- 17.02.2013, 19:18:32
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"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Am Ende war diese WM doch noch perfekt" (Von Günter Sagmeister)
Ausgabe vom 18.2.2013
Utl.: Ausgabe vom 18.2.2013 =
Graz (OTS) - Schladming hat die Patriotismus-Prüfung bestanden.
Peter Schröcksnadel, der Präsident des Ski-Verbandes ÖSV, hat in den
letzten fünf Jahren gefühlte 1327 Mal erklärt, dass Schladming 2013
die beste Ski-WM aller Zeiten wird. Jetzt ist die WM vorbei und
FIS-Präsident Gian Franco Kasper sprach von einer sehr guten WM. Von
einer großartigen WM. Aber niemals, betonte er schon vor dieser WM,
würde er von einer "besten WM aller Zeiten" sprechen. Denn Schladming
2013 könne man zum Beispiel nicht mit Cortina 1932 vergleichen. Die
Zeiten und Umstände sind jeweils andere. Recht hat er.
Sportlich und emotional hätte dieser WM einzig das Wetter auf den
Kopf fallen können. Die Dramaturgie war ansonsten vorgegeben: In der
ersten WM-Woche fiebert die Nation der Herren-Abfahrt entgegen,
schließlich ist dies ein Moment, in dem nationale Legenden geboren
werden. Wenn es nix wird mit den Helden, bricht kurz eine nationale
Krisendebatte aus. Wobei der ÖSV für die zweite WM-Woche noch einen
Heilsbringer namens Marcel Hirscher im Talon hatte, der mit seinem
Popstar-Status die Zahnspangen-Generation zum Quietschen und die
Älteren zum lustvollen Staunen bringt.
Da durfte dann auch Peter Schröcksnadel wieder stolz sein und musste
nicht mehr in typischer ÖSV-Verteidigungsmanier die Eröffnungsfeier
schönreden oder Häme ertragen, wenn er das US-Ski-Team als Bob
Österreich II verniedlicht, nur weil in der US-Trainerschar ein
bisserl rot-weiß-rotes Export-Fachwissen steckt. Die Neue Zürcher
Zeitung etwa schrieb: "An einer Wand des Pressezentrums hängt eine
Leinwand, auf der ständig live und lauthals Pressekonferenzen
übertragen werden. Mindestens jede zweite Veranstaltung hat keinen
wirklichen Inhalt, aber stets denselben Protagonisten: Peter
Schröcksnadel, Präsident des ÖSV, Übervater der WM, Professor für
Schröcksologie und einziger ernst zunehmender Kandidat für die
Papstwahl."
Peter Schröcksnadel mag es gar nicht, wenn jemand nicht seiner
Meinung ist. Es war die beste WM aller Zeiten, sagt er. Zumindest
organisatorisch. Sportlich hätte es in den zwei Wochen freilich
besser laufen können und so wurde zwischenzeitig schon Gold an die
Fans vergeben. Denn die Republik ist zumindest im Skisport in der
Lage, sich mit rot-weiß-rot bemalten Gesichtern vor Leistungen à la
Ligety, Shiffrin oder Svindal zu verneigen.
Schladming hat die Patriotismus-Prüfung bestanden. Hirscher machte am
Schlusstag das ganze Land glücklich und sich zur Legende. Und Peter
Schröcksnadel darf man zu einer perfekten WM gratulieren. ****
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