- 26.02.2013, 10:03:39
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Verbot der bienengefährlichen Neonicotinoide notwendig für Fortbestand der Bienen
GLOBAL 2000 übt scharfe Kritik an Berlakovich. Einfluss der Chemischen Industrie muss begrenzt werden.
Utl.: GLOBAL 2000 übt scharfe Kritik an Berlakovich. Einfluss der
Chemischen Industrie muss begrenzt werden. =
Wien (OTS) - Die überraschende Vertagung des für gestern
angekündigten Votums über ein von der EU-Kommission vorgeschlagenes
Anwendungsverbot von Pestiziden aus der Gruppe der Neonicotinoide für
Mais, Raps, Sonnenblumen und Baumwolle ist angesichts des
fortschreitenden Bienensterbens in Europa ein ökologisches Drama.
Zudem drängt sich die Frage nach den Hintergründen der Verschiebung
auf.
Dr. Helmut Burtscher, Umweltchemiker bei GLOBAL 2000, stellt fest:
"Pestizidwirkstoffe dürfen laut EU-Verordnung keine schädlichen
Auswirkungen auf die Gesundheit von Nutztieren haben. Deshalb war die
Forderung nach einem Verbot die einzig mögliche Reaktion der
Kommission auf die zuvor von der Zulassungsbehörde EFSA
veröffentlichte Stellungnahme, wonach zahlreiche Anwendungen von
Neonicotinoiden ein für Bienen nicht akzeptables Risiko darstellen."
Neonicotinoide sind die weltweit am häufigsten angewendeten
Insektizide, mit einem Jahresumsatz von insgesamt über 1,5 Milliarden
Euro. Konzerne wie Bayer und Syngenta kündigten im Falle eines
Verbots umgehend Klagen an und präsentierten eine Studie, wonach eine
solche Entscheidung 50.000 Arbeitsplätze und 17 Milliarden Euro
kosten würde. "Es scheint weit verbreitete Praxis zu sein, dass
Chemiekonzerne versuchen, mithilfe von gerichtlichen Klagen
wissenschaftlich fundierte Entscheidungen zum Schutz von Mensch und
Umwelt auszuhebeln. Ein im Vorjahr publizierter Report des Pesticide
Action Networks Europe hat gezeigt, dass Pestizidhersteller in den
vergangenen Jahren mehr als sechzig Mal gerichtlich gegen negative
Zulassungsbescheide der EU vorgegangen sind. Dass eine Vielzahl von
Pestiziden, die wegen mangelnder Daten über deren gesundheitliche und
ökologische Unbedenklichkeit eigentlich keine Zulassung mehr haben
dürften, immer noch am europäischen Markt verfügbar sind, kann als
Erfolg dieser Klagspraxis interpretiert werden", erklärt Burtscher.
Die ersten Berichte von Imkern über großflächige Bienenschäden durch
Neonicotinoide gab es bereits 1994 in Frankreich. Chemische Industrie
und Landwirtschaft stritten von Beginn an einen möglichen
Zusammenhang ihrer Pestizide mit dem Bienensterben mit der Begründung
ab, dass diese Mittel von der EFSA als "unbedenklich für Bienen"
eingestuft seien, und machten stattdessen Bienenkrankheiten wie die
Varoa-Milbe für das zunehmende Bienensterben verantwortlich. Roland
Netter, Imker aus Strengberg in Niederösterreich, führt aus: "Mit dem
insektizidgebeizten Maissaatgut ging es bei uns im Jahr 2009 so
richtig los. Seither sterben mir Jahr für Jahr ganze Bienenvölker
weg. In den Jahren davor hatte ich diese Probleme nicht - und eine
derartig drastische Auswirkung der Varoa-Milbe halte ich für
ausgeschlossen." Anton Reitinger, Imkermeister aus Oberösterreich,
ergänzt: "Diese Neonicotinoide werden von den Pflanzen systemisch
aufgenommen, durchdringen sie komplett und gelangen so auch in Pollen
und Nektar. Das macht diese Wirkstoffe so gefährlich. Indem die
Bienen den Pollen einsammeln, tragen sie auch kleinste Mengen dieser
Nervengifte in den Bienenstock, wo sie dann das Bienenvolk in seiner
Gesamtheit schädigen und anfällig für Krankheiten aller Art machen."
DI Dr. Stefan Mandl, Bio-Imker und Bienenforscher, der rund 6.000
Bienenvölker betreut, kann das nur bestätigen: "Fatal ist, dass diese
Nervengifte, wie neue Forschungsergebnisse gezeigt haben, einerseits
irreversibel wirken und andererseits sich nur äußerst langsam
abbauen. Jahr für Jahr gelangen diese Gifte tonnenweise in die Natur
und reichern sich im Boden und im Wasser an. Deshalb ist es so
wichtig, dass Europa ein sofortiges Aus für die Neonicotinoide
beschließt und Österreich hier mit gutem Beispiel voran geht."
Umweltminister Nikolaus Berlakovich ließ vergangene Woche auf die
Frage nach der österreichischen Position zum Kommissionsvorschlag
ausrichten, dass für eine abschließende Bewertung der Risiken für
Bienen noch nicht ausreichend Daten vorhanden seien und in Österreich
ohnehin nur in 0,38 Prozent der Bienenvölker Schädigungen durch
insektizidgebeiztes Saatgut nachgewiesen worden seien. Helmut
Burtscher ist entsetzt: "Die erste Aussage aus dem Ministerbüro gibt
zu hundert Prozent die Argumentation der Chemiekonzerne wieder. Die
zweite Aussage ist die Wiederholung eines von Vertretern der
Landwirtschaftskammern und der AGES oftmals getätigten Versuchs, das
Bienensterben durch unzulässige Zahlenspielereien klein zu rechnen:
Es seien von den 367.000 Bienenvölkern in Österreich ja nur bei ca.
0,38% Schädigungen durch insektizid-gebeiztes Saatgut nachgewiesen
worden. Diese Rechnung ist irreführend und nicht zulässig, da im
MELISSA-Projekt nicht die Gesamtzahl der Völker untersucht worden
ist, sondern lediglich ein Bruchteil davon." Tatsächlich bestanden
mehr als die Hälfte der untersuchten Proben aus geschädigten Bienen
sowie Bienenbrot und Pollen, die positiv auf Neonicotinoide getestet
wurden. "Bleibt nur die Hoffnung, dass diese skandalösen Aussagen
nicht die tatsächliche Überzeugung des Landwirtschaftsministers
widerspiegeln, sondern Herr Berlakovich bislang nur auf die falschen
Einflüsterer gehört hat", meint Burtscher.
Eine zweite mögliche Erklärung für diese Aussagen wäre allerdings,
dass der Landwirtschaftsminister den Schutz der Bienen nicht als
dringlich ansieht, da er jene Sichtweise teilt, die ein leitender
Beamter der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES erst
kürzlich in einer Podiumsdiskussion von sich gab: Bienen und andere
Bestäuber seien nicht notwendig, in der Schublade lägen bereits
selbstbestäubende Pflanzen, die eine Ernährungssicherheit
garantieren.
GLOBAL 2000 fordert Minister Berlakovich dringend auf, Klarheit
bezüglich obiger Aussagen zu schaffen und sich voll und ganz hinter
die von der EU-Kommission geforderten Verbote der bienengiftigen
Neonicotinoide zu stellen.
Zum Thema "sichtbarer Zusammenhang von AGES und Bayer bzw. Syngenta"
siehe auch
http://www.global2000.at/site/de/nachrichten/pestizide/infoblaetter/a
rticle-infoschreiben.htm
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