AK-Studie: Mehrsprachige Partieführer und Poliere machen Baustellen sicherer

Arbeit als Gratis-Übersetzer wird von den Firmen nicht bezahlt, zeigt Studie "Kommunikation und Sicherheit auf der mehrsprachigen Baustelle"

Wien (OTS/AK) - Partieführer, Vizepoliere und Poliere mit Migrationshintergrund sorgen durch ihre Mehrsprachigkeit für mehr Sicherheit und reibungslosere Abläufe auf Großbaustellen. Das ist das Hauptergebnis der AK-Studie "Kommunikation und Sicherheit auf der mehrsprachigen Baustelle", die Professor Karl Ille vom Institut für Romanistik der Universität Wien mit einem Projektteam durchgeführt hat. Die Studie wird heute Donnerstag auf der Veranstaltung "Baustelle Mehrsprachigkeit" in der AK Wien präsentiert. Die mehrsprachigen Vorarbeiter und Poliere, so die Studie, überbrücken durch Gratis-Übersetzungen die Kluft zwischen der Baustellensprache Deutsch und den anderen Sprachen der Bauarbeiter, die heutzutage auf österreichischen Baustellen arbeiten.

Für die Studie sind die ForscherInnen des Instituts für Romanistik ab Sommer 2012 auf Wiener Baustellen gegangen. Die Mehrsprachigkeit, so die ForscherInnen, hat vor allem damit zu tun, dass Generalunternehmen Subfirmen beauftragen, die wiederum Subfirmen beauftragen - und auf Grund der EU-Regeln können inzwischen Firmen aus allen EU-Ländern mitsamt ihren Beschäftigten mit Leistungen auf den Baustellen beauftragt werden. Auf der Hauptbahnhof-Baustelle in Wien beispielsweise wird neben Deutsch auch Slowakisch, Polnisch, Türkisch, Ungarisch, Albanisch oder Portugiesisch gesprochen.

Gleichzeitig ist die Baustellensprache Deutsch. Das ist eine besondere Herausforderung für die Verantwortlichen direkt am Ort. Am besten können noch Partieführer und Poliere mit Migrationshintergrund und österreichischer Staatsbürgerschaft die Sprachbarrieren überbrücken.

So berichtete beispielsweise ein Polier mit bosnischem Hintergrund, dass er mit Begriffen aus den slawischen Sprachen ungefähr vermitteln kann, worum es gerade geht. Freilich, so die Studie, werde diese Übersetzungsarbeit von den Firmen nicht honoriert.

Die für Sicherheit Verantwortlichen wünschen sich Informationsmaterial zumindest in den häufigsten Sprachen auf der Baustelle. Derzeit wird meist mit Filmen und mit Piktogrammen gearbeitet - wobei die Piktogramme wieder deutsch-"sprachig" sind. Als Beispiel nennen die StudienautorInnen das Zeichen "Daumen nach oben" für "richtig". In südlichen Ländern ist das eine beleidigende Geste. Verschiedene kulturelle Deutungen können zu Missverständnissen führen - das eingesetzte Informationsmaterial sollte darauf überprüft werden.

Die Unternehmen sollen die MigrantInnensprachen, die auf den Baustellen zur Sicherheit und für den reibungslosen Ablauf eingesetzt werden, als Zusatzqualifikation anerkennen und entsprechend honorieren, fordert die Arbeiterkammer. Überdies soll mehrsprachiges Info-Material zum Thema Sicherheit auf den Baustellen eingesetzt werden. Notwendig sei auch, spezifische Sprachkurse in Deutsch besser zu fördern.

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