konkreten Menschen: im Verstehen ihrer Lernbiographien, im Ernstnehmen ihrer Lernvoraussetzungen und im Begleiten ihrer Lernwege.

Für die Schule bedeutet dies mehr Personalität anstelle bloßer Individualität, eine Personalisierung des Lernprozesses sowie die Gestaltung und Entwicklung jeglicher Organisationsform von Schule in Richtung einer "Schule der Person".

Pädagogen und Pädagoginnen der Zukunft erkennen Potenziale und schaffen Begeisterung

In Zeiten zunehmender Leistungsheterogenität und unterschiedlicher Lernvoraussetzungen wird es für Pädagogen und Pädagoginnen immer wichtiger, eine professionelle begabungsfördernde Haltung zu entwickeln. Diese ermöglicht es, Potenziale zu erkennen und Kinder und Jugendliche dazu anzuregen, ihre jeweiligen Begabungen eigenverantwortlich und autonom zu entfalten.

Als wesentliche Voraussetzung für nachhaltiges Lernen sieht Univ.-Prof. Anton Zeilinger, Professor für Experimentalphysik an der Universität Wien, die Begeisterung für etwas. Wenn die Freude an einer Sache überwiegt, steigt die Motivation, sich darin zu vertiefen: "Im Zustand der Begeisterung kann viel Neues entstehen. Wesentlich ist daher die Weitergabe der Begeisterung an die nächste Generation," so Zeilinger.

Internationales Symposium als Brückenschlag zur praktischen Schulentwicklung

Im Rahmen des Symposiums "person:orientiert - Begabungsförderung im Gespräch zwischen Theorie und Praxis" werden sich von 28.2. bis 2.3.2013 in der Akademie der Wissenschaften und dem Fortbildungszentrum der KPH Wien/Krems 250 Pädagogen und Pädagoginnen, Schulleiter/innen, Lehrende an Universitäten und Hochschulen, Kindergartenpädagogen und -pädagoginnen und Studierende aus 10 Ländern in Plenarvorträgen mit international renommierten Experten und Expertinnen und in Diskursforen mit dem Thema Begabungsförderung auseinandersetzen.

Ziel ist es, über die bei dieser Veranstaltung vertretenen Schulen Begabungsförderung in allen Schulstufen zu initiieren, von der Elementarpädagogik bis zur Oberstufe, aber auch in der Tagesbetreuung und außerschulisch.

Weitere Informationen unter: www.institut-tibi.at

Die Kirchliche Pädagogische Hochschule (KPH) Wien/Krems ist Österreichs größte Private Pädagogische Hochschule mit fünf Standorten in Wien und Niederösterreich. Das gemeinsame Konzept der Erstausbildung, Fort- und Weiterbildung soll Lehrerinnen und Lehrer in ihren pädagogischen und religionspädagogischen Berufsfeldern bestmöglich qualifizieren und professionalisieren. Im Sinne einer aufgeklärten christlichen Perspektive fördert und vertritt die KPH Wien/Krems die Kooperation der fünf, an der Hochschule vertretenen christlichen Konfessionen (Katholische Kirche, Evangelische Kirche A.B. und H.B., Orthodoxe und Orientalisch-Orthodoxe Kirchen sowie Altkatholische Kirche) bei gleichzeitiger Wahrung der jeweiligen Identität. Das breite Lehrangebot der KPH Wien/Krems setzt sich derzeit zusammen aus 44 Erststudien, aufbauenden Studien sowie Erweiterungs- und Fernstudien, 6 Master- und Hochschullehrgängen sowie einer Vielzahl an Seminaren.

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Mag. Hannes Martschin, Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems, Mayerweckstraße 1, 1210 Wien, www.kphvie.ac.at
Pressebüro: Tel. +43-1-409 77 20, Mail: hannes.martschin@kphvie.ac.at

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