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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Rosstäuscher fordern noch viele Bauern-Opfer" (von Ulrich Dunst)
Ausgabe vom 22.02.2013
Utl.: Ausgabe vom 22.02.2013 =
Graz (OTS) - Und schon wieder ist der Wurst ein Ross entsprungen.
Doch ließ sich die leicht erregbare Mahlzeit-Gesellschaft bis gestern
damit abspeisen, dass nicht deklariertes Pferdefleisch in
Fertigprodukten oder Döner-Spießen eben Auswüchse einer "Geiz isst
Gaul"-Mentalität seien und der Griff zu regionalen Produkten die
sicherste Alternative darstelle, so ist seit gestern alles anders -
seit eine Lavanttaler Fleischerei mit "Kärntner Hauswürstln" offenbar
alles auf ein Pferd gesetzt hat.
Ab sofort geht es weniger darum, über welche Hohlwege man nicht
deklariertes Fleisch in die Wurst geschummelt hat - das ist Sache des
Staatsanwaltes. Es geht vielmehr darum, dass heimischen Produzenten
wie Konsumenten der letzte Trumpf aus dem Ärmel fällt: das
uneingeschränkte Vertrauen in die unverfälschte Regionalität.
Da ist es egal, ob es sich um gepanschten Wein, umetikettierte Eier
oder Bauernquargel aus ausländischem Topfen handelt: Wenn sich nur
ein paar industrielle Rosstäuscher nicht daran halten, das
hineinzugeben, was draufsteht, fordert das viele Bauern-Opfer. Auch
wenn die Urproduzenten daran noch so unschuldig sind, können sie den
Vertrauens- und Käuferverlust wohl an der bald fallenden Preiskurve
ablesen.
Nicht das Pferdefleisch ist der Skandal, sondern ein von
Wurschtigkeit geprägtes gesetzliches Umfeld, in dem ein Kärntner
Hauswürstl mit Migrationshintergrund (von dem nicht einmal der
Produzent lückenlos aufzeigt, wo die Ware herkommt) als regionales
Produkt mit Kärntner Fahnderl verkauft werden darf. Solange
Tricksereien, gegen die man längst nach dem Täuschungsverbot vorgehen
könnte, unbestraft bleiben, sind lasche
Eh-Wurscht-Kennzeichnungsregeln und niedrige Eh-Wurscht-Strafen der
eigentliche Skandal.
Wenn nun EU-weit Politiker das Pferd von hinten aufzäumen, den
Gütesiegel-Dschungel mit einem Überdrüber-Gütesiegel bekämpfen wollen
und einen Lebensmittel-Reisepass fordern, seien sie daran erinnert:
Jahrelange Bemühungen heimischer Konsumentenschützer und
Bauernvertreter, Fleisch und Fertigprodukte damit zu kennzeichnen, wo
das Tier geboren, gemästet und geschlachtet wurde, wurden in Brüssel
allesamt ins Jenseits lobbyiert.
Und wenn Österreichs Gesundheitsminister nun härtere Strafen fordert,
sei er daran erinnert, dass er das selbst in der Hand hat.
Stattdessen schieben sich Bund und Länder die Schuld zu, wer bei der
Kontrolle wen ausbremst - und lassen beim Pferdefleisch in puncto
Herkunft keine Zweifel offen: Der Amts-Schimmel, der stammt aus
Österreich.****
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