- 29.01.2013, 09:47:45
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ÖAMTC: Wintertauglichkeit von Diesel-Kraftstoff auf dem Prüfstand (+ Foto)
Durch Paraffinkristalle verstopfte Filter sind eher Fahrzeug- als Kraftstoffproblem
Utl.: Durch Paraffinkristalle verstopfte Filter sind eher Fahrzeug-
als Kraftstoffproblem =
Wien (OTS) - Bei jeder größeren Kältewelle ist das gleiche Bild zu
beobachten: "Obwohl man von Oktober bis April an allen Tankstellen
nur Winterdiesel erhält, streiken überdurchschnittlich viele
Diesel-Pkw, weil es zur berühmt-berüchtigten 'Flockenbildung' im
Kraftstoff kommt", sagt ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl.
"Dementsprechend viel haben die Pannenfahrer des Clubs bei eisigen
Temperaturen zu tun." Für den ÖAMTC Grund genug zu testen, wie
wintertauglich Dieselkraftstoff tatsächlich ist.
Zu diesem Zweck wurden Winterdiesel-Proben verschiedener Anbieter
in zwei Fahrzeugmodellen (VW Golf 6 und Opel Insignia) auf ihre
Winterfahrbarkeit überprüft. "Das Ergebnis: Die Anfälligkeit für
Verstopfungen des Filters ist nicht allein vom Kraftstoff abhängig.
Die Bauweise des Autos ist ebenfalls ein maßgeblicher Faktor",
berichtet der ÖAMTC-Experte. "Es spielt beispielsweise eine große
Rolle, wo der Filter im Fahrzeug eingebaut ist und wie rasch die
Filterheizung wirkt." Als Faustregel gilt: Je exponierter die Lage
und je schwächer die Beheizung, desto wahrscheinlicher sind Probleme
bei großer Kälte.
Club fordert bessere Kennzeichnung der Filtrierbarkeit und
Verbesserung der Kraftstofffilter
Beim Opel Insignia ist der Kraftstofffilter am Fahrzeugunterboden
in unmittelbarer Nähe des Tanks eingebaut. "In dieser relativ
ungeschützten Lage nutzt auch die elektrische Beheizung des Filters
wenig", so der ÖAMTC-Techniker. "Der Insignia bleibt bis zu einer
Temperatur von maximal minus 22 Grad fahrbar, darunter geht nichts
mehr." Der VW Golf 6 hat den Filter hingegen im Motorraum und leitet
den Kraftstoff thermostatgesteuert über einen kleinen Kreislauf
direkt in das Filtergehäuse ein. "Im Endeffekt ergibt das für den
Golf eine Winterfahrbarkeit bis zu minus 28 Grad", hält Kerbl fest.
Tatsächlich "fließfähig" ist der Diesel sogar bei noch tieferen
Temperaturen. Je nach Anbieter werden bis zu minus 31 Grad angegeben.
"Aber auch wenn der Kraftstoff tatsächlich bis zu dieser Grenze
fließfähig bleibt, also noch durch den Filter kommt, ist das keine
Garantie, dass man bei solcher Kälte noch fahren kann", stellt der
ÖAMTC-Techniker klar.
Aus dem aktuellen Wintertauglichkeitstest ergeben sich für den
ÖAMTC daher zwei Forderungen: Einerseits müssen Fahrzeuge künftig so
ausgestattet werden, dass sie bis mindestens minus 20 Grad mit
regulärem Winterdiesel garantiert fahrbereit sind. "Das kann
beispielsweise durch eine leistungsfähige Filterheizung relativ
einfach erreicht werden", so der ÖAMTC-Experte. Andererseits muss die
Mineralölindustrie die tatsächliche Winterfahrbarkeit ihrer
Kraftstoffe deutlicher erkennbar machen. Die aktuell gültige Norm
schreibt nur die Angabe der Minimaltemperatur, bis zu der Diesel
fließfähig bleibt, vor ("Cold Filter Plugging Point"). Für die
tatsächliche Fahrtauglichkeit des Autos ist jedoch der Wert, ab dem
sich erste Paraffinkristalle bilden, wesentlich wichtiger
("Cloud-Point"). "Der Cloud-Point liegt je nach Hersteller zwischen
minus 6 und minus 10 Grad. Nur bis dahin ist die Fahrbarkeit des
Autos garantiert und das sollte auch so angegeben werden", sagt der
ÖAMTC-Experte.
ÖAMTC-Kältetipps für Autofahrer
Sollten tiefe Temperaturen angekündigt sein und hat das Auto schon
im vorherigen Winter Probleme gemacht, kann man einige
Vorsichtsmaßnahmen treffen. ÖAMTC-Experte Kerbl hat die wichtigsten
Tipps zusammengefasst:
* Wer kurz vor Beginn der kalten Jahreszeit noch viel Sommerdiesel im
Tank hat, sollte rechtzeitig auf Winterdiesel umsteigen. Es empfiehlt
sich, die Restmenge an Sommerdiesel so gering wie möglich zu halten,
wenn die Tage kälter werden.
* Die Wartungsintervalle der Kfz-Hersteller sind unbedingt
einzuhalten - insbesondere der Kraftstofffilter sollte regelmäßig
gewechselt werden.
* Im Winter sollte das Fahrzeug so wind- und kältegeschützt wie
möglich abgestellt werden.
* Wer noch Diesel in Kanistern hat und die Kältetauglichkeit nicht
kennt, sollte besser zur Tankstelle fahren und nicht aus den
Behältern nachtanken.
* Wenn gar nichts mehr geht, hilft es oft, das Fahrzeug in einer
beheizten Garage "aufzutauen".
* Sollten wirklich Kälteperioden mit minus 15 Grad oder tiefer
angekündigt sein, also die Gefahr bestehen, dass sich auch im
Winterdiesel Kristalle bilden, gibt es noch einen Spezialkraftstoff
mit extremer Wintertauglichkeit, den so genannten "Arctic Diesel".
Dessen Fließgrenze liegt bei minus 35 Grad. Eine Übersicht, wo dieser
Spezialkraftstoff in Österreich angeboten wird, findet man unter
www.oeamtc.at/extrem-winterdiesel. "Auch hier gilt: Der Kraftstoff
muss rechtzeitig in den Tank. Selbst wenn ein halbvoller Tank mit
Extrem-Winterdiesel aufgefüllt wird, verbessert das die Situation",
erklärt der ÖAMTC-Experte.
* Alle ÖAMTC-Stützpunkte bieten den ganzen Winter lang an, Autos auf
Wintertauglichkeit zu überprüfen. Mehr Infos zum Thema WinterFit
findet man unter www.oeamtc.at/pruefdienste.
Aviso an die Redaktionen:
Bildmaterial zu dieser Aussendung gibt es im ÖAMTC-Fotoservice unter
www.oeamtc.at/presse.
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