- 20.12.2012, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Montis schwierige Metamorphose zum Politiker - von Micaela Taroni
Die Gruppe der Monti-Fans in Rom und Brüssel wird immer größer
Utl.: Die Gruppe der Monti-Fans in Rom und Brüssel wird immer größer =
Wien (OTS) - Dreizehn Monate lang hat Mario Monti hart gearbeitet, um
Italien vor der Staatspleite zu retten und seine Glaubwürdigkeit im
Ausland zu stärken. Das Prestige seines Technikerkabinetts hat stark
zum Wiederaufbau von Italiens angekratztem Ansehen beigetragen. Doch
der Wind hat sich gedreht. Der rigorose Wirtschaftsprofessor kann
sich nicht mehr im Elfenbeinturm seiner Parteiunabhängigkeit
verschanzen. Will er seine Arbeit fortsetzen, muss er den Mut zu
einer radikalen Wandlung finden und die Metamorphose vom Techniker
zum Politiker vollbringen. Kein einfaches Unterfangen für den stolzen
Lombarden, der keinen Hehl aus seiner Antipathie für die
streitsüchtigen italienischen Parteien macht.
Der Ex-EU-Kommissionspräsident hat sich hartnäckig gegen den Gedanken
gesträubt, sich persönlich in einen Wahlkampf mit unsicheren
Aussichten stürzen zu müssen. Am liebsten würde der distanzierte
Monti das Ergebnis der Parlamentswahlen im Februar abwarten und erst
danach entscheiden, ob er das Angebot einer zweiten Regierung
übernehmen will. Doch vor der Perspektive, dass sein schriller
Vorgänger Silvio Berlusconi mit populistischer Propaganda seine
Arbeit der letzten Monate zunichtemacht, hat sich Monti für den
großen Schritt entschlossen. Dabei kann er mit der Unterstützung von
Industriekapitänen und Schwergewichten der Finanz und Politik
rechnen. Von Ferrari-Boss Luca Cordero di Montezemolo bis
Ex-Großbanker Corrado Passera, von Angela Merkel bis Francois
Hollande: Die Gruppe der Monti-Fans in Rom und in Brüssel wird immer
größer.
Am Sonntag wird er seine Kandidaturpläne bekannt geben und sich an
die Spitze eines Zentrumsblocks stellen, die auf den Wahlsieg hofft.
Hatte der Techniker vor einem Jahr noch Blut und Tränen von den
Italienern verlangt, so wird der Politiker Monti jetzt im Wahlkampf
unterstreichen, dass die ärgste Phase der Krise überwunden und jetzt
Konsolidierungsarbeit notwendig ist. Ob die von seiner drakonischen
Spar-und Steuerpolitik schwer belasteten Italiener ihm Gehör und
weiteres Vertrauen schenken werden, ist fraglich.
Fest steht jedenfalls, dass Italien ein spannender Wahlkampf wie seit
Jahrzehnten nicht mehr bevorsteht.
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