- 18.12.2012, 18:13:37
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Die Staatskünstler"
Ausgabe vom 19. Dezember 2012
Utl.: Ausgabe vom 19. Dezember 2012 =
Wien (OTS) - Ob sie sich kennen, ist nicht verbürgt, am Dienstag
standen jedenfalls Alfons Mensdorff-Pouilly und Wolfgang Flöttl zwar
nicht gemeinsam, aber jeweils vor einem Richter. Beides war
erheiternd. Flöttls Freispruch beispielsweise. Immerhin tritt er in
der feinen Gesellschaft der USA immer noch in Erscheinung, auch als
Mäzen, obwohl er doch hierorts als mittellos gilt. Der "verdeckte
Berater" Mensdorff-Pouilly wiederum vermag uns noch mehr zu erfreuen.
Er sei zu blöd für komplizierte Firmengeflechte in Steueroasen, sagte
er. Und wusste gar nicht, dass er an manchen Firmen beteiligt sei.
Jedenfalls wären beide ein Gewinn für die TV-Sendung "Wir
Staatskünstler". Robert Palfrader und Florian Scheuba können sich
Schmähs einfallen lassen bis zum Abwinken, gegen die beiden kommen
sie nicht an. Die Leichtigkeit, mit der Mensdorff-Pouilly durch die
Einvernahmen tänzelt, ringt Bewunderung ab. Sein Satz zur
Briefkastenfirma Foxbury - "Mag sein, dass die Konstruktion so
gewählt war, dass sie mir gehören soll" - gehört zum Feinsten, was in
Gerichtssälen zuletzt zu hören war. Flöttls Zerknirschung, weil wegen
der kaputten Computerfestplatte die gesamte Dokumentation zu den
Bawag-Spekulationen "leider" verloren ist, wirkt zwar plumper, der
Effekt aber war überwältigend: Das Gericht glaubte ihm. Walter
Maischbergers "Was war mei Leistung?" schmiert dagegen ab wie eine
nordkoreanische Rakete. Beide sind echte Staatskünstler. Flöttl
parlierte zeitlich günstig mit Finanzminister Karl-Heinz Grasser auf
Julius Meinls Yacht. Mensdorff-Pouilly versammelte für ihn wichtige
Teile der Republik bei schottischen Jagden, getreu dem Motto:
Eigentlich bin ich unterbezahlt.
Ob sich auch Flöttl unterbezahlt fühlt, ist nicht überliefert. Aber
er kann seine Aussagen ja als Serien-Drehbuch gewinnbringend
verwerten. Der ORF hat eh Quotenprobleme. Mensdorff-Pouilly wird
nicht direkt helfen können, er ist im Quatschen besser als im
Schreiben. Aber er kennt vielleicht einen Ghostwriter für Flöttl.
Dabei ist allerdings Vorsicht geboten. "Verdeckte Berater" mit Sitz
im Südburgenland kassieren für solche Vermittlungen üblicherweise
Geld. Aber wie soll ein mittelloser Ex-Spekulant Geld an eine
Briefkastenfirma auf den Jungferninseln überweisen, deren Existenz
ihm selbst völlig schleierhaft ist? Kleiner Tipp (gratis): Hilfe
bieten Investment-Staatskünstler in Salzburg und Niederösterreich.
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