• 19.12.2012, 10:00:22
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Sozialversicherung beschließt Kinder- und Jugendgesundheitsstrategie

Gesundheitsreform bietet ausgezeichnete Grundlage, sich gemeinsame Ziele für eine gesunde Entwicklung der Kinder und Jugendlichen zu setzen

Utl.: Gesundheitsreform bietet ausgezeichnete Grundlage, sich
gemeinsame Ziele für eine gesunde Entwicklung der Kinder und
Jugendlichen zu setzen =

Wien (OTS) - In Österreich nehmen, wie in anderen Ländern auch,
Lebensstil-Erkrankungen und Entwicklungsbeeinträchtigungen,
insbesondere im psychosozialen Bereich, zu. Die österreichische
Sozialversicherung hat in einer Studie bestimmte Aspekte der Kinder-
und Jugendgesundheit analysiert. Die wissenschaftliche Arbeit wurde
von der Ökonomin Agnes Streissler und dem sozialversicherungseigenen
Datenkompetenzzentrum "LEICON" erstellt. Auf Basis dieser Arbeit
wurde nun eine Strategie mit fünf Schwerpunkten für die Kinder- und
Jugendgesundheit entwickelt.

Das Studienergebnis: Ein vergleichendes Ranking des
Gesundheitszustandes und des Risikoverhaltens (IHS 2010) sieht
Österreichs Kinder und Jugendliche auf dem 23. Platz von insgesamt 30
verglichenen Staaten. Die in der Studie durchgeführte Datenanalyse
mit Deutschland als Benchmark zeigt, dass im Bereich der klassischen
kinderärztlichen bzw. allgemeinmedizinischen Versorgung in etwa das
gleiche Versorgungsniveau wie in Deutschland besteht, während bei den
psychosozialen und funktionalen Therapien (zB. Ergo- und
Logotherpaie) bei Entwicklungsstörungen die Datenlage so lückenhaft
ist, dass keine gesicherten Aussagen zum Versorgungsgrad getroffen
werden können. Indizien wie Wartezeiten weisen aber auf
Verbesserungspotential hin. Hintergrund der schlechten Datenlage und
allfälliger Versorgungsdefizite sind die starken
Kompetenzüberschneidungen zum Thema Entwicklungsstörungen. Die
Kompetenzen liegen zum einen bei den Gebietskörperschaften
(Jugendwohlfahrt, Erziehungswesen, Sozial- und Familienhilfe) und zum
anderen bei der Krankenversicherung (Krankenbehandlung,
Gesundheitsförderung).

"Die von uns mit den Ländern und dem Bund vereinbarte
Gesundheitsreform bietet eine ausgezeichnete Grundlage dafür, sich
gemeinsame Ziele für eine gesunde Entwicklung der Kinder und
Jugendlichen zu setzen. Damit können wir nicht nur endlich valide
Daten über die jetzt schon bestehende Versorgung gewinnen, sondern
die Versorgung und Betreuung optimieren", sagt die Vorsitzende der
Trägerkonferenz und Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse, Mag.a
Ingrid Reischl.

Die Sozialversicherung zieht jedenfalls ihre Schlüsse aus der
erfolgten Analyse und legt mit ihrer Kinder- und
Jugendgesundheitsstrategie fünf Schwerpunkte vor, zu denen in den
nächsten Jahren in Dialog und Kooperation mit den anderen
Stakeholdern konkrete Umsetzungsmaßnahmen erarbeitet werden sollen.

Die fünf Schwerpunkte sind:

Schwerpunkt 1: Problematik der Schnittstellen zwischen den
Kompetenzen

Im Dialog zwischen der Sozialversicherung und den
Gebietskörperschaften sollen Kooperationsmodelle erarbeiten werden.
Dabei sollen - wie in schon bestehenden Modellen - niederschwellige
und bedarfsgerechte Lösungen für die Patientinnen und Patienten aus
einem Guss entstehen bzw ausgebaut werden, die im Hintergrund
gemeinsam finanziert werden.

Schwerpunkt 2 : Versorgung primär über multidisziplinär
ausgestattete Einrichtungen

Für viele der betroffenen Kinder und Jugendlichen ist nach
entsprechender ärztlicher und diagnostischer Abklärung eine
Behandlung mittels einer Kombination mehrerer Therapieformen (zB.
Ergo-, Logo-, Physio-, Psychotherapie) geboten. Eine Ausweitung des
Angebotes an multidisziplinär ausgestatteten Einrichtungen ist daher
anzustreben. Gerade dabei sind Kooperationsmodelle zwischen
Krankenversicherung und Ländern, die in manchen Bundesländern bereits
gelebt werden, zu forcieren, da sie den Patientinnen und Patienten
bzw. deren Eltern einen niederschwelligen Zugang bieten und ihnen die
Antragstellung bei den unterschiedlichen Kostenträgern ersparen.

Schwerpunkt 3: Behandlungsnotwendigkeit/Behandlungsqualität

Um die zum jeweiligen Krankheitsbild passende Versorgung im
richtigen Ausmaß und in hoher Qualität durch die richtigen Anbieter
sicherzustellen, sollen - unter Einbeziehung von Expertinnen und
Experten - Leitlinien und Pfade für die Behandlung sowie
Qualitätsparameter erarbeitet werden.

Durch Information, Beratung und Einbindung der Eltern in den
Behandlungsprozess sollen sie die notwendigen Entscheidungen im
Behandlungsprozess ihrer Kinder treffen und an diesem auch mitwirken
können.

Der systematische Einsatz von Case-Management der
Krankenversicherungsträger soll sicherstellen, dass die Betroffenen
bei der Bewältigung von systembedingten Hürden unterstützt werden.

Schwerpunkt 4: Frühe Ansätze verringern Leid und Kosten

Es ist wesentlich, drohende oder bestehende Probleme möglichst
früh anzugehen, weil so gerade bei den Themen Lebensstil-Erkrankungen
und Entwicklungsstörungen die Erfolgschancen vervielfacht werden und
mit der Abwehr von Verschlechterungen und Chronifizierungen oft auch
weit höhere und lang anhaltende Kosten vermieden werden können.
Aufsuchende Betreuung soll dabei gestärkt werden und bestehende
Anknüpfungspunkte (Schwangerenberatung, Mutter-Kind-Pass, Schul- und
Jugendlichenuntersuchungen) für frühe Erkenntnisse und Interventionen
genutzt werden.

Schwerpunkt 5: Verbesserung unserer Wissensbasis über
Leistungs- und Krankheitsgeschehen

Wesentliche Voraussetzungen für eine sinnvolle Planung des
Versorgungs-angebotes sind die Kenntnis von Angebot und Bedarf. Daher
sollen vor allem die Systeme zur Leistungserfassung ergänzt werden -
insbesondere hinsichtlich Leistungen aus gemeinsamen
Versorgungsmodellen mit geteilter Finanzierung, die derzeit
mangelhaft oder gar nicht erfasst werden, was bisher die
Versorgungssituation schlechter aussehen lässt als sie tatsächlich
ist.

"Was wir auf der Grundlage der soeben vereinbarten
Gesundheitsreform für eine gesunde Entwicklung unserer Kinder und
Jugendlichen beitragen können, ist eine Investition in die Zukunft,
die sich nicht nur für die Betroffenen, sondern für das
Gesundheitssystem, Schule, Berufsausbildung und Arbeitsmarkt, und
viele andere Bereiche unserer Gesellschaft rechnet", sagt
Trägerkonferenzvorsitzende Ingrid Reischl abschließend.

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