• 13.12.2012, 12:47:03
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Fachtagung Flächenverbrauch: Täglich verschwinden in Österreich 20 ha Boden

Im EU-Vergleich ist der Flächenverbrauch in Österreich überdurchschnittlich hoch

Utl.: Im EU-Vergleich ist der Flächenverbrauch in Österreich
überdurchschnittlich hoch =

Wien (OTS) - "Der langfristige Trend der vergangenen 50 Jahre zeigt
einen deutlichen Rückgang der landwirtschaftlich genutzten Fläche in
Österreich. Bei Ackerland sind dies rund 300.000 ha, die der
Versiegelung zum Opfer fallen und bei Grünland etwa 570.000 ha. Pro
Tag werden mittlerweile 20 ha verbraucht, was jährlich in etwa der
Größe der Stadt Salzburg entspricht. Hinzu kommt, dass es sich dabei
nahezu ausschließlich um besonders hochwertige landwirtschaftliche
Böden in Gunstlagen handelt. Ein Maßnahmenkatalog, der eine
Trendumkehr in die Wege leitet, ist unser vorrangiges Ziel.
Schließlich gilt es, den Boden zu erhalten und bestmöglich für unsere
nachfolgenden Generationen zu schützen", erklärte Gerhard Wlodkowski,
Präsident der LK Österreich, bei der Fachtagung zum Thema
"Bodenverbrauch in Österreich - Ist die Versorgungssicherheit in
Gefahr?", die im LK-Festsaal in Wien in Kooperation mit dem
Landwirtschaftsministerium, dem Ökosozialen Forum, dem
Umweltbundesamt und der Österreichischen Hagelversicherung
veranstaltet wurde.

Enormer Bodenverbrauch durch Versiegelung und Bebauung

Für die Landwirtschaft ist der Boden die wichtigste
Produktionsgrundlage. Zudem erfüllen Äcker und Wiesen zahlreiche
Funktionen wie insbesondere die Regulierung des Naturhaushalts, sie
sind Lebensraum für Tiere und Pflanzen und bieten zahlreiche
Schutzwirkungen wie Wasserrückhalt und -speicherung. Unsere Böden
dienen dem Erhalt der Biodiversität und der Kohlenstoffspeicherung
und sind nicht zuletzt Lebens- und Erholungsraum für den Menschen. Im
EU-Vergleich ist die jährliche Flächeninanspruchnahme in Österreich
überdurchschnittlich hoch. Gleichzeitig wächst aber der Bestand an
brachliegenden Industrie- und Gewerbeflächen, der rund ein Drittel
des jährlichen Flächenbedarfs abdecken könnte.

Nur rund ein Drittel der Gesamtfläche des Gebirgslands Österreich
eignet sich als Dauersiedlungsraum. Davon sind bundesweit bereits 15%
"verbraucht". Der Flächenverbrauch in Form von Versiegelung und
Bebauung nimmt jedoch immer größere Dimensionen an und entzieht der
Landwirtschaft zumeist Böden mit dem höchsten Ertragspotenzial. "In
den vergangenen 60 Jahren ging ein Viertel der damals genutzten
landwirtschaftlichen Fläche verloren. Heute werden täglich rund 11 ha
landwirtschaftlicher Fläche für Verkehr, Industrie, Wirtschafts- und
Wohnraum verwendet und auf Dauer einer anderen Verwendung zugeführt.
Rechnet man Freizeit- und Bergbauflächen mit ein, sind dies über 20
ha pro Tag", erläuterte Wlodkowski.

Berlakovich: Gesunder Boden ist Basis für nachhaltige
Landwirtschaft

"Ein gesunder Boden mit intakten Funktionen ist die Grundlage für
eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft. Wir müssen damit
verantwortungsvoll umgehen. Daher sind der Erhalt und Schutz des
Bodens ein vorrangiges Ziel. In der Landwirtschaft gehen wir im
Hinblick auf die nachhaltige Bodennutzung schon lange einen
erfolgreichen Weg. Das zeigt sich unter anderem durch die hohe
Teilnahme der Landwirte an den Maßnahmen des Umweltprogramms. Nicht
umsonst liegt Österreich EU-weit bei der Bioproduktion im
Spitzenfeld", unterstrich Landwirtschaftsminister Nikolaus
Berlakovich.

Pernkopf: Aktive Flächenpolitik notwendig

"Der Boden ist eine wichtige Lebensgrundlage für uns alle. Unsere
Lebensmittel werden hier produziert und Bodenfruchtbarkeit ist eng
verbunden mit einer nachhaltigen Bewirtschaftung. Aktive
Flächenpolitik ist aber nicht nur aus ökologischen Gründen von
Bedeutung. Die wachsende Zersiedelung in den Gemeinden führt zu stark
wachsenden Kosten. Kompakte Siedlungsstrukturen sind im Gegensatz
dazu für das Gemeindebudget eine große Entlastung. Ortszentren mit
Einkaufsmöglichkeiten und öffentlichen Einrichtungen ermöglichen
Austausch unter den Bewohnerinnen und Bewohnern und sorgen für Leben
und Zusammenhalt in den Gemeinden", unterstrich der Präsident des
Ökosozialen Forums, Stephan Pernkopf.

Hagelversicherung: Alarmierend hoher Bodenverbrauch - Gefahr
von mehr Unwettern

Die Österreichische Hagelversicherung hat als
Naturkatastrophenversicherer der Landwirtschaft großes Interesse an
einer deutlichen Reduktion des Bodenverbrauchs. "2,2 m2 gehen in
Österreich pro Sekunde durch Verbauung verloren. Der Bodenverbrauch
ist alarmierend hoch. Dies hat sowohl negative wirtschaftliche als
auch klimatische Folgen. Zum einen verringert sich unsere
Produktionsgrundlage für Nahrungs- und Futtermittel. Zum anderen wird
mit jeder Versiegelung des CO2-Speichers 'Boden' der Klimawandel, das
heißt die Erderwärmung, beschleunigt und die Gefahr für mehr Unwetter
steigt. Aus diesem Grund ist eine Verlangsamung des Bodenverbrauchs
dringend notwendig", betonte Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender
der Österreichischen Hagelversicherung.

Reduktion des Flächenverbrauchs ist Beitrag zu Klimaschutz

"Neben den ökologischen (Ausgleichsfunktion, biogenetische
Funktion, Infrastrukturfunktion, Rohstofffunktion) ist aus Sicht der
Landwirtschaft die Produktionsfunktion des Bodens entscheidend. Diese
ist unmittelbar mit der Abdeckung der lebensnotwendigen
Grundbedürfnisse der Menschheit verbunden, daher ist die Erhaltung
des Bodens für die Bauernvertretung vorrangiges Ziel. Im Zusammenhang
mit dem Klimaschutz ist zu bedenken, dass versiegelte Flächen einen
doppelt negativen Effekt bewirken: Es entfällt die Möglichkeit der
C-Speicherung, zudem werden Treibhausgase freigesetzt (Bautätigkeit,
Wohnen, Verkehr, Industrie und Gewerbe). Berechnungen zeigen, dass
auf diesen Flächen je nach Aktivität zwischen 180 bis 450 Tonnen
CO2-Emissionen je Hektar und Jahr freigesetzt werden", stellte der LK
Österreich-Präsident abschließend fest.
(Schluss)

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