• 28.01.2013, 18:29:16
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Lehrer und Lehren"

Ausgabe vom 29. Jänner 2013

Utl.: Ausgabe vom 29. Jänner 2013 =

Wien (OTS) - "Das Lehrerdienstrecht ist vereinheitlicht, und die
Bezahlung erfolgt leistungsorientiert. Lehrer haben Arbeitszeiten und
Urlaubsanspruch wie alle Angestellten (40-Stunden-Woche, 5 bis 6
Wochen Urlaub pro Jahr). Der Arbeitsplatz des Lehrers ist bei seinen
Schülern in der Schule. Dadurch werden neue Möglichkeiten der
Interaktion mit den Schülern geschaffen."

So steht es im Konzept "Unternehmen Österreich 2025", das von
ÖVP-Chef Michael Spindelegger initiiert und im Oktober 2012 mit
einigem Pomp präsentiert wurde.

In den Verhandlungen um das neue Lehrerdienstrecht, die nun Fahrt
aufnehmen, scheint das kaum eine Rolle zu spielen. Der ÖAAB meint
dazu bisher, dass es keine Reduzierung des Lebenseinkommens geben
dürfe. In der Lehrergewerkschaft kommt die Erhöhung der
Wochen-Unterrichtszeiten auf 24 Stunden nicht gut an.

Dabei wäre ein Blick nach Vorarlberg hilfreich: Österreichische
Pädagogen gehen ganz gerne in die benachbarte Schweiz, obwohl dort 28
Stunden unterrichtet wird und der Urlaub kürzer ist. Dafür bezahlt
die Schweiz Lehrer deutlich besser als Österreich. Das zieht
offenkundig.

Ein Problem beim Lehrerdienstrecht, dessen Reform seit 2001
angekündigt, aber nie umgesetzt wurde, ist auch hier die
Kompetenzverteilung. Wenn man Lehrer verpflichtet, die Korrekturen
von Arbeiten in der Schule zu machen (und dadurch Schülern auch am
Nachmittag zur Verfügung zu stehen), brauchen sie auch einen
dementsprechenden Arbeitsplatz. Nun werkeln am Dienstrecht gerade die
Ministerinnen Claudia Schmied, Gabriele Heinisch-Hosek und Maria
Fekter, aber für die Schulgebäude sind unverändert die Gemeinden
zuständig.

Die vom ÖVP-Chef losgeschickten Vordenker für 2025 machten sich auch
Gedanken über einen offeneren Arbeitsmarkt für Lehrer - ein Modell,
das in skandinavischen Ländern durchaus erfolgreich ist. Auch davon
wird bei der aktuellen Dienstrechtsreform nicht die Rede sein.

Es geht um Einstiegsgehälter und Vorrückungen, es geht um
Versetzungsschutz, und es geht um die Arbeitszeit. Es geht nicht um
Schulautonomie, es geht nicht um die Befreiung der Lehrer aus der
parteipolitischen Umklammerung, und es geht nicht um
leistungsorientierte Bezahlung. Es wird in dieser Legislaturperiode
eine neue Regelung geben, aber sie wird Stückwerk bleiben - wie die
Bildungspolitik insgesamt.

www.wienerzeitung.at/leitartikel

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