Umweltkrimi Korneuburg: GLOBAL 2000 vermutet Beitragstäterschaft der Behörden des Landes NÖ zur Gefährdung von Umwelt und Gesundheit

"Unwissentliche" Einleitung von hunderten Kilogramm Pestiziden in die Donau sparte Millionen.

Wien/Korneuburg (OTS) - Vor dem Hintergrund der Grundwasserkontamination in
Korneuburg durch den Pestizidhersteller Kwizda - Agro sammelte GLOBAL 2000, die Bürgerinitiative Pro Reines Wasser und die Umweltstadträtin von Korneuburg, Elisabeth Kerschbaum, Fakten und Indizien, die auf eine Beteiligung der niederösterreichischen Landes- und Bezirksbehörden an der Gefährdung von Umwelt und der menschlichen Gesundheit hindeuten.

GLOBAL 2000 überbrachte heute der Staatsanwaltschaft Korneuburg eine umfassende Sachverhaltsdarstellung, welche im Wesentlichen folgende drei zentrale Vorwürfe umfasst:

1. Das Versäumnis der Behörden, beim Pestizidhersteller Kwizda Agro durch geeignete Auflagen und Kontrollen den über Jahre andauernden Austritt von gefährlichen Pestiziden ins Grundwasser verhindert zu haben.

2. Das Versäumnis, nach dem Störfall von 2010 den Umfang der Kontamination richtig erkannt und durch Einleitung geeigneter Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen eine weitere Ausbreitung verhindert zu haben.

3. Das Versäumnis einer raschen und transparenten Information der von der Grundwasserkontamination unmittelbar betroffenen AnrainerInnen, um ein mögliches Gesundheitsrisiko durch die Nutzung von kontaminiertem Grundwasser vorsorglich zu minimieren.

Dies führte dazu, dass aus mehreren undichten Auffangbecken und Kanalrohren der Kwizda Agro über Jahre hinweg gefährliche Pestizide in das Grundwasser gelangen konnten, sich dort unerkannt ausbreiteten und schließlich das Brunnenfeld Bisamberg der EVN Wasser erreichten, welches bis zur Schließung im September 2012 rund 50.000 Menschen im Rußbachtal mit Trinkwasser versorgte.
Brisant ist, dass sich erst wenige Jahre zuvor im Bezirk Wiener Neustadt beim Pestizidhersteller GAT Microencapsulation ein nahezu identischer Fall ereignet hatte: Auch dort gelangten über undichte Betriebsanlagen Pestizide in das Grundwasser. Auch dort wurden jahrelang auf Anordnung der Behörden die falschen Stoffe im Grundwasser analysiert, anstatt nach jenen Pestiziden zu suchen, die von der Firma hergestellt wurden. Auch dort konnte sich die Grundwasserkontamination folglich unerkannt im Grundwasserstrom ausbreiten und Trinkwasserbrunnen einer angrenzenden Gemeinde kontaminieren. In beiden Fällen waren Beamte des Amts der Niederösterreichischen Landesregierung, Gruppe Wasser, Abteilung Wasserwirtschaft involviert.

"Es hatte uns schon stutzig gemacht, als wir gemeinsam mit dem ORF-Schauplatz im August des Vorjahrs mit einer einzigen Grundwasserbeprobung das schafften, was den niederösterreichischen Behörden scheinbar zwei Jahre lang nicht gelungen war, nämlich das tatsächliche Ausmaß der Kontamination des Korneuburger Grundwassers aufzudecken", stellt Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000 fest: "Als wir dann noch herausfanden, dass derselbe chemisch-technische Amtssachverständige, der es in Korneuburg zwei Jahre lang verabsäumt hatte, das Grundwasser auf Kwizda-Pestizide untersuchen zu lassen, bereits zuvor in die Causa GAT involviert gewesen war, schien uns Fahrlässigkeit als einzig mögliche Erklärung für die schweren Behördenversäumnisse nicht mehr ausreichend."

Ein denkmögliches Motiv wäre, die Sanierungskosten für die Kwizda in einem Rahmen zu halten, der den Fortbestand des Firmenstandortes Leobendorf gewährleistet und somit auch garantiert, dass die Kwizda Agro und nicht die öffentliche Hand die Kosten der Sanierung trägt. Bis zum Nachweis von Clopyralid durch GLOBAL 2000 wurde dieses Pestizid im Zuge der "Sanierungsmaßnahmen" nahezu zwei Jahre lang angeblich unwissentlich in den Donaugraben eingeleitet. Bei einer Einleitmenge von 80 Litern pro Sekunde konnten in diesem Zeitraum hunderte Kilogramm Clopyralid "kostengünstig" aus dem Grundwasser entfernt und in die Donau entsorgt werden. Seit die Kontamination mit Clopyralid bekannt ist und dieses Pestizid daher teuer herausgefiltert werden muss, können pro Monat nur noch rund ein Kilogramm aus dem Grundwasser entfernt werden, eine Menge, die in Spitzenzeiten in einem Tag entfernt worden sein dürfte. Die Kostenersparnis geht nach Schätzungen von GLOBAL 2000 in die Millionen.

"Ob schuldhaftes Verhalten, Fahrlässigkeit oder Vorsatz, dieser Frage wird die Staatsanwaltschaft bei jedem involvierten Behördenvertreter einzeln nachgehen müssen und das Gericht zu entscheiden haben. Die Frage der politischen Verantwortung wird ungleich schwerer zu klären sein", so Burtscher abschließend.

TV-Tipp: Heute 21:05 Uhr ORF 2 "Am Schauplatz Gericht. Vom Vertuschen und Wegschauen"

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