- 17.12.2012, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Kroatiens verramschte EU-Morgengabe - von Tamara Depolo
EU-Beitritt und Tourismuserfolge sind schon längst eingepreist
Utl.: EU-Beitritt und Tourismuserfolge sind schon längst eingepreist =
Wien (OTS) - Die jüngste Bonitätsabstufung der Staatsfinanzen
Kroatiens, des nächsten und vorläufig letzten EU-Mitglieds, kommt so
überraschend wie Schnee im Dezember. Es war ein bisschen viel Schnee
in Kroatien vergangene Woche. Die Prügel der Kreditwürdigkeitsprüfer
hingegen, die fielen noch milde aus.
Den endgültigen Verfall in den Ramschstatus argumentierte die
Ratingagentur S&P mit unzureichenden Struktur- und Fiskalreformen -
auf diese Art werde eine Erholung der Wirtschaft nicht glücken und
die Staatsfinanzen würden nicht zum Stabilitätspfad wiederfinden,
urteilten die Prüfer.
So ähnlich liest sich die Rating-Meinung zu Kroatien seit Jahren. Nun
besteht die Gefahr, dass sich das Land auf ein wirtschaftliches
Permafrost-Zeitalter zubewegt. Da werden auch kein heißer
Touristen-Sommer und kein EU-Beitritt helfen, beide sind schließlich
schon seit Jahren ein- und übergepreist, zum Beispiel in den
Immobilienbewertungen.
Schuld an der Rezession im Lande sind für jede Regierung immer die
anderen gewesen - die Investoren, die seit dem Ausbruch der Eurokrise
ausbleiben. Würden sie auch so massiv ausbleiben, fänden sie ein
besseres regulatorisches Umfeld in Kroatien vor?
Man hat vor elf Monaten viel erwartet von der neuen
Mitte-links-Regierung, vom Machtwechsel und dem Sturz der
Nationalkonservativen. Doch die politische Einflussnahme und das
Obrigkeits-Gefälligkeits-Tamtam in den Leitbetrieben des Landes, sei
es im öffentlichen oder im Privatsektor, haben nicht aufgehört.
Ein großes Unternehmen in Kroatien, auch ein privates, hat die
politische Orgel nach wie vor zu bedienen. Ist auch in Österreich oft
nicht anders - allerdings hat man hierzulande eine gewisse
Entwicklungsstufe der Wirtschaft erreicht, kleine "Systemverluste"
eines freien Wettbewerbs nach österreichischer Art schlagen nicht
gleich auf Zehntausende Jobs durch. Eine annähernde
Chancengleichheit, das täte Kroatien gut.
Die Regierung gaukelt den Menschen immer noch vor, 2013 werde man ein
BIP-Wachstum von 1,8 Prozent schaffen (heuer sind es so viel Minus).
Ein Erfolg wird wohl sein, wenn man den freien Fall aufhalten kann.
Zu viel sollte sich Zagreb nicht vom EU-Beitritt erhoffen, vorerst
bleiben ja die regionalen Exportmärkte Kroatiens, allen voran
Serbien, relevant.
Da muss man aber auch sagen: Lob an die Mitte-links-Regierung in
Zagreb, dass sie hier schaut, eine behutsame Außenpolitik zu fahren.
Auf die Tatsache, dass die Schwäche des serbischen Dinar kroatische
Exportgewinne nahezu komplett auslöscht, darauf kann man kurzfristig
wenig Einfluss nehmen.
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