- 19.02.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Holzbau: Die Politik hat ein Brett vor dem Kopf - von Thomas Pressberger
Die Liste der verpassten Chancen im Holzbau ist lange
Utl.: Die Liste der verpassten Chancen im Holzbau ist lange =
Wien (OTS) - In den Boomjahren von 1995 bis 2005 wurde in der
Sägeindustrie auf Teufel komm raus investiert. Es waren Zeit, in
denen die Baubranche und der Export florierten. Seit bald fünf Jahren
herrscht Flaute in der heimischen Holzindustrie, Absatzrückgänge von
20 Prozent und mehr sind keine Seltenheit. Es wird über
Überkapazitäten geklagt und seit Langem eine Konsolidierung
gefordert. Banken, die viel Geld in einzelnen Betrieben stecken
haben, fürchten Totalausfälle und halten diese künstlich am Leben.
Der Umstand, dass viele dieser Betriebe Familienunternehmen mit nur
einem Standort sind, macht es noch schwieriger, die maroden Werke
zuzudrehen. Die "schlechten" Betriebe ziehen die "guten" mit
hinunter, heißt es in der Branche. Andere Stimmen relativieren
allerdings den Vorwurf des maßlosen Ausbaus der Kapazitäten. Hätte
die Krise der boomenden Branche nicht einen Strich durch die Rechnung
gemacht, würde die Sägeindustrie noch heute einen Dreischichtbetrieb
fahren. Doch das ist eine andere Baustelle.
Die schrumpfenden Margen machen die Misere perfekt. Wenn ein
Festmeter Rundholz in Russland 65 Euro, in Tschechien und der Ukraine
67 Euro und in Schweden 75 Euro kostet, dann blättert man in
Österreich zum selben Zeitpunkt 95 Euro hin. Die Preise, die man für
Schnittholz am internationalen Markt bekommt, sind gar nicht im
Keller, wie die Sägeindustrie oft klagt. Wer aber so hohe
Einkaufspreise hat - der Rohstoff macht etwa 70 Prozent der Kosten
des Schnittholzes aus - kann nicht mehr mithalten. Da hilft es auch
nicht viel, wenn manche Forstwirte die Not der Sägeindustrie erkannt
haben und ihr preislich entgegenkommen.
Was ist aber der Ausweg aus der verfahrenen Situation? Kapazitäten
abbauen, diversifizieren, investieren? Das sind Möglichkeiten, aber
keine befriedigenden. Da wäre aber noch das Thema Holzbau. Wir sitzen
auf Milliarden Festmetern von Holz, einem nachhaltigen Baustoff, dem
- so heißt es - die Zukunft gehört und der gefördert werden will. Die
Politik hat bei dem Thema leider ein Brett vor dem Kopf. Wieso nutzt
man die Ski-WM-Häuser in Schladming nicht, um das österreichische
Know-how vorzustellen? Wieso wird ein Wiener Hauptbahnhof nicht in
Holz ausgeführt und damit Ankommenden eine einzigartige Visitenkarte
in die Hand gedrückt? Die Liste der verpassten Chancen ist lange.
Statt bei Kapazitäten den Rückwärtsgang einzulegen, wäre es an der
Zeit, nach vorne zu schauen, sich die Bauordnung - Stichwort
Brandschutz - vorzunehmen, Nachwuchs auszubilden, kurz: die
Vorreiterrolle, die Österreich im Holzbau beansprucht, auch zu leben.
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