WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Holzbau: Die Politik hat ein Brett vor dem Kopf - von Thomas Pressberger

Die Liste der verpassten Chancen im Holzbau ist lange

Wien (OTS) - In den Boomjahren von 1995 bis 2005 wurde in der Sägeindustrie auf Teufel komm raus investiert. Es waren Zeit, in denen die Baubranche und der Export florierten. Seit bald fünf Jahren herrscht Flaute in der heimischen Holzindustrie, Absatzrückgänge von 20 Prozent und mehr sind keine Seltenheit. Es wird über Überkapazitäten geklagt und seit Langem eine Konsolidierung gefordert. Banken, die viel Geld in einzelnen Betrieben stecken haben, fürchten Totalausfälle und halten diese künstlich am Leben. Der Umstand, dass viele dieser Betriebe Familienunternehmen mit nur einem Standort sind, macht es noch schwieriger, die maroden Werke zuzudrehen. Die "schlechten" Betriebe ziehen die "guten" mit hinunter, heißt es in der Branche. Andere Stimmen relativieren allerdings den Vorwurf des maßlosen Ausbaus der Kapazitäten. Hätte die Krise der boomenden Branche nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht, würde die Sägeindustrie noch heute einen Dreischichtbetrieb fahren. Doch das ist eine andere Baustelle.

Die schrumpfenden Margen machen die Misere perfekt. Wenn ein Festmeter Rundholz in Russland 65 Euro, in Tschechien und der Ukraine 67 Euro und in Schweden 75 Euro kostet, dann blättert man in Österreich zum selben Zeitpunkt 95 Euro hin. Die Preise, die man für Schnittholz am internationalen Markt bekommt, sind gar nicht im Keller, wie die Sägeindustrie oft klagt. Wer aber so hohe Einkaufspreise hat - der Rohstoff macht etwa 70 Prozent der Kosten des Schnittholzes aus - kann nicht mehr mithalten. Da hilft es auch nicht viel, wenn manche Forstwirte die Not der Sägeindustrie erkannt haben und ihr preislich entgegenkommen.

Was ist aber der Ausweg aus der verfahrenen Situation? Kapazitäten abbauen, diversifizieren, investieren? Das sind Möglichkeiten, aber keine befriedigenden. Da wäre aber noch das Thema Holzbau. Wir sitzen auf Milliarden Festmetern von Holz, einem nachhaltigen Baustoff, dem - so heißt es - die Zukunft gehört und der gefördert werden will. Die Politik hat bei dem Thema leider ein Brett vor dem Kopf. Wieso nutzt man die Ski-WM-Häuser in Schladming nicht, um das österreichische Know-how vorzustellen? Wieso wird ein Wiener Hauptbahnhof nicht in Holz ausgeführt und damit Ankommenden eine einzigartige Visitenkarte in die Hand gedrückt? Die Liste der verpassten Chancen ist lange.

Statt bei Kapazitäten den Rückwärtsgang einzulegen, wäre es an der Zeit, nach vorne zu schauen, sich die Bauordnung - Stichwort Brandschutz - vorzunehmen, Nachwuchs auszubilden, kurz: die Vorreiterrolle, die Österreich im Holzbau beansprucht, auch zu leben.

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