• 21.12.2012, 17:00:31
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"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Wohlstand gibt es nur mit Industrie"

Luftgeschäfte mit Geld erzeugen kurzfristig Geld. Nur die Produktion von Waren sichert Arbeitsplätze.

Utl.: Luftgeschäfte mit Geld erzeugen kurzfristig Geld. Nur die
Produktion von Waren sichert Arbeitsplätze. =

Wien (OTS) - Dem Salzburger Finanzchaos musste - den Regeln der
österreichischen Innenpolitik folgend - ein politischer Streit um
die Verhinderung künftiger Spekulationen folgen. Gut, dass es bald
Wahlen gibt, da müssen sich die Parteien schnell auf einen Kompromiss
einigen.
Aber mit dem wichtigsten Satz der vergangenen Woche hat sich die
Politik leider nicht beschäftigt. Wolfgang Eder, Chef der Voest, die
als Staatsbetrieb unterging und heute ein Weltunternehmen darstellt,
erklärte: "Wir sollten in der Lage sein, die Beschäftigtenzahl in
Österreich zu halten, vorausgesetzt, dass die Politik das zulässt."
Und weiter: "Wir werden bis 2020 weitere 15.000 Mitarbeiter
aufnehmen, ein Drittel davon in Europa und leider nur wenige in
Österreich."
Also: Ein österreichisches Industrieunternehmen sucht sein Glück
immer mehr im Ausland, und zwar überwiegend außerhalb Europas.
Unsere Politik verfolgt das mit desinteressiertem Schweigen.
Dafür bemühen sich Politiker und Beamte immer öfter um Gutachten,
die ihnen intellektuelle Bescheidenheit zumessen. Die Stadt Linz etwa
freut sich darüber, dass im Zuge des Streits mit der Bawag
festgehalten wurde: "Der Finanzdirektor verfügte nicht einmal
ansatzweise über das erforderliche Know-how, um ein ordnungsgemäßes
Risikomanagement durchführen zu können." Die Bawag-Manager hätten
also erkennen müssen, dass der Finanzchef einer Großstadt keine
Ahnung von Finanzen hat.
Die grundsätzlich falsche Entwicklung wird dieser Tage in ganz
Europa erkennbar: Aus Großbanken wurden gierige Hedgefonds, und
Politiker in Stadt und Land wollten quer durch Europa mit wilden
Spekulationen Geld, das sie nicht hatten, vermehren, um Wohltaten zu
verteilen, die eben nicht mehr finanzierbar sind. So wurden diese
Woche im Mailand gleich mehrere Großbanken wegen Betrugs verurteilt,
weil sie der Stadt komplizierte Zinsswaps angedreht hatten. Darunter
die üblichen Verdächtigen: die Schweizer UBS, die übrigens auch eine
Milliarde Euro Strafe zahlen muss, weil sie den Zinssatz Libor
manipuliert hat, und die Deutsche Bank, wo inzwischen der
Staatsanwalt regelmäßig zu Besuch ist.
Die europäischen Staaten und EU-Institutionen sollten
grundsätzlich klären, dass das Geldmachen ausschließlich durch
Geldgeschäfte keine Grundlage für eine gesunde Wirtschaft sein kann.
Sollte Europa den britischen Weg der reinen
Dienstleistungsgesellschaft gehen, dann wird es auch die
entsprechenden Arbeitslosenzahlen bei Jugendlichen bekommen.
Die Rückbesinnung auf industrielle Produktion verlangt auch nach
günstiger Energie. Die Abhängigkeit Europas von Russland wurde soeben
beim EU-Treffen wieder festgestellt. Alternativen suchen wir
vergeblich, wir werden sie aber für neue Industrieprojekte brauchen.

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