- 30.01.2013, 10:15:32
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Bundespräsident Dr. Heinz Fischer und Kulturministerin Dr. Claudia Schmied verliehen die Österreichischen Kunstpreise 2012
Fotos unter http://www.bmukk.gv.at/ministerium/vp/2013/20130130.xml
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Wien (OTS) - Sieben Künstlerinnen und Künstler wurden gestern Abend
von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer und Kulturministerin Dr.
Claudia Schmied in den Sparten Bildende Kunst, Künstlerische
Fotografie, Film, Literatur, Kinder- und Jugendliteratur, Musik sowie
Video- und Medienkunst mit dem Österreichischen Kunstpreis 2012
ausgezeichnet. Zusätzlich wurde erstmals der Österreichische
Kunstpreis in der Sparte Kulturvermittlung verliehen und dem Büro
trafo.K, bestehend aus Renate Höllwart, Elke Smodics-Kuscher und Nora
Sternfeld, zuerkannt. Die Festrede mit dem Titel "Das Einzigartige
und unser Eigentum" hielt Kunstpreisträger Robert Menasse.
Musikalisch begleitete das David Helbock Trio, vertreten durch David
Helbock, der 2011 mit dem outstanding artist award des BMUKK
ausgezeichnet wurde, Raphael Preuschl und Herbert Pirker den Abend.
"Das heimische Kunstschaffen ist spannend, lebendig und auch im
internationalen Vergleich erstklassig. Unsere Künstlerinnen und
Künstler bereichern nicht nur den gesellschaftlichen Alltag, sie
tragen auch wesentlich dazu bei, Österreichs Ruf als hervorragendes
Kulturland zu festigen. Mit dem Österreichischen Kunstpreis wird
dieser Arbeit und dem damit verbundenen Erfolg seitens der Republik
Österreich Rechnung getragen." so Bundespräsident Dr. Heinz Fischer.
"Mit der Verleihung der Kunstpreise zollen wir den Künstlerinnen
und Künstlern unsere hohe Anerkennung und Wertschätzung. Mit ihren
Arbeiten überschreiten die Preisträgerinnen und Preisträger oft
Grenzen der Materialien, Formen, Kunstdisziplinen, Generationen und
Konventionen und setzen maßgebliche Zeichen in der österreichischen
Kunstlandschaft. Sie zeigen gesellschaftliche Verhältnisse in
analytischer Form auf, finden neue Formen der Aufbereitung, stellen
scheinbar nicht Hinterfragbares in Frage und bieten uns allen einen
Spiegel zur eigenen Reflexion an. Wir verstehen Kunst als
Kontroverse, die berechtigterweise ihre Grenzen auslotet. Wichtige
Voraussetzungen für das zeitgenössische Kunstschaffen sind die
Anerkennung der Kunst als konstituierendes Element unserer
Gesellschaft, die finanzielle Stabilität, ein offenes Klima und die
Freiheit der Kunst, zu der ich mich voll und ganz bekenne", so
Kulturministerin Claudia Schmied.
"Die Vermittlung von Kunst und Kultur, ob zwischen Institutionen
und Publikum, zwischen Kunstschaffenden und Rezipienten,
generationenübergreifend oder zielgruppenspezifisch, ist Schlüssel
zum Verständnis von zeitgenössischer Kunst und Schlüssel zur
Wertschätzung der Traditionen. Mit dem heuer zum ersten Mal
vergebenen Kunstpreis für Kunst- und Kulturvermittlung zeichnen wir
Initiativen aus, die Menschen Kunst und Kultur näher bringen,
Verständnis für komplexe Zusammenhänge wecken und wichtige
Ansprechpartner für Institutionen, Kunstschaffende und Publikum
sind", so die Ministerin über den von ihr initiierten Kunstpreis in
der Sparte Kulturvermittlung.
Der Österreichische Kunstpreis wird Künstlerinnen und Künstlern
für ihr umfangreiches, international anerkanntes Gesamtwerk zuerkannt
und ist mit 12.000 bzw. 15.000 Euro (für die Sparte Film) dotiert.
Der zum ersten Mal verliehene Kunstpreis in der Sparte
Kulturvermittlung wird künftig biennal an Kunst- und Kulturvereine,
an Institutionen, an Zusammenschlüsse von KulturvermittlerInnen oder
an einzelne KulturvermittlerInnen vergeben, die sich durch ihre
kontinuierliche und konsequente Arbeit sowie herausragende Leistungen
auf dem Gebiet der Vermittlung zeitgenössischer Kunst ausgezeichnet.
