• 26.01.2013, 19:32:21
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Im Rückblick war's schön" (Von Thomas Götz)

Ausgabe vom 27.01.2013

Utl.: Ausgabe vom 27.01.2013 =

Graz (OTS/Vorausmeldung) - Es gab genug Schlechtes zu sagen über
die Befragung vor einer Woche, und wir haben es gesagt. Das Positive
ist im Rückblick besser zu erkennen. Wir haben wochenlang
konzentriert ein Thema abgehandelt. Das ist ungewöhnlich, weil wir
kollektiv schon ein bisschen unter kurzen Konzentrationsspannen
leiden. Wir, das sind Politiker, Medien, Leserinnen und Leser.

Wir wissen jetzt, dass Tüpl Truppenübungsplatz heißt und wer unseren
Quiz gelöst hat, kennt noch mehr Fachausdrücke. Wir ahnen, dass es
schlecht um das Heer steht und hoffen, dass es ernst gemeint ist mit
der Absicht, daran etwas zu ändern. Man kann uns in Hinkunft schwerer
einen Bären aufbinden, weil wir uns ein bisschen eingearbeitet haben.

Vor allem aber kam in den Tagen vor dem Votum so etwas wie Stimmung
auf, Lust, sich zu beteiligen, etwas zu entscheiden, mitzureden. Fünf
Jahre nur repräsentative Demokratie, da schlafen dem emsigsten Bürger
die Füße ein. Es ist schwer, bei der Stange zu bleiben, wenn man
immer nur vom Rand aus kommentieren darf, wie andere sich über unsere
Angelegenheiten ereifern.

Schön war am vergangenen Sonntag auch zu sehen, wie auf einmal
Betroffene sich zu Komitees zusammenfanden, um die eine oder andere
Idee zu bewerben. So viel Engagement, nicht nur Funktionärseifer, war
schon lange nicht mehr.

Das alles spricht für den häufigeren Gebrauch der direkten
Demokratie, und sei es auch zu Zwecken des Missbrauchs. Man kann ja
auch aus falschen Gründen das Richtige tun. Deshalb ist die Aufregung
über David Camerons Drohung mit einer Volksabstimmung befremdlich.
Wenn es dazu kommt, müssen die Argumente auf den Tisch gelegt werden.
Dann wird sich zeigen, was wirklich für diese EU spricht, auch für
den einfachen Briten. Es wird, so darf man annehmen, mehr sein, als
er sich im Alltag bewusst war. So eine Abstimmung würde auch eine
eher menschenferne Einrichtung wie die Kommission in Brüssel dazu
nötigen, in den Ring zu steigen - es ginge ja ums Eingemachte. Und
dann ist so eine Abstimmung auch zu gewinnen.

Nur noch ein paar Schweizern in versprengten Kanonen ist das
prickelnde direkte Demokratiegefühl gegönnt - ein voller Platz,
erhobene Hände. Wir müssen es künstlich herstellen, medial. Zäsuren
wie die vom vergangenen Sonntag, wo man zu einem übersichtlichen
Streitthema seine Meinung sagen darf, beleben die Sinne. Wir sollten
das öfter probieren. Wenn dann die Entscheidung vielleicht auch noch
wirklich verbindlich ist, umso besser. Aber das mit dem Heer war kein
schlechter Anfang. ****

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