• 29.01.2013, 19:35:02
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Flirten erlaubt, Macht missbrauchen verboten" (Von Eva Weissenberger)

Ausgabe vom 30.1.2013

Utl.: Ausgabe vom 30.1.2013 =

Graz (OTS) - Vom Chef begrapscht, vom Dozenten tief angebraten, vom
Arzt mit Blicken taxiert - aus den Erlebnissen, die Tausende deutsche
Frauen derzeit über die Plattform Twitter unter dem Schlagwort
"Aufschrei" verbreiten, lässt sich destillieren: Es geht bei
sexueller Belästigung, ob mit Worten oder Taten, es geht bei
Sexismus, ob im Alltag oder bei der Arbeit, nur vordergründig um
Verehrung, Begierde, Sex. Es geht um Macht und darum, diese zu
demonstrieren.

Abgesehen von dieser Gemeinsamkeit muss man die Dinge aber
auseinanderhalten.

Keine Frage, über den Auslöser kann man streiten, über das Porträt,
das eine Journalistin der Illustrierten "Stern" über einen Politiker
verfasste, der sie mit anzüglichen Witzen bedacht hatte. Dass diese
Diskussion nun geführt wird, ist aber gut. Es hilft Frauen auf allen
Ebenen, in allen Lebenslagen. Die Mechanismen, unter denen sie
leiden, sind überall dieselben - umso schlimmer, wenn man von
Vorgesetzten, Kollegen, Lehrern belästigt wird. Die Frauen lernen:
Ich bin nicht alleine, bin nicht selber schuld.

Wie das bei öffentlichen Debatten so ist, werden hier aber Äpfel mit
Birnen vermischt.

Erstens: Die (österreichische) Frauenministerin hat recht, wenn sie
fordert, Grapschen unter Strafe zu stellen. Vergangenen Herbst musste
eine Grazerin erfahren, dass die Staatsanwaltschaft nicht gegen jenen
Mann vorgehen konnte, der ihr auf der Straße auf den Hintern
gegriffen hatte.

Zweitens: Worum es hier eigentlich geht, strukturellen Sexismus im
Alltag, das ist schwerer zu fassen. Die Gegenargumente sind
notorisch: Wollen wir Zustände wie im prüden Amerika, wo sich
Studenten ohne schriftlichen Vertrag nicht mehr trauen, miteinander
auszugehen? Gegen einen Flirtversuch auf Augenhöhe ist nichts
einzuwenden, geht die Frau darauf ein - wunderbar. Andernfalls: Nein
heißt nein.

Aber die Frauen senden keine eindeutigen Signale! Die Journalistin
hat dem Politiker keine geschmiert! Männern, die in dieser Grauzone
die Orientierung verlieren, sei geraten: Begegnen Sie jeder Frau mit
dem Respekt, mit dem Sie wollten, dass man Ihre Partnerin, Schwester,
Tochter behandelte. Wann sich eine Frau belästigt fühlt, entscheidet
sie. Es ist die Angst, dann auch noch als Fuchtel oder Hascherl
hingestellt zu werden, die viele an der Gegenwehr hindert.

Aber es gibt doch auch sexistische Frauen! Eh, haben Frauen Macht,
missbrauchen auch sie diese mitunter. Soziologen meinen daher, dass
das Arbeitsklima in gemischten Teams am besten sei - ein Argument für
Quoten?****

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