• 27.02.2013, 19:50:34
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Papst, der Tod und die Freude am Glauben" (Von Thomas Götz)

Ausgabe vom 28.2.2013

Utl.: Ausgabe vom 28.2.2013 =

Graz (OTS) - Der Papst hat sich in einer bewegenden Audienz vor
Tausenden Menschen aus seinem Amt verabschiedet. Er nutzte die
Chance, den Gläubigen etwas mitzugeben. "Mein Wunsch ist es, dass
alle die Freude spüren, dass sie spüren, wie schön es ist, ein Christ
zu sein und zur Kirche zu gehören." Etwas von der Freude war auf dem
Platz zu spüren. Zum ersten Mal war es ein Abschied ohne Tod.

Wünschen muss man sich und anderen nur, was nicht selbstverständlich
ist. Warum eigentlich? Die Botschaft des Christentums könnte besser
nicht sein. Sie handelt von der Überwindung des Todes und von einer
Freiheit, die aus dem Verlust der Todesangst kommt. Warum muss sich
das Oberhaupt so einer Religion Sorgen machen, die Gläubigen könnten
sich zu wenig freuen?

Der schlichte Satz schlägt einen Grundton im Denken von Joseph
Ratzinger an. Es ist nicht selbstverständlich, dass die Botschaft
auch in aller Frische und unversehrt ankommt. Seine Interventionen
gegen die "Theologie der Befreiung" waren die Abgrenzung von einem zu
engen, rein innerweltlichen Freiheitsbegriff, der damals sehr modisch
war. Die mit seinem Lebenswerk untrennbar verbundene Floskel von der
"Diktatur des Relativismus" drückt dieselbe Sorge aus: dass der
Verzicht auf feste Bezugspunkte zuletzt auch die Freude am Glauben,
am Leben zerstört.

Indirekt spricht der Satz aber auch von den unerquicklichen
Machenschaften der Kurie, unter denen der 85-Jährige in den fast acht
Jahren seines Pontifikats gelitten hat. Wenn von der "Freude, zur
Kirche zu gehören" die Rede ist, muss auch von den Hindernissen
geredet werden, die in einer schlecht organisierten, offenbar auch
ziemlich intriganten Zentralorganisation aufgerichtet werden.

Trotz seiner jahrzehntelangen Erfahrung in der Glaubenskongregation
scheint sich der Theologe und Schöngeist keine Vorstellung gemacht zu
haben, was in den Ressorts der Kollegen vor sich geht und wie
schlecht koordiniert die "Regierung" seines Staates ist. Ämter, die
dem Papst zuarbeiten sollten, haben ihm stattdessen das Leben schwer
gemacht, ihm beinahe die Freude an seinem Amt vergällt. Sie haben der
Kirche geschadet. Hier Ordnung zu schaffen, ist ein dringender
Auftrag an den Nachfolger.

Der Wind kam von vorne und Gott schien zu schlafen", sagte der Papst
auch. Starke Worte, gekleidet ins biblische Bild vom schlafenden
Jesus im sturmgebeutelten Schiff. Unmöglich, sie nicht auf Joseph
Ratzingers turbulente Jahre im apostolischen Palast zu beziehen.****

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