• 13.12.2012, 18:30:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Europas Gräben in ständiger Bewegung von Hans Weitmayr

Von der Montan- über die Banken- hin zu einer echten Union

Utl.: Von der Montan- über die Banken- hin zu einer echten Union =

Wien (OTS) - Die Europäische Bankenaufsicht steht also. Wobei man mit
dem Begriff "Europa" und "europäisch" dieser Tage vorsichtig umgehen
muss - denn an sich gibt es eine Bankenaufsicht auf EU-Ebene schon.

Die aktuelle, neue Version bezieht sich auf die Eurozone. Eines der
Kernstücke des neuen Projekts ist, dass die Aufsicht bei der EZB
angesiedelt ist, die zehn EU-Staaten außerhalb der Eurozone von der
Reform also de facto unberührt bleiben.

Nachdem die Währungszone somit eine weitere Reform auf den Weg
gebracht hat, hat die Nichteuroländer die Furcht ergriffen, sie
könnten im Rahmen der EU-Bankenaufsicht von den Euroländern
niedergestimmt werden. Also hat man diesen Staaten - dazu gehören
allen voran skandinavische Länder und Großbritannien - in der
Eurobankenaufsicht ein Stimmrecht eingeräumt; wem diese Mechanismen
als kompliziert erscheinen, dem ist nur schwer ein Vorwurf zu machen.
Auf dem Weg zur Integration wird Europa vor allem eines:
unübersichtlicher.

Dazu sind die tektonischen Risse zwischen Kern-Eurozone,
Europeripherie und Nichteuroländern in ständiger Bewegung. Mit der
aktuellen Reform hat sich vor allem der Graben zwischen Kern-Euro-
und Nichteuroländern einmal mehr vertieft. Das ist insofern nicht zu
begrüßen, als die politische und vor allem wirtschaftliche Zugkraft
genau aus diesen beiden Ländergruppen kommen müsste.

Reduziert man die Betrachtung auf Großbritannien auf der einen und
Deutschland auf der anderen Seite, ortet man außerdem schnell einen
grundlegenden Unterschied in der ökonomischen Philosophie. Während
Deutschland die industrielle Komponente der eigenen Volkswirtschaft
forciert, setzt das Königreich nach wie vor auf die Vorzüge einer
dominanten Finanzwirtschaft.

Wie riskant diese zweite Strategie sein kann, haben alle Beteiligten
- und auch Unbeteiligten - schmerzhaft erfahren müssen. Das
kontinentaleuropäische Modell geht mit geringeren Renditen einher -
unbestritten. Es scheint sich aber um die nachhaltigere Methode zu
handeln.

Schulden hat man in beiden Kulturkreisen aufgebaut, die zusätzlichen
Finanzexzesse kamen aber aus dem angelsächsischen Raum. Eine
Bankenunion auf europäischer Ebene ist deshalb der richtige Weg, wenn
man den Weg von der Montan- über die Banken- hin zu einer echten
Union schaffen will. Mit Betonung auf: wenn man das will.

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