Finanzierungshürden bremsen Ausbau der Offshore-Windkraft

Wien (OTS) - BCG-Studie: Investitionen von 110 Milliarden Euro für das Erreichen der EU-Vorgaben erforderlich - Groß-britannien und Deutschland übernehmen im Offshore-Windkraft-Markt führende Rolle -Aufgrund der schwierigen Finanzierung Ausbau der installierten Offshore-Kapazität auf 25 Gigawatt bis 2020 wahrscheinlich

Mit dem ambitionierten Plan, industrieübergreifend die CO2-Emissionen deutlich zu senken, steigt der Anteil erneuerbarer Energiequellen am Erzeugungsmix: Die Europäische Union hat ein verbind-liches Ziel für erneuerbare Energien von 20 Prozent bis zum Jahr 2020 gesetzt, bis zum Jahr 2050 gibt es Szenarien mit einem EU-weiten Anteil der Erneuerbaren von bis zu 97 Prozent. Offshore-Windkraft wird in für das Erreichen der EU-Ziele wichtigen Ländern wie Deutschland und Großbritannien an Bedeutung gewinnen. Bis zum Jahr 2020 rechnet die European Wind Energy Association mit einer installierten Offshore-Kapazität von 40 Gigawatt (GW); das entspricht dem Achtfachen des aktuellen Wertes von 4,9 GW in der EU. Um die erforderlichen Investitionen von voraussichtlich 110 Milliarden Euro zum Ausbau dieser Erneuerbare-Energien-Projekte bis zum Jahr 2020 zu sichern, müssen Energieversorger jedoch Risiken und Kosten deutlich verringern. Aufgrund der schwierigen Finanzierung scheinen daher eine langsamere Entwicklung des Marktes wahrscheinlich und damit ein Ausbau der installierten Kapazität auf insgesamt 25 GW bis zum Jahr 2020. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie EU 2020 Offshore Wind Targets der Boston Consulting Group (BCG).

Großbritannien und Deutschland bei Offshore-Windkraft führend

Infolge des Booms von Onshore-Windkraft beschäftigen sich Industrie und Regierungen zunehmend auch mit der möglichen Nutzung der gewaltigen Offshore-Windenergiequellen. Im Vergleich zu Onshore-verspricht Offshore-Windenergie eine Reihe von Vorzügen: eine verlässlichere und weniger schwankende Windproduktion, geringere Standortrestriktionen und weniger Widerstände von Seiten lokaler Interessengemeinschaften. Großbritannien und Deutschland planen, den Großteil der zusätzlichen Kapazität mit nationalen Zielvorgaben von 13 GW bzw. 10 GW zur Verfügung zu stellen. Weitere EU-Länder, darunter Frankreich, Dänemark, Belgien und die Niederlande, verfolgen ebenfalls ambitionierte Offshore-Pläne mit einer nationalen installierten Kapazität von bis zu sechs GW bis zum Jahr 2020.

Finanzierung ist größte Herausforderung

Die Investitionskosten für die kürzlich in der EU installierten 4,9 GW Offshore-Windkraft betrugen 16 Milliarden Euro. Nach BCG-Schätzungen wurden 77 Prozent der Kosten direkt über die Bilanzen der Energieversorger finanziert, 23 Prozent über Fremdfinanzierung von Banken und Eigenkapital von Entwicklern, kleinen Energieversorgern, institutionellen Anlegern und Family-Offices. Legt man diese Zahlen zugrunde, müssten die Energieversorger für den weiteren Ausbau 85 Milliarden Euro tragen - ein Betrag, der ihre Belastbarkeit weit übersteigt.

Vor dem Hintergrund mittelfristiger Kapitalengpässe müssen Energieversorger aktiv ihr Rendite-Risiko-Profil optimieren, zum Beispiel durch innovative Kooperationen, die es ihnen und anderen Marktteilnehmern erlauben, gemeinsam produktiv an der Senkung von Risiken und Kosten zu arbeiten.

