"Lichtermeer": Kirchen waren "Zündler" für mehr Menschlichkeit

Bei größter Demonstration in Zweiter Republik traten vor 20 Jahren auch Kirchenvertreter als Redner auf

Wien, 22.01.13 (KAP) Beim "Lichtermeer" gegen Ausländerfeindlichkeit vor 20 Jahren waren auch die christlichen Kirchen wichtige "Zündler" für mehr Menschlichkeit: Am 23. Jänner 1993 traten bei der größten Demonstration in der Zweiten Republik viele prominente Kirchenvertreter wie Kardinal Franz König, der damalige Caritas-Präsident Helmut Schüller oder der Wiener Weihbischof Florian Kuntner als Redner auf. Zudem waren zahlreiche kirchliche Organisationen Mitveranstalter der auch in beinahe allen Landeshauptstädten durchgeführten Großkundgebungen. Der Fokus lag dabei auf dem von einer Viertel Million friedlichen Demonstranten mit Kerzen und Fackeln erleuchtete Heldenplatz. In den "Salzburger Nachrichten" hieß es tags darauf: "Fast ein religiöser Akt."

Schon im Vorfeld des "Lichtermeers" hatten Kirchenvertreter verschiedener Konfessionen keinen Zweifel daran gelassen, dass sie das von der FPÖ - damals noch unter der Führung von Jörg Haider -betriebene Volksbegehren "Österreich zuerst" als Widerspruch zu christlichen Kernbotschaften betrachteten. Egon Kapellari, damals Diözesanbischof von Gurk-Klagenfurt in dem vormals von Haider als Landeshauptmann geführten Kärnten tätig, stellte klar, dass Christen in Sachfragen zwar unterschiedlicher Meinung sein könnten, "die großen moralischen Prinzipien gelten aber für alle in gleicher Weise".

Auch bei der Groß-Demo in Wien und Begleitveranstaltungen in ganz Österreich wurde kirchlicherseits Klartext gesprochen:
Fremdenfeindlichkeit und christlicher Glaube sind ein Widerspruch in sich. Viele der damaligen Ansprachen klingen auch heute wie Kommentare zum politischen Zeitgeschehen. So wandte sich Kardinal König auf dem Stephansplatz gegen das "Aufreißen von Gräben", wo doch nur das Bauen von Brücken "mit dem Blick in die Zukunft" hilfreich sei. Der damalige evangelisch-lutherische Oberkirchenrat Johannes Dantine forderte von Christen ein entschiedenes "Nein zu einer Politik, die mit Ängsten spielt". Helmut Schüller kritisierte als Schlussredner auf dem Heldenplatz den "Vormarsch der Dunkelheit in politischen Reden und in Gesetzen, in Versammlungen und an den Wahlurnen" und betonte, Demokratie setze Moral und "Bewusstsein um unaufgebbare Werte" voraus.

Weitere Redner beim Wiener "Lichtermeer" waren der Wiener Weihbischof Florian Kuntner am Rathausplatz, die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreichs (KAÖ), Eva Petrik, und Martin Kargl von der Katholischen Jugend, in den Landeshauptstädten sprachen u.a. die damaligen Bischöfe Reinhold Stecher (Innsbruck) und Maximilian Aichern (Linz).

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