• 22.01.2013, 10:35:13
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"Lichtermeer": Kirchen waren "Zündler" für mehr Menschlichkeit

Bei größter Demonstration in Zweiter Republik traten vor 20 Jahren auch Kirchenvertreter als Redner auf

Utl.: Bei größter Demonstration in Zweiter Republik traten vor 20
Jahren auch Kirchenvertreter als Redner auf =

Wien, 22.01.13 (KAP) Beim "Lichtermeer" gegen Ausländerfeindlichkeit
vor 20 Jahren waren auch die christlichen Kirchen wichtige "Zündler"
für mehr Menschlichkeit: Am 23. Jänner 1993 traten bei der größten
Demonstration in der Zweiten Republik viele prominente
Kirchenvertreter wie Kardinal Franz König, der damalige
Caritas-Präsident Helmut Schüller oder der Wiener Weihbischof
Florian Kuntner als Redner auf. Zudem waren zahlreiche kirchliche
Organisationen Mitveranstalter der auch in beinahe allen
Landeshauptstädten durchgeführten Großkundgebungen. Der Fokus lag
dabei auf dem von einer Viertel Million friedlichen Demonstranten
mit Kerzen und Fackeln erleuchtete Heldenplatz. In den "Salzburger
Nachrichten" hieß es tags darauf: "Fast ein religiöser Akt."

Schon im Vorfeld des "Lichtermeers" hatten Kirchenvertreter
verschiedener Konfessionen keinen Zweifel daran gelassen, dass sie
das von der FPÖ - damals noch unter der Führung von Jörg Haider -
betriebene Volksbegehren "Österreich zuerst" als Widerspruch zu
christlichen Kernbotschaften betrachteten. Egon Kapellari, damals
Diözesanbischof von Gurk-Klagenfurt in dem vormals von Haider als
Landeshauptmann geführten Kärnten tätig, stellte klar, dass Christen
in Sachfragen zwar unterschiedlicher Meinung sein könnten, "die
großen moralischen Prinzipien gelten aber für alle in gleicher
Weise".

Auch bei der Groß-Demo in Wien und Begleitveranstaltungen in ganz
Österreich wurde kirchlicherseits Klartext gesprochen:
Fremdenfeindlichkeit und christlicher Glaube sind ein Widerspruch in
sich. Viele der damaligen Ansprachen klingen auch heute wie
Kommentare zum politischen Zeitgeschehen. So wandte sich Kardinal
König auf dem Stephansplatz gegen das "Aufreißen von Gräben", wo
doch nur das Bauen von Brücken "mit dem Blick in die Zukunft"
hilfreich sei. Der damalige evangelisch-lutherische Oberkirchenrat
Johannes Dantine forderte von Christen ein entschiedenes "Nein zu
einer Politik, die mit Ängsten spielt". Helmut Schüller kritisierte
als Schlussredner auf dem Heldenplatz den "Vormarsch der Dunkelheit
in politischen Reden und in Gesetzen, in Versammlungen und an den
Wahlurnen" und betonte, Demokratie setze Moral und "Bewusstsein um
unaufgebbare Werte" voraus.

Weitere Redner beim Wiener "Lichtermeer" waren der Wiener
Weihbischof Florian Kuntner am Rathausplatz, die Präsidentin der
Katholischen Aktion Österreichs (KAÖ), Eva Petrik, und Martin Kargl
von der Katholischen Jugend, in den Landeshauptstädten sprachen u.a.
die damaligen Bischöfe Reinhold Stecher (Innsbruck) und Maximilian
Aichern (Linz).

Mehr auf www.kathpress.at (ende) rme/per/

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