• 16.02.2013, 18:39:46
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"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Wir und das Steuerrad" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe: 17.02.2013

Utl.: Ausgabe: 17.02.2013 =

Graz (OTS) - Die ereignisreiche Woche lud ein, über gelebte
Verantwortung nachzudenken.

Es war in diesem noch jungen Jahr die vielleicht intensivste Woche.
Drei Geschehnisse von unterschiedlicher Dimension haben sie emotional
geprägt: das Rücktritts-Aviso des Papstes, die Schi-WM in Schladming
und der Großbetrug in der Nahrungsindustrie. Alle drei haben wenig
gemein, und doch laden sie ein zum Nachdenken über Verantwortung und
darüber, wie sie gelebt wird, oben wie auf der Ebene des Einzelnen.

Beginnen wir dort. Es gibt die Verantwortung des Erzeugers und die
des Konsumenten. Essen ist Kultur. Der Einzelne definiert sie. Er
trägt Verantwortung für sich, aber auch den Sog im Markt. Der Skandal
offenbart die Wechselwirkung zwischen verlotterten Sitten
industrieller Produktion und verlotterten Sitten der Verbraucher.

Ein verblüffendes, berührendes Beispiel wahrgenommener Verantwortung
gab der Papst. Die Art und Weise, wie das Kirchenoberhaupt das
vorzeitige Abgeben des Amtes begründete, wurde zu Recht als
souveräner Akt des Verzichts gewürdigt. Hier brach einer mit einer
jahrhundertealten Gepflogenheit, dem lebenslangen Festhalten am Amt,
und zeigte Stärke, indem er Schwäche einbekannte. Die Welt werde
durch Umbrüche hin und her geworfen, das Steuerrad möge kraftvolleren
Händen überantwortet werden. Benedikt XVI hat mit diesem kühnen
Schritt nicht nur das Papstamt vermenschlicht, er hat ein Zeichen
gesetzt, das über die Kirche hinausstrahlt, hinein in die
Karrieristen-Milieus von Wirtschaft und Politik. Machtverzicht
zugunsten eines größeren Ganzen, das Eingestehen eigener
Unzulänglichkeiten ("Ich bitte um Verzeihung für alle meine Fehler"):

Von welchem Manager, von welchem Politiker hat man je solche Worte
gehört?

Spurenelemente von Selbstbescheidung, wir wechseln ein letztes Mal
die Ebene, hätte man gerne auch von den Spitzen des Schi-Verbandes
vernommen. Das Auseinanderklaffen zwischen Anspruch und Wirklichkeit
hätte ohne Trübung des Festes Anlass geboten, Fragen zu strukturellen
und methodischen Defiziten in der Elite-Bildung zuzulassen.

Der Umgang mit Kritik war mitunter herrisch und ließ Grandezza
vermissen. Davon abgesehen war die WM ein professionell in Szene
gesetztes Kräftemessen auf hohem Niveau. Das Publikum verbat sich
chauvinistischen Überschwang und würdigte die Leistungen aller.
Bisweilen litt das Spektakel an sich selbst, am Zuviel. Der eine oder
andere Superlativ weniger hätte der Veranstaltung gut getan. Sie
hätte dann nicht dem hohen Ton hinterherhecheln müssen. Die größte
und herzlichste WM wäre dann einfach nur schön und herzlich gewesen.
Das war sie. Es hätte genügt. ****

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