- 27.12.2012, 19:56:06
- /
- OTS0133 OTW0133
"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die unnötigste Krise aller Zeiten" (von Nina Koren)
Ausgabe vom 28.12.2012
Utl.: Ausgabe vom 28.12.2012 =
Graz (OTS) - Der Begriff der Irrationalität entstammt eigentlich
der Mathematik und bedeutet dort "in keinem Verhältnis" stehend. Die
Kreiszahl Pi ist beispielsweise so eine irrationale Zahl, weil sie
nicht durch einen Bruch zweier ganzer Zahlen ausgedrückt werden kann.
Die menschliche Natur ist zwar keine Kreiszahl, aber wenn es um
Politik und Geld geht, dann ist die Ratio schneller weg, als ein
Präsident von Hawaii nach Washington fliegen kann. Geflogen ist
dieser Tage Barack Obama, um in der amerikanischen Hauptstadt doch
noch einen Kompromiss zustande zu bringen, der die größte
Volkswirtschaft der Welt vor dem Sturz von der sogenannten
"Fiskalklippe" bewahren soll, der direkt in die Rezession führen und
die Weltwirtschaft mitreißen könnte. Im Kreis dreht sich dennoch der
Streit mit den Republikanern. Die Fundamentalisten der Partei, vor
allem die Tea Party, lassen lieber ihr Land in den Abgrund stürzen,
als sich mit Obama auf einen Kompromiss zu einigen.
Die Fiskalklippe ist kein Schicksalsschlag, sondern eine automatische
pauschale Anhebung der Steuern bzw. Kürzung der Ausgaben, die sich
Demokraten und Republikaner im Sommer 2011 selbst ausgedacht und
vereinbart haben, weil man sich schon damals im Schuldenstreit nicht
einigen konnte und Druck erzeugen wollte, bis Ende 2012 eine Lösung
zu finden. Man muss von der Pi-Zahl gar nichts wissen, um ausrechnen
zu können, dass die Zeit jetzt knapp ist. Die vereinbarten
Einsparungen sind so angelegt, dass der US-Wirtschaft dermaßen viel
Geld entzogen würde, dass sie es ohne Schaden nicht verkraften kann
und schrumpfen würde. Und das just zu einem Zeitpunkt, wo es endlich
etwas besser läuft. Die Verbraucherausgaben steigen, es sind neue
Jobs entstanden, auch auf dem Häusermarkt entspannt sich die Lage
allmählich. Deshalb sind es nicht nur die Pensionisten und
Arbeitslosen, die unter einem Absturz massiv leiden würden, oder die
Mittelstandsfamilien, denen reale Einkommensverluste drohen, sondern
auch die Chefs führender US-Konzerne, die einen großen Wurf
einfordern, der die Schuldenproblematik zumindest für zwei Jahre
beruhigt.
Dass der nicht kommt, darauf deuten die Versuche von Finanzminister
Timothy Geithner hin, mit Buchungstricks bei der Rechnungslegung
Druck aus der Sache zu nehmen. Gut möglich, dass alles ins neue Jahr
verzögert wird und man mit Teilkompromissen weiterwurschtelt. Kein
Vormarsch ist so schwer wie der zurück zur Vernunft, schrieb Berthold
Brecht, aber den mochten die Amerikaner ohnehin nie besonders.****
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKZ






