• 12.02.2013, 18:15:01
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Irland-Deal, der allen nützt - von Hans Weitmayr

Auch die Kernländer der Eurozone profitieren vom Nachgeben der EZB

Utl.: Auch die Kernländer der Eurozone profitieren vom Nachgeben der
EZB =

Wien (OTS) - Es war vielleicht nur ein kleiner Schritt für eine
Ratingagentur, aber ein durchaus großer Sprung nach vorne für Irland:
Mit der Verbesserung des Rating-Ausblicks durch Standard & Poor's
(S&P) von "Negative" auf "Stable" wurde zwar die Rating-Klasse an
sich nicht verändert, zum ersten Mal gibt es aber für den Finanzmarkt
ein quasi offizielles Signal, dass das Drehen der Abwärtsspirale im
irischen Fall vorerst einmal gestoppt ist.

Was auf den ersten Blick entmutigen mag, ist S&Ps Argument für den
leicht verbesserten Ausblick: Dieses beruht rein auf dem
Verhandlungsergebnis, das die Regierung mit der EZB im Bezug auf die
Rückzahlung von Schulden erzielt hat, die Irland zur
Rettung des eigenen Bankensystems hat aufnehmen müssen. Skeptiker
mögen meinen, dass hier also zum einen eine EZB-Schwäche und zum
anderen ein profaner Finanztrick S&P geblendet haben mögen.
Tatsächlich sind beide Befürchtungen leicht zu zerstreuen.

Dass die EZB nachgegeben hat, hat in Wirklichkeit allen Beteiligten -
egal ob direkt oder indirekt - genützt. Denn durch das ausverhandelte
Umschulden der EZB-Schuldscheine in länger laufende Papiere wird die
Basis ja nicht verändert, es schmälert sich nur der Ertrag, der umso
höher ist, je höher das Risiko für einen Zahlungsausfall erscheint.
Irland hat sich in den vergangenen Monaten gut erholt, die Renditen
auf den Sekundärmärkten sind zurückgegangen, das spiegelt die
positivere Einstellung der Märkte wider. Eine sture EZB hätte jetzt
darauf verweisen können, dass auch im freien Markt Kupons auf
Anleihen in der Regel nicht verändert werden - sonst hätte das ganze
System ja keinen Sinn. Dass sie das nicht getan hat, zeigt schlicht,
dass sie eben kein normaler Marktteilnehmer ist und dass sie, solange
keine Verluste entstehen, im Rahmen ihres Mandats auf das
Allgemeinwohl zu achten hat. Irlands Refinanzierungslast wird auf
diesem Weg gemildert, eine Rückkehr an die Kapitalmärkte erleichtert,
der Weg Richtung wirtschaftlicher Genesung ein weiteres Stück
zurückgelegt.

Und die mittelbar Beteiligten? Gehören ebenfalls zu den Profiteuren.
Jede Stabilisierung der Eurozone verbessert das Standing der Region
und verbilligt so die Refinanzierung der einzelnen Staaten. Das gilt
vor allem für die Peripherieländer. Für Kernländer wie Österreich
erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Eurorettung mitsamt
ihren Rettungsschirmen doch zu keinem Fass ohne Boden wird und das
Projekt der Eurozone doch nicht als Eintagsfliege in die
Geschichtsbücher eingeht.

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