WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die AUA kommt nicht aus den Turbulenzen - von Günter Fritz

Dass es wirtschaftlich aufwärtsgeht, ist kein Garant für Ruhe

Wien (OTS) - Heute Vormittag kommt es in der Zentrale der AUA am Flughafen Wien zu einer Premiere: Erstmals veranstalten der Betriebsrat der fliegenden Mitarbeiter und der des Bodenpersonals gemeinsam Betriebsversammlungen und eine Pressekonferenz. Der Anlass ist kein erfreulicher: Offensichtlich ist das Verhältnis zwischen Beschäftigten und Management angespannt wie nie und die Luft entsprechend dick. Die Mitarbeiter würden aufgrund aktueller Entscheidungen und Maßnahmen des Vorstands das Vertrauen in die Unternehmensführung verlieren, daher erfolge erstmals ein Schulterschluss der Betriebsräte und ein gemeinsames Auftreten gegen den "Crashkurs" des Managements. Zusätzlich wurden im Vorfeld Vorwürfe transportiert, dass es bei 17 Bereichsleitern Gehaltserhöhungen von mehr als zehn Prozent gegeben habe - obwohl AUA-CEO Jaan Albrecht vor Weihnachten den Abbau von 150 Jobs im Zuge der Beseitigung von Doppelgleisigkeiten angekündigt hat. Zudem soll es Kündigungen im Krankenstand gegeben haben.

Vorwürfe, die vom Management allerdings zurückgewiesen werden: Die Managergehälter seien eingefroren, auf variable Gehaltsbestandteile sowie Boni sei verzichtet worden. Erhöhungen habe es nur für Mitarbeiter gegeben, die mehr Verantwortung übernommen und einen Karriereschritt vollzogen hätten. Vielmehr wird vermutet, dass die Gewerkschaft, die im Konflikt um den Betriebsübergang des fliegenden Personals zu Tyrolean den Kürzeren gezogen hat, sich einfach nur in Erinnerung rufen will. Diese wiederum mutmaßt, der Vorstand agiere willkürlich, um gegenüber der Frankfurter Lufthansa-Zentrale Stärke zu demonstrieren.

Diese verfahrene Situation ist für die AUA, die den nachhaltigen Turnaround noch nicht geschafft hat, kontraproduktiv. Die jahrelang defizitäre Airline wird aufgrund des Betriebsübergangs und anderer Maßnahmen von CEO Albrecht für 2012 voraussichtlich einen Gewinn in Richtung von 60 Millionen Euro ausweisen. Mit 11,2 Millionen Passagieren gab es im Vorjahr zudem ein Plus von 2,2 Prozent, obwohl vier Flugzeuge außer Betrieb genommen wurden. Sollte es jetzt gar zu Kampfmaßnahmen kommen, würde nicht nur das Image neuerlich beschädigt, sondern wäre auch der wirtschaftliche Aufwärtskurs gefährdet. Die Lage in der Branche ist schon schwierig genug.

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