Hannes Androsch: "Es ist zwar einiges in der Bildungspolitik jetzt geschehen - aber es bleibt immer noch sehr viel zu tun".

Wien (OTS) - "Zweifellos ist es einer der erfreulichsten Erfolge des Bildungsvolksbegehrens, dass sich die gesamte Regierung dazu durchringen konnte, Ganztagsschulen massiv auszubauen", stellte Hannes Androsch zum gestrigen Beschluss der Bundesregierung fest. Die geplante Erweiterung des Angebots auf 200.000 Schülerinnen stelle in jeder Hinsicht eine Verbesserung der Bildungssituation dar. Vorausgesetzt freilich ist, dass es sich um echte Ganztagsschulen handelt, wie das die große Mehrheit der Eltern wünsche und wie es auch eine zentrale Forderung der parlamentarischen Beratungen im Besonderen Ausschuss war, fügte der Initiator des Volksbegehrens hinzu. Dann würden nicht nur weitgehend die das Familienleben belastenden Hausaufgaben wegfallen, sondern vor allem auch die hohen Kosten, die Eltern für Nachhilfestunden aufbringen müssen. Pro Jahr sind das in etwa 150 Millionen Euro und viele Eltern können sich diese zusätzlichen Ausgaben gar nicht leisten.

Durch die Zusammenarbeit mit Sporteinrichtungen, Musikschulen, Handwerksbetrieben und Theaterveranstaltern könnten vor allem auch diese wichtigen Neigungen und Talente der jungen Menschen gefördert werden. Androsch wies ausdrücklich darauf hin, dass nicht zuletzt disziplinäre Schwierigkeiten in Ganztagsschulen deutlich zurückgehen würden und die Freude am Lernen durch die verstärkten persönlichen Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern zunähme. Das zeigen jedenfalls europaweit die langjährigen Erfahrungen mit Ganztagsschulen.

Eine Gruppe von Unterstützern des Volksbegehrens mit Frau Prof. Christiane Spiel, Dr. Heidi Schrodt, Prof. Bernd Schilcher, der Elementarpädagogin Raphaela Keller, Dr. Gundi Wentner und Beppo Mauhart an der Spitze stimmten dem Befund des PISA Chefs Andreas Schleicher zu, der Frau Ministerin Schmied durchaus Fortschritte in der hiesigen Bildungspolitik attestiert hatte: Mit der Neuen Mittelschule, der modularen Lehrerausbildung und den ersten Schritten einer Organisationsreform habe Österreich vieles von den besorgniserregenden Rückständen abbauen können.

Doch stellte der oberste Bildungs-Watch-Dog der OECD auch fest, dass die fehlende Chancengerechtigkeit in unserem Land ein besonders gravierendes Problem darstelle. "Hier müssen noch zahlreiche weitere Vorschläge des Volksbegehrens umgesetzt werden", verlangte Dr. Androsch. Angefangen von einer auf die zeitgemäßen Anforderungen abgestimmten Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrer bis zu einer bundeseinheitlichen Frühförderung aller Kinder, über die Bereitstellung von "Support-Systemen" für die Pädagogen (Deutsch-und Fremdsprachenlehrern, street-workern, Verwaltern und Psychologen) bis zu einschneidenden Verwaltungsreformen, des Ausbaus echter Schulautonomie und dem möglichst langem gemeinsamen Lernen aller Schülerinnen in der Unterstufe, gäbe es noch sehr viel zu verändern, waren sich Androsch und seine Mitstreiterinnen einig.

Hannes Androsch warnt aber davor, wieder in das alte Spiel von Ankündigung und nachfolgender Untätigkeit zurückzufallen. Am Ende der parlamentarischen Beratungen über das Volksbegehren im Besonderen Ausschuss war die übereinstimmende Bilanz: Es ist höchste Zeit, "Nägel mit Köpfen zu machen". Wenn bereits am Tag nach dem Verkünden vom Durchbruch und Einigung vor den Grenzen des Machbaren geredet wird, läuten die Alarmglocken, warnt Dr. Androsch. Die Ankündigung, bevor etwas geschehe, müsse es Bedarfserhebungen und dann Verhandlungen geben, klingt bereits wieder wie eine Verhöhnung von rund 400.000 Unterzeichnern des Volksbegehrens.

Es darf auch nicht sein, dass Teile der Regierung vor der bekannten Gruppe der ständigen Blockierer wieder einknickt. Die Grenzen des Machbaren können nicht von uneinsichtigen Verteidigern egoistischer Interessen bestimmt werden, sondern von den Notwendigkeiten einer Bildungsreform im Interesse der Kinder und deren Eltern. Nur wenn es der Regierung tatsächlich ernst ist mit der Ankündigung Ganztagsschulen umfassend auszubauen, kann sie vermeiden, für Untätigkeit abgestraft zu werden.

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