- 11.02.2013, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Sonntagsöffnung:Die Unternehmer stehen sich im Weg - von Thomas Pressberger
Viele Händler kommen unschuldig zum Handkuss
Utl.: Viele Händler kommen unschuldig zum Handkuss =
Wien (OTS) - Die Fronten in der Diskussion um die Sonntagsöffnung
sind festgefahren. Außer einiger weniger medialer Scharmützel und
harmloser juristischer Auseinandersetzungen ist in den vergangenen
Jahren nicht viel geschehen. Die Phalanx der Verfechter bröckelt,
Schwergewichte wie Ikea haben sich längst aus der Debatte
zurückgezogen. Nur ein paar unbeugsame Einkaufszentrenbetreiber,
vielleicht noch der eine oder andere Drogeriemarktkettenbesitzer,
bemühen sich noch um ihr Selbstbestimmungsrecht.
Einen Anteil an der Pattstellung hat die Entscheidungsunlust der
Politik, die die heiße Kartoffel nicht aufgreifen will. Etwa, die
Grenze einer Tourismuszone im ersten Bezirk festzulegen, innerhalb
derer am Sonntag die Geschäfte offen halten dürfen. Ein ebenfalls
gewichtiges Wörtchen redet die Kirche mit, für die die
Sonntagsöffnung ein Tabu ist. Eine starke Allianz, die einen freien
Sonntag garantiert und damit Österreich zu einer der letzten
Hochburgen der geschlossenen Ladentüren am Tag des Herrn macht.
Zu den Verhinderern der Sonntagsöffnung zählen allerdings auch die
Unternehmer, denn die Befürworter unter ihnen stehen sich selbst im
Weg. Und das, obwohl deren Begründungen und Ideen für eine
Liberalisierung gar nicht so schlecht sind. Viele Mitarbeiter würden
sich darum reißen, würden sie doch mehr verdienen und in den Genuss
eines freien Werktages kommen. Vor allem Alleinerziehende würden
davon profitieren. Andere Argumente gehen in die Richtung, einen
Testlauf an ein paar Sonntagen vor Weihnachten zu machen - auch
dagegen kann keiner etwas einwenden.
Außer der Gewerkschaft. Über Sonntagsöffnung wird erst geredet, wenn
die Unternehmer ihre Hausaufgaben machen, heißt es. Dazu zählt eine
faire Bezahlung, die auch schon mal über das
Kollektivvertrags-Minimum hinausgehen darf. Über mehr
"Arbeitszeitqualität", sprich regelmäßige Arbeitszeiten, die sich
nicht kurzfristig und nach Bedarf ändern, und die Möglichkeit, auf
die Toilette gehen zu dürfen - was vor allem in Einkaufszentren nicht
selbstverständlich ist. Auch werde die Ausbezahlung von Zuschlägen
sowie die Schwarz-Weiß-Regelung - wer an einem Samstag arbeitet, muss
den nächsten Samstag freihaben - in vielen Betrieben nicht
eingehalten. Und solange sich das nicht ändert, wird nicht
diskutiert. Auch keine schlechten Argumente. Allerdings mit dem
kleinen Schönheitsfehler, dass viele Unternehmer wegen ein paar
schwarzer Schafe unschuldig zum Handkuss kommen.
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