Die PreisträgerInnen des Kunstpreises 2012 sind:
Michael Kienzer, Bildende Kunst
Barbara Albert, Film
Matthias Herrmann, Künstlerische Fotografie
Erich Kleinschuster, Musik (Jazz)
Büro trafo.K, Kunst- und Kulturvermittlung
Winfried Opgenoorth, Kinder- und Jugendliteratur
Robert Menasse, Literatur
Linda Christanell, Video- und Medienkunst
Michael Kienzer, geboren 1962 in Steyr, lebt und arbeitet in Wien,
1977 bis 1979 Kunstgewerbeschule Graz, Abteilung Bildhauerei bei
Josef Pillhofer, 1979 bis 1982 Mitarbeit im Kunst- und Kulturzentrum
Kreuzberg, Berlin, 1981 bis 1985 Studium Bildhauerei an der
Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei Bruno Gironcoli, 1987 bis
1989 Bühnenbilder im Westfälischen Landestheater Castrop, 2005/06
Gastprofessur an der Universität für angewandte Kunst Wien. Michael
Kienzer, der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, zählt seit
über 20 Jahren zu den bedeutenden Positionen in der österreichischen
Gegenwartskunst.
Barbara Albert, geboren 1970 in Wien, studierte zunächst
Theaterwissenschaft, Germanistik und Publizistik, bevor sie 1991 mit
dem Regie- und Drehbuchstudium an der Wiener Filmakademie begann. Sie
arbeitete als Regie- und Schnittassistentin und Schauspielerin. Ihren
international erfolgreichen Kurzfilmen folgte der erste Langspielfilm
"Nordrand", der 1999 bei den Filmfestspielen in Venedig gezeigt
wurde. Im selben Jahr gründete Barbara Albert gemeinsam mit Martin
Gschlacht, Jessica Hausner und Antonin Svoboda die Produktionsfirma
coop99. Darüber hinaus ist sie als Koautorin und Drehbuchautorin
tätig. Weiters war sie als Gastprofessorin und Lektorin an mehreren
Hochschulen in Österreich und Deutschland tätig (Wiener Filmakademie,
ifs Köln, KHM Karlsruhe, FH St. Pölten).
Matthias Herrmann, geboren 1963 in München, Deutschland, lebt und
arbeitet in Wien und Riparbella, Italien, 1981 Aufnahme zur
Tanzausbildung in die Heinz-Bosl-Stiftung München, 1986 Übersiedelung
nach Wien, 1986 bis 1988 Engagement beim Ballett der Wiener
Staatsoper, 1988 bis 1993 Studium an der Hochschule für angewandte
Kunst Wien bei Ernst Caramelle, 1999 bis 2006 Präsident der Secession
Wien, 2006 bis 2011 Professur für Kunst und Fotografie an der
Akademie der bildenden Künste Wien. Als Künstler macht Herrmann seine
Homosexualität u. a. zum Thema seiner Arbeiten. Als Leiter einer
maßgeblichen Kunstinstitution Österreichs, als Professor für
Fotografie sowie mit seiner facettenreichen künstlerischen Arbeit hat
Matthias Herrmann einen herausragenden Beitrag zur österreichischen
Kunstlandschaft geleistet. Sein Schaffen wurde bereits mit diversen
Preisen, u.a. 2005 dem Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst,
ausgezeichnet. Herrmann war für die österreichische
Aidsaufklärungskampagne tätig.
Erich Kleinschuster, geboren 1930 in Graz, Jazzposaunist,
Komponist, Arrangeur und Pädagoge, Studium der Rechtswissenschaften
und der Musikwissenschaft an der Universität Graz,
Instrumentalstudium am Landeskonservatorium Graz und am
Konservatorium der Stadt Wien, seit 1958 als Jazzmusiker tätig, 1965
Gründung des Erich-Kleinschuster-Sextetts, 1971 bis 1981 Leiter der
Abteilung Produktion/Unterhaltung im ORF sowie Gründer und Leiter der
ORF-Bigband, 1985 bis 1998 Professor an der Hochschule für Musik und
darstellende Kunst in Graz, Initiator der Jazzabteilungen an den
Musikhochschulen in Graz (1965), Wien (1969) und Klagenfurt (1985).
Erich Kleinschuster hat weit über 50 Jahre als Solist, Komponist,
Arrangeur und Bandleader die Geschichte des Jazz in Österreich
geprägt.
