• 01.12.2012, 09:30:31
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Umweltbeschwerde von GLOBAL 2000: BH Korneuburg irrt - Pestizideinleitung verschlechtert ökologischen Zustand der Donau

GLOBAL 2000 präsentiert wissenschaftliche Belege und erhebt Umweltbeschwerde nach dem Umwelthaftungsgesetz

Utl.: GLOBAL 2000 präsentiert wissenschaftliche Belege und erhebt
Umweltbeschwerde nach dem Umwelthaftungsgesetz =

Wien (OTS) - Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und Studien
aus den vergangenen Jahren zeigen, dass die in Europas Flüssen
messbaren Schadstoffkonzentrationen bereits gravierende Auswirkungen
auf die Artenvielfalt von Wasserlebewesen haben. Besonders die durch
Pestizide ausgelösten Verunreinigungen haben starken Einfluss auf das
ökologische Gleichgewicht des Wassers. Diese Studien widerlegen somit
die Annahme, dass durch die Verdünnung der Chemikalien in großen
Gewässern diese nicht so stark beeinträchtigt würden. Um das Ziel der
Wasserrahmenrichtlinie einhalten zu können, Europas Flüsse bis 2015
in einen guten Zustand überzuführen, sind große Anstrengungen zur
Reduktion dieser Schadstoffbelastung notwendig.

Dass die Bezirkshauptmannschaft Korneuburg stattdessen anordnet,
pestizidkontaminiertes Grundwasser ungefiltert in die Donau zu
pumpen, steht in massivem Widerspruch zu allen nationalen und
europäischen Bemühungen des Gewässerschutzes, und verstößt gegen die
elementarsten Grundsätze des Umweltschutzes. Noch dazu, wo die beiden
eingeleiteten Pestizide, Clopyralid und Thiamethoxam, von der EU als
"gefährlich" bzw. "sehr gefährlich für Wasserorganismen" eingestuft
werden. Verwunderlich und völllig haltlos sind vor diesem Hintergrund
die Aussagen des Leiters des Sanierungsteams, Prof. Dr. Werner Wruss,
wonach eine Gefährdung der Donau "dezidiert ausgeschlossen werden"
könne, da das in die Donau eingeleitete Grundwasser ja "massiv
verdünnt werde". Helmut Burtscher, Umweltchemiker von GLOBAL 2000,
betont: "Solche Aussagen sind nicht nur vom Standpunkt der
Wissenschaftlichkeit unhaltbar, sie könnten sogar als Freibrief
interpretiert werden, die Donau für die Entsorgung jeglichen
Giftmülls zu nutzen, solange der dabei erzielte Verdünnungseffekt nur
groß genug ist." Ein Landwirt, der seine Pestizidabfälle in ein
Gewässer entsorgt, muss - im Gegensatz zur BH Korneuburg - zumindest
mit einer empfindlichen Geldstrafe rechnen.

GLOBAL 2000 fordert daher die BH mit Nachdruck auf, umgehend die
Einleitung von kontaminiertem Grundwasser in die Donau zu stoppen und
Filteranlagen vorzuschalten, welche die Einhaltung der Grenzwerte
gewährleisten können. Burtscher erklärt: "An dieser Stelle möchten
wir die BH nochmals an die verheerenden Folgen der mehr als
eineinhalb Jahre praktizierten Einleitung von kontaminiertem
Grundwasser in den Tresdorfer Graben erinnern, die zu einer
nachhaltigen Pestizidbelastung des Tresdorfer Grabens, des
Donaugrabens sowie eines privaten Badeteichs geführt hat."

Matthias Schabl von der Bürgerinitiative PRO REINES WASSER kann nicht
verstehen, weshalb die BH die am Kwizda-Firmengelände bereits
erfolgreich eingesetzten Filteranlagen nicht auch bei der Donau
vorschaltet. Seine Forderung: "Nur um der Verursacherfirma Geld zu
sparen, darf das kontaminierte Grundwasser nicht ungefiltert in die
Donau geleitet werden!" Elisabeth Kerschbaum, Umweltstadträtin von
Korneuburg, fügt hinzu: "Minister Berlakovich vertraut blind auf die
unbelegte Aussage eines Amtssachverständigen und fragt nicht einmal
nach den Mengen der eingebrachten Pestizide. Er ist verantwortlich
für den Schutz der Donau und die Einhaltung von internationalen
Verträgen, die in diesem Sinne abgeschlossen wurden. Die politische
Verantwortung kann er aber nicht auf einen Amtssachverständigen
abschieben!"

Die Einleitung der Pestizide in die Donau ist das bislang letzte
Glied einer langen Kette von Versäumnissen und Fehlentscheidungen,
die die Versuche der Behörden, die Korneuburger
Grundwasserkontamination in den Griff zu kriegen, begleiteten. Vor
diesem Hintergrund bringt GLOBAL 2000 nun eine Umweltbeschwerde nach
dem Umwelthaftungsgesetz ein. Dieser Schritt wurde durch kürzlich
geänderte gesetzliche Rahmenbedingungen ermöglicht. GLOBAL 2000
beschreitet als erste Umweltschutzorganisation in Österreich diesen
Weg, um Parteienstatus zu erhalten und so konstruktiv auf den
Fortgang der Sanierungsarbeiten einwirken zu können.

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