- 24.01.2013, 09:59:28
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AK-Studie: Mehrsprachige Partieführer und Poliere machen Baustellen sicherer
Arbeit als Gratis-Übersetzer wird von den Firmen nicht bezahlt, zeigt Studie "Kommunikation und Sicherheit auf der mehrsprachigen Baustelle"
Utl.: Arbeit als Gratis-Übersetzer wird von den Firmen nicht
bezahlt, zeigt Studie "Kommunikation und Sicherheit auf der
mehrsprachigen Baustelle" =
Wien (OTS/AK) - Partieführer, Vizepoliere und Poliere mit
Migrationshintergrund sorgen durch ihre Mehrsprachigkeit für mehr
Sicherheit und reibungslosere Abläufe auf Großbaustellen. Das ist das
Hauptergebnis der AK-Studie "Kommunikation und Sicherheit auf der
mehrsprachigen Baustelle", die Professor Karl Ille vom Institut für
Romanistik der Universität Wien mit einem Projektteam durchgeführt
hat. Die Studie wird heute Donnerstag auf der Veranstaltung
"Baustelle Mehrsprachigkeit" in der AK Wien präsentiert. Die
mehrsprachigen Vorarbeiter und Poliere, so die Studie, überbrücken
durch Gratis-Übersetzungen die Kluft zwischen der Baustellensprache
Deutsch und den anderen Sprachen der Bauarbeiter, die heutzutage auf
österreichischen Baustellen arbeiten.
Für die Studie sind die ForscherInnen des Instituts für Romanistik
ab Sommer 2012 auf Wiener Baustellen gegangen. Die Mehrsprachigkeit,
so die ForscherInnen, hat vor allem damit zu tun, dass
Generalunternehmen Subfirmen beauftragen, die wiederum Subfirmen
beauftragen - und auf Grund der EU-Regeln können inzwischen Firmen
aus allen EU-Ländern mitsamt ihren Beschäftigten mit Leistungen auf
den Baustellen beauftragt werden. Auf der Hauptbahnhof-Baustelle in
Wien beispielsweise wird neben Deutsch auch Slowakisch, Polnisch,
Türkisch, Ungarisch, Albanisch oder Portugiesisch gesprochen.
Gleichzeitig ist die Baustellensprache Deutsch. Das ist eine
besondere Herausforderung für die Verantwortlichen direkt am Ort. Am
besten können noch Partieführer und Poliere mit Migrationshintergrund
und österreichischer Staatsbürgerschaft die Sprachbarrieren
überbrücken.
So berichtete beispielsweise ein Polier mit bosnischem
Hintergrund, dass er mit Begriffen aus den slawischen Sprachen
ungefähr vermitteln kann, worum es gerade geht. Freilich, so die
Studie, werde diese Übersetzungsarbeit von den Firmen nicht
honoriert.
Die für Sicherheit Verantwortlichen wünschen sich
Informationsmaterial zumindest in den häufigsten Sprachen auf der
Baustelle. Derzeit wird meist mit Filmen und mit Piktogrammen
gearbeitet - wobei die Piktogramme wieder deutsch-"sprachig" sind.
Als Beispiel nennen die StudienautorInnen das Zeichen "Daumen nach
oben" für "richtig". In südlichen Ländern ist das eine beleidigende
Geste. Verschiedene kulturelle Deutungen können zu Missverständnissen
führen - das eingesetzte Informationsmaterial sollte darauf überprüft
werden.
Die Unternehmen sollen die MigrantInnensprachen, die auf den
Baustellen zur Sicherheit und für den reibungslosen Ablauf eingesetzt
werden, als Zusatzqualifikation anerkennen und entsprechend
honorieren, fordert die Arbeiterkammer. Überdies soll mehrsprachiges
Info-Material zum Thema Sicherheit auf den Baustellen eingesetzt
werden. Notwendig sei auch, spezifische Sprachkurse in Deutsch besser
zu fördern.
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