Systemdiskussion um Aufarbeitung eines Derivatvolumens von 2.000 Mrd Euro in Österreich

Wien (OTS) - In Österreich geht die Oesterreichische Nationalbank aufgrund erfasster Daten von einem Derivatvolumen von 2.000 Mrd. EUR aus. Wie viel davon auf das Interbankengeschäft (Derivate zwischen Banken) und auf das Kundengeschäft (Geschäfte mit Kommunen, Unternehmen und Privaten) entfällt ist völlig unklar.

Der Salzburger Finanzskandal mit einem Derivatvolumen von 6,9 Milliarden Euro ist der in Österreich bisher bekannteste Fall und gilt als besonders plakativer Präzedenzfall für die Aufarbeitung weiterer Spekulationsfälle. "Hier gibt es vollkommen unterschiedliche Möglichkeiten der Herangehensweisen" erläutert der Geschäftsführer der Collatio Finanzberatungs GmbH., Rainer Stich die Hintergründe der zuletzt stattgefundenen Expertendiskussionen. Vor allem die Verantwortung der Banken dürfe hier nicht unter den Tisch gekehrt werden, fordert Stich.

Ztwl.: Rolle der Banken hinterfragen

Alle Berater seien sich bekanntlich einig, dass eine Reihe jener Zins- und Währungswetten, die in Salzburg abgeschlossen wurden, nicht in das Portfolio eines Landes gehörten. Die von Collatio in solchen Fällen vorgeschlagene Vorgangsweise sieht vor, die Rolle der Banken und weiterer Beteiligter zu hinterfragen:

  • Dürfen Finanzinstitute Kommunen solche Geschäfte überhaupt anbieten?
  • Sind Erträge von kolportierten rund 100 Millionen Euro in Salzburg oder 20 Millionen Euro in Linz ohne vorherige Aufklärung über einen damit verbundenen Interessenskonflikt bei Angebotslegung überhaupt rechtmäßig?
  • Gibt es nach in mehreren Medien veröffentlichen permanenten Widersprüchen neben einer politischen auch eine wirtschaftliche Verantwortung von Entscheidungsträgern?

Entgegen anderslautenden Behauptungen lässt sich auch bei 10.000 Geschäften eine solche Analyse innerhalb weniger Wochen durchführen. Mediale Aussagen von Experten wie "Kein Land sollte so ein Portfolio haben" oder ""Solche Finanzinstrumente haben in der öffentlichen Hand nichts verloren." betrachten nur eine Seite der Medaille und werfen ein unvollständiges Bild.

Mögliche Schadensersatzansprüche müssen rasch festgestellt werden

Mögliche Schadensersatzansprüche an die Banken seien nämlich zum Beispiel im Land Salzburg nicht nur auf rund 100 Millionen Euro errechnete Bankerträge beschränkt, sondern in viel höherem Ausmaß möglich, meint Stich. Die Höhe der Ansprüche könnte sich danach richten, wie hoch die Verluste ausgefallen wären, hätten die Banken handelsübliche Margen verrechnet. Bei den extremen Hebeln, die bei hochspekulativen Geschäften angewendet werden, könnte das an die 80 Prozent eines eingetretenen Schadens betragen, meint Stich. Ähnliches gelte für die Stadt Linz.

Macht diese Form der Aufarbeitung in Österreich nicht bald Schule, werde der Steuerzahler bei einem geschätzten Derivatvolumen von 2000 Milliarden Euro noch oft zur Kasse gebeten werden.

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Rainer Stich
Collatio Finanzconsulting GmbH
Mahlerstraße 3/4, 1010 Wien
Tel: +43-1-23 50 51 05
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