Unsere Geduld ist zu Ende

Wien (OTS) - Die Betriebsräte und die Mitarbeiter/innen der Vereinigten Bühnen (Theater an der Wien, Ronacher, Raimundtheater) und der Wiener Privattheater (Theater in der Josefstadt, Volkstheater, Theater der Jugend) sind es leid, jedes Jahr von den Direktionen und in weiterer Folge den Subventionsgebern, bei den jährlichen Gehaltsverhandlungen zu hören, dass kein Geld für Gehaltserhöhungen vorhanden sei.

Die Mitarbeiter/innen, seien es Schauspieler, Bühnenarbeiter, Reinigungsfrauen und viele mehr, tragen täglich dazu bei, dass der Vorhang sich jeden Abend hebt. Die meisten Bühnen spielen bis auf zwei Tage im Jahr jeden Abend, auch an Sonn-und Feiertagen. Sie arbeiten unter den flexibelsten Kollektivverträgen Österreichs mit zweimaligem Dienstantritt an einem Arbeitstag und Dienstzeiten bis zu 14/ 1/2 Stunden.

Laut einer aktuellen Erhebung des Sozialministeriums, bei dem die niedrigsten Kollektivvertragslöhne aufgelistet wurden, sind die Wiener Privattheater an 11 Stelle einzuordnen. Mit Einstiegsgehältern von gerade 1.283 Euro Brutto! Um auf einen angemessenen Gehalt zu kommen, ist man auf Zulagen angewiesen, die aber nicht von den Mitarbeitern/innen beeinflussbar sind. Wenn man dann einmal wegen erhöhten Arbeitsaufwands 40 oder mehr Überstunden pro Woche angeordnet bekommt, heißt es sofort: was wollt ihr eigentlich, ihr verdient doch eh so viel. Auch viele Schauspieler/innen arbeiten zu Minimalgagen, und jetzt soll diese nur 1500 Mitarbeiter/innen umfassende Beschäftigtengruppe anscheinend als einzige noch zur Sanierung der Wirtschaftskrise herangezogen werden.

Die in den letzten Jahren zwischen Gewerkschaft und dem Wiener Bühnenverein abgeschlossenen Gehaltsverhandlungen lagen meist unter der Inflationsrate, das kann und darf nicht so weitergehen.

Die Betriebsräte fordern daher faire Gehaltserhöhungen, damit die Mitarbeiter/innen der Wiener Theaterbetriebe auch mit den Erhöhungen der Kosten des täglichen Lebens wie Wohnungsmiete, Ernährung oder den ständig steigenden Energiekosten zurechtkommen. Daher sind auch die Subventionsgeber von Stadt und Bund gefordert, die Häuser finanziell so auszustatten, dass diese ihrem Kulturauftrag nachkommen können.

Dafür, sind wir bereit zu kämpfen und dies auch mit eventuellen Arbeitsniederlegungen zu unterstreichen. Dies wurde auch schon von der Gewerkschaft GdG-KMSfB in einer APA-Meldung am 18.1.2013 angekündigt. Also wenn Sie, lieber Leser dieser Zeilen an einem Theaterabend vor geschlossenem Vorhang sitzen, dann ist die die Geduld der Mitarbeiter/innen zu Ende.

Ebenso unerfüllt bleibt, ein seit vielen Jahren und von allen Betriebsräten sämtlicher Theater Österreichs gefordertes Mitbestimmungsrecht in den Aufsichtsräten.

Gerade in Zeiten, in denen der wirtschaftliche Druck auf Arbeitnehmer/innen ins Unerträgliche steigt. Oft werden die minimalsten arbeitsrechtlichen Gesetze wie die gültigen Kollektivverträge nicht eingehalten, immer wieder wird versucht, Mitarbeiter/innen in sittenwidrige Verträge zu drängen, ist es für die Betriebsräte so wichtig, Mitbestimmungsrecht im Aufsichtsrat zu erlangen, so wie es auch in anderen privatwirtschaftlich geführten Betrieben üblich ist.

Obwohl es einen einstimmigen Beschluss der Bundesarbeiterkammer und einen Beschluss eines Wiener Landesparteitages gibt, ist es bis her nicht gelungen eine Streichung des Absatzes 6, des § 133 Arbeitsverfassungsgesetz zu erwirken.

Im Absatz 6 des § 133 wird das Mitbestimmungsrecht der Betriebsräte in Theaterbetrieben ausgeschlossen.

Da es in der Vergangenheit, und auch aktuell, immer wieder vorkommt, dass sich einige Theaterdirektoren trotz schlechter finanzieller Lage, Nebenbühnen leisten, um dann zu sagen es gäbe kein Geld für Lohnerhöhungen, schreit ja förmlich nach Mitbestimmung durch Betriebsräte.

Wir hoffen, dass Sie, lieber Leser/in Verständnis für die Anliegen der Betriebsräte und der Mitarbeiter/innen haben und hoffen, sie auch weiterhin mit wunderbaren Aufführungen zu unterhalten.

Es lebe die Freiheit der Kunst, aber nicht auf Kosten der Mitarbeiter/innen, die ermöglichen, dass sie am Ende jeden Tages stattfindet .

Die Betriebsräte des Theaters In der Josefstadt

Die Betriebsräte der Vereinigten Bühnen

Die Betriebsräte des Volkstheaters

Die Betriebsräte des Theaters der Jugend

Rückfragen & Kontakt:

Robert Leithner
Betriebsratsvorsitzender
Volkstheater
Leithner@volkstheater.at
Tel: 01 52 111/267

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