- 14.02.2013, 14:29:19
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Papst-Rücktritt: Khol fordert Reform des Papstamtes
Manche Traditionen "muss man über Bord werfen"
Utl.: Manche Traditionen "muss man über Bord werfen" =
Wien (OTS) - Gibt es nach dem Rücktritt von Papst Benedikt XVI.
und mit seinem Nachfolger einen Kurswechsel in der katholischen
Kirche? Darüber debattierten gestern Kirchenvertreter und Kritiker in
der ATV-Diskussionssendung "Am Punkt." Lob gab es für die
Rücktritts-Entscheidung des Papstes. Der Sprecher der
österreichischen Bischofskonferenz Paul Wuthe nannte sie einen
historischen Schritt: "Es war einfach für uns nicht vorstellbar, dass
ein Papstamt auf diese Weise beendet wird. Ich denke aber, dass die
Worte des Papstes, seine Begründung, so plausibel sind, dass man nur
Respekt und Hochachtung vor diesem Schritt haben kann. Ich bin auch
davon überzeugt, dass Papst Benedikt, weil er das Ende des
Pontifikats von Johannes Paul II. gesehen hat, für sich entschieden
hat: 'Das ist nicht mein Weg.'"
Ähnlich argumentierte auch der Vorsitzende des ÖVP-Seniorenbundes
und Mitbegründer der katholischen Laieninitiative Andreas Khol in "Am
Punkt": "Ich habe bei Johannes Paul II. ein halbes Jahr vor seinem
Tod auch eine Privataudienz gehabt und ich hatte dann einen Eindruck,
den ich jetzt nicht näher beschreiben möchte, aber Josef Ratzinger
hat das sicherlich nicht wiederholen wollen. Denn damals war mir
klar, dass ein Jahr lang Entscheidungen getroffen wurden im Namen des
Papstes, aber nicht vom Papst. Und das, glaube ich, war bei ihm der
entscheidende Grund."
Für den Vorsitzenden der kirchenkritischen Plattform "Wir sind
Kirche" ist Benedikts Rücktritt ein Zeichen dafür, dass das Papstamt
an sich reformiert gehört: "Es ist ein überforderndes Amt, wo nicht
nur ein 86jähriger Benedikt scheitert, sondern auch ein um zwanzig
Jahre jüngerer scheitern würde, weil sich alles in diesem Amt
vereint. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass hier die Gesetzgebung,
die Gerichtsbarkeit und die Vollziehung in einem Amt münden." Khol
sagte in "Am Punkt", das Papstamt sei "ein unglaublich
zentralisiertes Entscheidungssystem, das nicht funktionieren kann.
Ich glaube, dass die Kirche als Institution eine ganze Reihe von
Reformen absolut notwendig hat. Die Kurienreform etwa, dass man aus
einer absoluten Monarchie eine konstitutionelle macht, dass man
dezentralisiert, den Bischofskonferenzen viele Aufgaben überträgt.
Ich glaube auch, dass die Bischofsernennungen absolut nicht mehr
zeitgemäß sind. Da müssen die Diözesanen mitwirken können."
Der ÖVP-Politiker kritisierte wiederholt die Haltung des Vatikans
zur Rolle der Frau in der Kirche und zum Zölibat. Papst Benedikt habe
versäumt, die Kirche in diesen Fragen zu öffnen: "Ich glaube, dass
gerade die Frage des Zölibates er alleine hätte entscheiden hätte
können. Ich weiß auch nicht, warum man die Frauen vor den Kopf stößt,
wie man es tut. Dass sie als Diakone geweiht werden oder später
einmal sogar als Priester: Ja warum denn nicht? Das ist nicht gegen
das Evangelium. Das hat mit der Moral- und Sittenlehre überhaupt
nichts zu tun, das sind Organisationsentscheidungen und ich hoffe,
dass wir einen Papst bekommen, der diese Traditionen, so wie Benedikt
bei seinem Rücktritt, über Bord wirft und mutig hier Entscheidungen
trifft."
Scharfe Kritik am Vatikan kam in "Am Punkt" auch von Hurka: "Ich
sehe überhaupt nicht ein, warum die Kirche sagt, sie hätte nicht die
Vollmacht dazu, Frauen weihen zu können. Sie hat die Vollmacht. In
vielen Fällen hat sie sich die Vollmacht angemaßt. Nur beim Zölibat
oder bei der Frauenweihe sagt sie: da können wir nichts tun."
Hurka setzt auf das Prinzip Hoffnung: "Ein Kurswechsel wird
unvermeidlich sein. Setzen sich wirklich erzradikale Kräfte durch und
es wird ein Erzradikaler zum Papst gewählt, dann wird sich der
Zusammenbruch der Kirche in der westlichen Welt um diese
Geschwindigkeit, je radikaler konservativ er sein wird, fortsetzen.
Daher glaube ich eher, so klug sind denke ich nämlich auch die
wählenden Kardinäle, dass es einen Ruck ein stückweit zumindest in
die Richtung gehen wird etwas liberaler zu sein", sagte Hurka in "Am
Punkt"
Weniger optimistisch zeigte sich in "Am Punkt" der Initiator des
Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien Niko Alm: "Ein Kurswechsel,
der mich als Außenstehenden zufrieden stellen würde, müsste so
weitreichend sein, dass z.B. die Stellung der Frau in der Kirche
nicht etwas angehoben wird, dass sie ein bisschen geweihter wird als
bisher, sondern es müsste zu einer völligen Gleichstellung kommen. Es
müsste die Diskriminierung von Schwulen aufhören in der Kirche und
die Kirche müsste sich sozusagen zu einem demokratischen Gebilde
umbauen. Meine Hoffnung ist begrenzt, Päpste kommen und gehen, was an
Missständen da ist, wird bleiben."
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