WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Sonntagsöffnung:Die Unternehmer stehen sich im Weg - von Thomas Pressberger

Viele Händler kommen unschuldig zum Handkuss

Wien (OTS) - Die Fronten in der Diskussion um die Sonntagsöffnung sind festgefahren. Außer einiger weniger medialer Scharmützel und harmloser juristischer Auseinandersetzungen ist in den vergangenen Jahren nicht viel geschehen. Die Phalanx der Verfechter bröckelt, Schwergewichte wie Ikea haben sich längst aus der Debatte zurückgezogen. Nur ein paar unbeugsame Einkaufszentrenbetreiber, vielleicht noch der eine oder andere Drogeriemarktkettenbesitzer, bemühen sich noch um ihr Selbstbestimmungsrecht.

Einen Anteil an der Pattstellung hat die Entscheidungsunlust der Politik, die die heiße Kartoffel nicht aufgreifen will. Etwa, die Grenze einer Tourismuszone im ersten Bezirk festzulegen, innerhalb derer am Sonntag die Geschäfte offen halten dürfen. Ein ebenfalls gewichtiges Wörtchen redet die Kirche mit, für die die Sonntagsöffnung ein Tabu ist. Eine starke Allianz, die einen freien Sonntag garantiert und damit Österreich zu einer der letzten Hochburgen der geschlossenen Ladentüren am Tag des Herrn macht.
Zu den Verhinderern der Sonntagsöffnung zählen allerdings auch die Unternehmer, denn die Befürworter unter ihnen stehen sich selbst im Weg. Und das, obwohl deren Begründungen und Ideen für eine Liberalisierung gar nicht so schlecht sind. Viele Mitarbeiter würden sich darum reißen, würden sie doch mehr verdienen und in den Genuss eines freien Werktages kommen. Vor allem Alleinerziehende würden davon profitieren. Andere Argumente gehen in die Richtung, einen Testlauf an ein paar Sonntagen vor Weihnachten zu machen - auch dagegen kann keiner etwas einwenden.

Außer der Gewerkschaft. Über Sonntagsöffnung wird erst geredet, wenn die Unternehmer ihre Hausaufgaben machen, heißt es. Dazu zählt eine faire Bezahlung, die auch schon mal über das Kollektivvertrags-Minimum hinausgehen darf. Über mehr "Arbeitszeitqualität", sprich regelmäßige Arbeitszeiten, die sich nicht kurzfristig und nach Bedarf ändern, und die Möglichkeit, auf die Toilette gehen zu dürfen - was vor allem in Einkaufszentren nicht selbstverständlich ist. Auch werde die Ausbezahlung von Zuschlägen sowie die Schwarz-Weiß-Regelung - wer an einem Samstag arbeitet, muss den nächsten Samstag freihaben - in vielen Betrieben nicht eingehalten. Und solange sich das nicht ändert, wird nicht diskutiert. Auch keine schlechten Argumente. Allerdings mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass viele Unternehmer wegen ein paar schwarzer Schafe unschuldig zum Handkuss kommen.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt Medien GmbH
Tel.: 0043160117-305
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0002