• 21.02.2013, 10:00:43
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Umweltkrimi Korneuburg: GLOBAL 2000 vermutet Beitragstäterschaft der Behörden des Landes NÖ zur Gefährdung von Umwelt und Gesundheit

"Unwissentliche" Einleitung von hunderten Kilogramm Pestiziden in die Donau sparte Millionen.

Utl.: "Unwissentliche" Einleitung von hunderten Kilogramm Pestiziden
in die Donau sparte Millionen. =

Wien/Korneuburg (OTS) - Vor dem Hintergrund der
Grundwasserkontamination in
Korneuburg durch den Pestizidhersteller Kwizda - Agro sammelte GLOBAL
2000, die Bürgerinitiative Pro Reines Wasser und die Umweltstadträtin
von Korneuburg, Elisabeth Kerschbaum, Fakten und Indizien, die auf
eine Beteiligung der niederösterreichischen Landes- und
Bezirksbehörden an der Gefährdung von Umwelt und der menschlichen
Gesundheit hindeuten.

GLOBAL 2000 überbrachte heute der Staatsanwaltschaft Korneuburg eine
umfassende Sachverhaltsdarstellung, welche im Wesentlichen folgende
drei zentrale Vorwürfe umfasst:

1. Das Versäumnis der Behörden, beim Pestizidhersteller Kwizda Agro
durch geeignete Auflagen und Kontrollen den über Jahre andauernden
Austritt von gefährlichen Pestiziden ins Grundwasser verhindert zu
haben.

2. Das Versäumnis, nach dem Störfall von 2010 den Umfang der
Kontamination richtig erkannt und durch Einleitung geeigneter
Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen eine weitere Ausbreitung
verhindert zu haben.

3. Das Versäumnis einer raschen und transparenten Information der
von der Grundwasserkontamination unmittelbar betroffenen
AnrainerInnen, um ein mögliches Gesundheitsrisiko durch die Nutzung
von kontaminiertem Grundwasser vorsorglich zu minimieren.

Dies führte dazu, dass aus mehreren undichten Auffangbecken und
Kanalrohren der Kwizda Agro über Jahre hinweg gefährliche Pestizide
in das Grundwasser gelangen konnten, sich dort unerkannt ausbreiteten
und schließlich das Brunnenfeld Bisamberg der EVN Wasser erreichten,
welches bis zur Schließung im September 2012 rund 50.000 Menschen im
Rußbachtal mit Trinkwasser versorgte.
Brisant ist, dass sich erst wenige Jahre zuvor im Bezirk Wiener
Neustadt beim Pestizidhersteller GAT Microencapsulation ein nahezu
identischer Fall ereignet hatte: Auch dort gelangten über undichte
Betriebsanlagen Pestizide in das Grundwasser. Auch dort wurden
jahrelang auf Anordnung der Behörden die falschen Stoffe im
Grundwasser analysiert, anstatt nach jenen Pestiziden zu suchen, die
von der Firma hergestellt wurden. Auch dort konnte sich die
Grundwasserkontamination folglich unerkannt im Grundwasserstrom
ausbreiten und Trinkwasserbrunnen einer angrenzenden Gemeinde
kontaminieren. In beiden Fällen waren Beamte des Amts der
Niederösterreichischen Landesregierung, Gruppe Wasser, Abteilung
Wasserwirtschaft involviert.

"Es hatte uns schon stutzig gemacht, als wir gemeinsam mit dem
ORF-Schauplatz im August des Vorjahrs mit einer einzigen
Grundwasserbeprobung das schafften, was den niederösterreichischen
Behörden scheinbar zwei Jahre lang nicht gelungen war, nämlich das
tatsächliche Ausmaß der Kontamination des Korneuburger Grundwassers
aufzudecken", stellt Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000
fest: "Als wir dann noch herausfanden, dass derselbe
chemisch-technische Amtssachverständige, der es in Korneuburg zwei
Jahre lang verabsäumt hatte, das Grundwasser auf Kwizda-Pestizide
untersuchen zu lassen, bereits zuvor in die Causa GAT involviert
gewesen war, schien uns Fahrlässigkeit als einzig mögliche Erklärung
für die schweren Behördenversäumnisse nicht mehr ausreichend."

Ein denkmögliches Motiv wäre, die Sanierungskosten für die Kwizda in
einem Rahmen zu halten, der den Fortbestand des Firmenstandortes
Leobendorf gewährleistet und somit auch garantiert, dass die Kwizda
Agro und nicht die öffentliche Hand die Kosten der Sanierung trägt.
Bis zum Nachweis von Clopyralid durch GLOBAL 2000 wurde dieses
Pestizid im Zuge der "Sanierungsmaßnahmen" nahezu zwei Jahre lang
angeblich unwissentlich in den Donaugraben eingeleitet. Bei einer
Einleitmenge von 80 Litern pro Sekunde konnten in diesem Zeitraum
hunderte Kilogramm Clopyralid "kostengünstig" aus dem Grundwasser
entfernt und in die Donau entsorgt werden. Seit die Kontamination mit
Clopyralid bekannt ist und dieses Pestizid daher teuer
herausgefiltert werden muss, können pro Monat nur noch rund ein
Kilogramm aus dem Grundwasser entfernt werden, eine Menge, die in
Spitzenzeiten in einem Tag entfernt worden sein dürfte. Die
Kostenersparnis geht nach Schätzungen von GLOBAL 2000 in die
Millionen.

"Ob schuldhaftes Verhalten, Fahrlässigkeit oder Vorsatz, dieser Frage
wird die Staatsanwaltschaft bei jedem involvierten Behördenvertreter
einzeln nachgehen müssen und das Gericht zu entscheiden haben. Die
Frage der politischen Verantwortung wird ungleich schwerer zu klären
sein", so Burtscher abschließend.

TV-Tipp: Heute 21:05 Uhr ORF 2 "Am Schauplatz Gericht. Vom Vertuschen
und Wegschauen"

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