Offshore-Windkraft ist noch eine unreife Industrie mit hohen Risiken

Nach Einschätzung der von BCG befragten Marktteilnehmer ist Offshore-Windkraft mit hohen Risiken verbunden, wenngleich davon auszugehen ist, dass die Entwicklungsrisiken sowie operative Risiken in den kommenden fünf Jahren deutlich abnehmen werden. "Der Einfluss dieser Risiken auf die Renditen von Offshore-Windkraft wird mit zunehmender Erfahrung über die Zeit geringer werden - und ein attraktiveres Risiko-Ertrags-Profil ermöglichen, das notwendig ist, um Investoren zu gewinnen", erwartet Holger Rubel, Energieexperte und Partner bei BCG.

Der Ausbau von Offshore-Windkraft in der EU steht vor drei wesentlichen Herausforderungen:

  • Offshore-Windkraft ist - nach Ansicht großer potenzieller Investoren wie Pensionsfonds und Versicherer - noch eine unreife Industrie mit hohen Risiken.
  • Energieversorger spielen eine Vorreiterrolle, werden aber in Kapitalengpässe geraten, bevor sie die Ziele für das Jahr 2020 erreichen.
  • Die Finanzierungsfrage zu lösen wird Zeit in Anspruch nehmen, da für eine relativ neue und risikobehaftete Industrie wenig Kapital bereitsteht, insbesondere im aktuellen makroökonomischen Umfeld.

Finanzierungsfrage muss frühzeitig angegangen werden

Es ist davon auszugehen, dass es mehrere Jahre dauern wird, bevor die Bilanzen der Energieversorger und neue externe Kapitalquellen in erforderlicher Höhe verfügbar sein werden. Daher müssen die Energieversorger abschätzen, welche Investitionen sie für Offshore-Windenergie bis zum Jahr 2020 zur Verfügung stellen können. Noch wichtiger: Sie müssen überlegen, wie sich verfügbares Kapital in Risikotragfähigkeit übersetzt, d. h., wie viel Offshore-Windkraft-Kapazität sie finanzieren können, ohne ihr Kreditrating zu gefährden.

"Energieversorger müssen sich jetzt mit der Finanzierung auseinandersetzen. In fünf bis zehn Jahren, wenn ihre Bilanz bis ans Limit ausgereizt ist, wird es zu spät sein, das Risiko laufender Projekte zu reduzieren, besonders, wenn Projekte schon den Betriebsmodus erreicht haben", erklärt Gunar Hering, Energieexperte bei BCG und Mitautor der Studie. "Energieversorger sollten sich finanziell und strategisch lange im Voraus vorbereiten. Der Zeitverzug von Investitionsentscheidung und Vertragsabschluss bis zu Fertigstellung und erprobter Betriebszeit ist immens. Änderungen vorzunehmen wird schwierig, sobald der Prozess läuft."

BCG-Experte Holger Rubel ergänzt: "Gleichzeitig sind die Regierungen gefordert, für eine verlässliche und effiziente Regulierung, eine gezielte Förderung und einen zuverlässigen Netzausbau zu sorgen, um die Industrie zu unterstützen."

The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale Managementberatung und weltweit führend auf dem Gebiet der Unternehmensstrategie. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt BCG individuelle Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu schaffen, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu steigern und das Geschäftsergebnis dauerhaft zu verbessern. BCG wurde 1963 von Bruce D. Henderson gegründet und ist heute an 78 Standorten in 43 Ländern vertreten. Das Unternehmen befindet sich im alleinigen Besitz seiner Geschäftsführer. In Deutschland und Österreich erwirtschaftete BCG im Jahr 2011 mit 980 Beraterinnen und Beratern einen Umsatz von 490 Millionen Euro. Für weitere Informationen: www.bcg.at.

In ihrem Internetportal bcgperspectives.com bündelt die Boston Consulting Group alle unternehmenseigenen Studien, Kommentare, Grafiken und Videos und stellt sie online zur Verfügung. Neben Publikationen zu aktuellen Wirtschafts- und Unternehmensthemen beinhaltet die Plattform auch Veröffentlichungen aus der rund 50-jährigen Unternehmensgeschichte. Das Onlineportal findet sich unter www.bcgperspectives.com.

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