• 13.12.2012, 13:36:48
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Sonntagsöffnung: Schlagabtausch zwischen Lugner und Gewerkschaft in ATV "Am Punkt"

Gewerkschafter warnt Politik davor, an Ladenöffnungszeiten zu rütteln

Utl.: Gewerkschafter warnt Politik davor, an Ladenöffnungszeiten zu
rütteln =

Wien (OTS) - Im Streit um den einkaufsfreien Sonntag stößt der
Betreiber eines Shopping-Centers und ehemalige Bauunternehmer Richard
Lugner weiter auf Granit. In der ATV-Diskussionssendung "Am Punkt"
machten sowohl Franz Georg Brantner von der Gewerkschaft der
Privatangestellten (GPA.djp) als auch der Direktor der Katholischen
Sozialakademie Österreichs, Pater Alois Riedlsperger, klar, dass an
der Sonntagsruhe nicht zu rütteln sei.

Und offensichtlich ist auch, dass beide Seiten über sehr
unterschiedliche Erfahrungswerte verfügen. So verwies Lugner darauf,
dass Einkaufszentren in grenznahen Orten z.B. in der Slowakei oder
Ungarn sonntags von Österreichern überlaufen seien und dies wohl
belege, dass es hierzulande ein Bedürfnis gebe, auch an diesen Tagen
einkaufen zu gehen. Dem widersprach Brantner: "Weil Herr Lugner das
immer wieder behauptet, unsere Leute fahren nach Haugsdorf und nach
Bratislava: wir haben das gemeinsam mit der slowakischen
Handelsgewerkschaft über einige Wochen analysiert und das Bild, das
immer wieder dargestellt wird, dass in Wirklichkeit nur Österreicher
dort stehen und fast keine Slowaken, das konnten uns unsere
slowakischen Kollegen nicht bestätigen."

Und während der Gewerkschaftsvertreter meinte, dass rund 90
Prozent der Handelsangestellten Sonntagsarbeit ablehnten, erklärte
Lugner, dass ihm viele Verkäufer das Gegenteil versichert hätten. "Es
gibt ja viele junge Leute, Studenten, die am Sonntag gerne arbeiten
würden, und die Bezahlung ist ja 100 Prozent Zuschlag plus 100
Prozent Freizeitausgleich, das ist ja interessant für junge Leute,
die sich ein Leben aufbauen wollen, eine Wohnung einrichten, die
arbeiten gerne, wenn sie für die gleiche Stunde ein doppeltes Gehalt
bekommen," sagte Lugner in "Am Punkt".

Für den Vertreter der katholischen Kirche, Pater Riedlsperger,
dient der Sonntag der "Entschleunigung". In "Am Punkt sagte er: "Für
viele Menschen wird die rasante Beschleunigung unserer Gesellschaft
ein enormes Problem und es ist wesentlich, dass wenigstens ein Tag
in der Woche unhinterfragt frei ist." Die Menschen sollten sagen
können: "Ich weiß, ich habe im Jahr 52 freie Sonntage. Und das ist
ein enormer Reichtum an Lebensqualität, an Zeitwohlstand, und das
gilt es zu erhalten", so Riedlsperger.

Ein großer Streitpunkt war auch die Tatsache, dass es in Wien -
anders als in vielen anderen österreichischen Gemeinden - keine
sogenannte Tourismuszone gibt, in der Geschäfte auch an Sonntagen
geöffnet haben dürfen. Die Vorsitzende der Österreichischen
Hoteliersvereinigung Wien, Michaela Reitterer, sagte in "Am Punkt":
"Das finde ich unfair, dass gerade Wien keine Tourismuszone ist und
ein kleiner Ort wie Bad Kleinkirchheim schon. Wollen wir als Wien
jetzt eine Weltstadt sein oder nicht? Ein kleines Dorf hat offen, nur
wir nicht." Sie habe auch mit vielen Hotelgästen gesprochen, "die uns
versichert haben, dass sie auch eine Nacht länger geblieben wären,
wenn sie am Sonntag hätten einkaufen können. Das macht schon sehr
viel Geld für die Stadt aus, wir sprechen hier von ca. 360.000
Nächtigungen, die wir im Jahr mehr hätten." Doch auch hier gehen die
Erfahrungswerte auseinander. So meinte Riedlsperger: "Ich habe
einige Rückmeldungen von Gästen aus dem Ausland, z.B. aus den USA,
die immer wieder sagen, sie genießen einfach, dass es in Wien am
Sonntag einfach ruhig ist."

Den Vorschlag von Reitterer, man könnte doch in Wien wenigstens
einen Versuch mit einer Tourismuszone starten und dann werde man
sehen, ob es Bedarf gebe oder nicht, lehnte Gewerkschaftsvertreter
Brantner ab, "weil schlicht und einfach unsere Leute Angst haben,
dass das zum Dammbruch werden könnte." Und er verwies nochmals
darauf, dass sich 90 Prozent der Handelsangestellten in dieser Frage
einig seien. Brantner: "Es soll sich jede politische Partei warm
anziehen, wenn sie das Thema angreift. Ich denke da an einen
Polit-Neuling, der in der Altersklasse von Herrn Lugner ist. Bei dem
könnte ich mir vorstellen, dass der für solche Argumente gut zu
gewinnen ist."

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ATP

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