• 01.02.2013, 19:21:35
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Geräuschloser Entzug, Börsenkommentar "Marktplatz", von Georg Blaha.

Frankfurt (ots) - Für alle, die ihr Geld mit dem Schüren von
Inflationsängsten verdienen, ist es natürlich eine schlechte
Nachricht. 137 Mrd. Euro haben die Banken der Eurozone in der
beendeten Handelswoche der Europäischen Zentralbank (EZB) aus den
beiden Dreijahrestendern vorzeitig zurückgezahlt. Die
Überschussliquidität im Eurosystem, die nach der "Dicken Berta", wie
EZB-Chef Mario Draghi die beiden langfristigen
Refinanzierungsoperationen auch nannte, in astronomische Höhen
geschossen war, hat sich damit deutlich reduziert.

Im Dezember 2011 und Februar 2012 hatte die Notenbank den Instituten
des Euroraums die bis dahin nicht gesehene Summe von brutto rund 1
Bill. (netto rund 500 Mrd.) Euro für drei Jahre zur Verfügung
gestellt; nach Ablauf eines Jahres dürfen die Banken mit den
Tilgungen der "Krisentender" beginnen. Von den damals mancherorts
grassierenden Inflationsbefürchtungen hat sich indes nichts
bewahrheitet. Die Sondertilgungen zeigen vielmehr, dass das
großkalibrige Geschütz der EZB vorerst seinen Zweck erfüllt hat -
Bankenpleiten hat es verhindert, und auch wenn die Kreditvergabe in
der Eurozone wie zuletzt leicht rückläufig gewesen ist, wurde eine
stärkere Einschränkung oder gar eine Kreditklemme verhindert.

Dass die Liquiditätsflut in Euroland nun abebbt, hat der guten
Stimmung an den Märkten keinen Abbruch getan. Im Gegenteil, zusammen
mit anderen Indikatoren, wie etwa den sich stabilisierenden
Target2-Salden, die darauf hindeuten, dass sich die Lage in der
Eurozone in kleinen Schritten normalisiert, kamen die Sondertilgungen
als positives Signal an den Märkten an, zumal die Summe für den
ersten Termin die Analystenschätzungen weit übertroffen hat. In einer
ersten Reaktion zogen die Renditen der Bundesanleihen an, während die
für die Staatspapiere der Euro-Peripheriestaaten ihren Abwärtstrend
fortsetzten.

Zum Wochenschluss kam es an den europäischen Bondmärkten allerdings
zu einer leichten Gegenbewegung - nicht jeder scheint dem neuen
Frieden zu trauen. Zudem fallen die Tilgungen für die neue Woche mit
3,5 Mrd. Euro geringer aus, als mit 20 Mrd. Euro erwartet worden war.
Dies sollte aber niemanden erschrecken. Vielmehr wird damit das
Vorgehen der Banken klar, von denen es viele offenbar vorziehen, ihre
überschüssigen Mittel in einem Aufwasch zurückzugeben, anstatt sie in
mehreren Raten abzustottern. Der Fokus richtet sich nun auf den 27.
Februar. Dies ist der erste Stichtag, an dem die Banken die Mittel
aus dem zweiten Dreijahrestender zurückzahlen können. Die Daten dazu
veröffentlicht die EZB am 22. Februar. Für diesen Termin lauten die
Schätzungen der Analysten auf 100 bis 200 Mrd. Euro. Insgesamt
dürften dem Eurosystem dann 240 bis 340 Mrd. Euro an Liquidität
entzogen werden. Bislang zeigten die Banken keine Bereitschaft, die
Gelder vom Dreijahrestender in die regulären Tender der Notenbank mit
kürzeren Laufzeiten zu überführen.

Warum sollten die Banken die zum aktuellen Refinanzierungssatz von
0,75% immer noch günstigen Dreijahreskredite vorzeitig tilgen? Für
viele Adressen waren die Mittel eine Vorsichtskasse, die als
risikolose Guthaben oder Einlagen bei der EZB mittlerweile nicht mehr
verzinst wird, also ein Verlustgeschäft darstellt. Seit sich die Lage
in Euroland in der zweiten Jahreshälfte 2012 beruhigt hat, sind auch
die berühmten "Sarko-Trades" (so genannt in Anspielung auf Äußerungen
des früheren französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy), also der
Erwerb von Peripheriepapieren mit dem von der EZB geliehenen Geld,
nicht mehr so attraktiv wie zuvor. Während sechsmonatige italienische
Staatspapiere im Dezember 2011 noch 5 bis 6% abwarfen, sind deren
Renditen diesen Januar zeitweise auf 0,6% gefallen - unter den
Refinanzierungssatz der EZB.

Sicherlich besteht die Gefahr, dass der Liquiditätsentzug zu früh und
zu rasch erfolgt und mit steigenden Sätzen und Risikoaufschlägen für
die Peripherie einhergeht. Auch am Geldmarkt gibt es Herdenverhalten
und Übertreibungen. Dagegen spricht, dass die Terminsätze bislang
trotz der Aussicht auf sinkende Liquidität nur minimal zulegten, weit
weniger etwa als nach dem Auslaufen des einjährigen "Krisentenders"
Mitte 2010. Ohne neue Schocks oder Krisenereignisse dürfte der Entzug
daher recht geräuschlos verlaufen. Im schlimmsten Falle kann die EZB
etwa mit einem neuen Jahrestender gegensteuern, zudem hat die
Notenbank beim Zinsniveau noch 25 Basispunkte Luft nach unten.
Angesichts des mittlerweile recht teuer gewordenen Euro könnte
EZB-Chef Draghi nach der Zinssitzung in der neuen Woche dazu erste
Hinweise geben.

(Börsen-Zeitung, 2.2.2013)

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