Trafo.k ist ein Wiener Büro für Vermittlung und kritische
Wissensproduktion. Die Mitarbeiterinnen arbeiten an Forschungs- und
Vermittlungsprojekten und veranstalten Workshops und Consulting für
Museen und Ausstellungen sowie Projekte im öffentlichen Raum. Dazu
gehören Medien- und Jugendarbeit, künstlerische Interventionen und
wissenschaftliche Studien. Seit 1999 initiiert und betreut trafo.k
Projekte als institutionsunabhängiger Verein. Die Aktivitäten
verstehen sich als Auslöser von Kommunikationsprozessen und verfolgen
die Intention, mediale und institutionelle Strukturen offen zu legen
und eine Öffentlichkeit für Gegengeschichten und Gegenbilder
herzustellen. Vorrangig ist die Verbindung von Strategien
zeitgenössischer Kunst und gesellschaftsrelevanter Themen. Büro
trafo.k sind Renate Höllwart, Elke Smodics-Kuscher und Nora
Sternfeld.
Winfried Opgenoorth, geboren 1939 in Düsseldorf, absolvierte eine
Ausbildung zum Tiefdruckretuscheur, 1958-1961 Grafik-Design-Studium
an der Werkkunstschule Düsseldorf. Er arbeitete als Pressezeichner,
Reinzeichner und als Grafiker in einem Redaktionsbüro, einer
Glasveredelungsfabrik, einem Aluminiumwerk und einer Werbeagentur.
Zwei Jahre lang malte er für einen Schweizer Verlag
Glückwunschkarten. Seit 1972 freischaffender Grafiker und Maler in
Wien (Schulbücher, Werbegrafik, Theaterplakate). 1979 zeichnete er
sein erstes Bilderbuch "Hokuspokus in der Nacht" von Mira Lobe, mit
der ihn eine jahrelange intensive Zusammenarbeit verband. Seither
illustrierte Opgenoorth über 70 Kinderbücher namhafter AutorInnen und
erhielt dafür zahlreiche Preise und Auszeichnungen u.a. den
Österreichischer Kinderbuch-Illustrationspreis in den Jahren 1981,
1982, 1986, 1987 und 1988.
Robert Menasse, geboren 1954 in Wien, Studium der Philosophie,
Germanistik und Politikwissenschaft in Wien, Salzburg und Messina,
1981 bis 1988 Gastdozent an der Universität Sao Paulo, Brasilien,
seit seiner Rückkehr 1989 freier Schriftsteller, 1994 Stipendiat des
Deutschen Akademischen Austauschdiensts in Berlin, 1996 Writer in
Residence an der New York University, 1999 Artist-in-Residence der
Stadt Amsterdam, 2007 Poetik-Vorlesungen an der Universität
Frankfurt, zahlreiche internationale Auszeichnungen.
Romane, Essays, Theaterstücke, zuletzt: "Ich kann jeder sagen.
Erzählungen vom Ende der Nachkriegsordnung", "Die Permanente
Revolution der Begriffe. Vorträge" (Suhrkamp), "Der Europäische
Landbote. Die Wut der Bürger und der Friede Europas" (Zsolnay).
Linda Christanell, 1939 in Wien geboren, Studium der Malerei an
der Akademie der bildenden Künste in Wien (Malerei und bildnerische
Erziehung), 1976 Gründung des "BC-Kollektivs" gemeinsam mit Renate
Bertlmann, 1977 Gründungsmitglied der Internationalen
Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen "Intakt". Seit Mitte der
70er-Jahre befasst sich die Künstlerin, die auch in den Bereichen
Malerei, Objektkunst, Installation, Performance und Fotografie
arbeitet, mit dem Medium Film. Es entstanden seither rund 25 Filme.
Linda Christanell zählt im österreichischen Avantgardekino gemeinsam
mit Dietmar Brehm, Lisl Ponger und Peter Tscherkassky zur "Dritten
Generation", die mit sehr persönlichen Filmsprachen eine Art
Neubeginn setzte und in diesem Bereich Pionierarbeit leistete. In
ihrem künstlerischen Werk spiegelt sich die Auseinandersetzung mit
Sexualität, Körperlichkeit, Erotik und den damit behafteten Tabus.
Feminismus war und ist ein Thema mit dem sich Christanell
auseinandersetzt.
Fotos und das Programm der Verleihung sowie mehr Details zu den
KünstlerInnen sind unter
http://www.bmukk.gv.at/ministerium/vp/2013/20130130.xml abrufbar.
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