- 30.11.2012, 18:59:46
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Vergiss die Köpfe und streichle die Bäuche" (von Frido Hütter)
Ausgabe vom 01.12.2012
Utl.: Ausgabe vom 01.12.2012 =
Graz (OTS) - Donnerstagabend war es wieder einmal so weit:
ORF-Anchor Armin Wolf, Lichtgestalt der heimischen
Interviewer-Innung, versuchte in der ZiB 2 das scheinbar Unmögliche.
Mit Frank Stronach ein Interview zu führen. Von den 13 Minuten und 16
Sekunden, die es währte, sprach Stronach gefühlte 14 Minuten selbst.
Als Wolf mit Abbruch drohte, hielt er nur kurz inne.
Dabei hätte er seine Botschaft in zwei Sätze packen können: Ich bin
ein Patriot. Und: Diese Geschäfte waren ja nicht kriminell, sondern
von der damaligen Regierung kontrolliert und erwünscht. Punkt. Aber
er gab wieder den Verbalvulkan, dessen Ausbruch regelmäßig
stattfinden muss.
Manch einer stellte sich die Frage: Hat er sie noch alle? Der
ORF-Kundendienst registrierte zwar nicht mehr als die üblichen
Anrufe, doch Tweets und Postings gab es Abertausende.
Man sollte Stronach nicht unterschätzen. Er hat schon einmal die
Zeichen der Zeit erkannt und deren Bedarf: Autoteile. Damit wurde er
reich. Nunmehr weiß er, dass der kostbarste Rohstoff des medialen
Zeitalters seinen Namen hat: Aufmerksamkeit. Und die erregt er
beharrlich.
Das beste Medium dafür ist nun einmal das Fernsehen, wenn man ein
paar Regeln einhält. Die wichtigste davon: gewisse Regeln brechen.
Damit sind schon Otto Waalkes (kroch unter Ingrid Thurnhers Tisch)
oder Alf Poier (flanierte im Studio herum) gut gefahren. Auf subtile
Art spielte auch Jörg Haider stets mit den Grenzen des Benimmdichs
und kam damit auf höhere Einschaltquoten als seine Politkonkurrenz.
Regel zwei: Vergiss die Köpfe und ziele auf die Bäuche. Fernsehen ist
ein hochemotionales Medium, in welchem die Darreichungsform mehr
zählt als der Inhalt. Heute gesagt, morgen vergessen, heute gebrüllt,
morgen Tagesgespräch. Schon Bruno Kreisky hatte das Fernsehen
hellsichtig "primär als Unterhaltungsmedium" erkannt.
Regel drei: Das Fernsehen, so auch der ORF, ist ein Einbahnmedium.
Das Volk sitzt staunend, verärgert, amüsiert, wütend etc. vor dem
Bildschirm. Aber es kann naturgemäß nicht mitreden oder antworten.
Die Zeitungen geben diesem Umstand mit Leserbriefseiten ein Ventil,
der ORF nirgendwo. Also attackiere auch den ORF, das streichelt den
Volkszorn.
Mit all dem mag der Politiker Frank Stronach nicht mehrheitsfähig
sein, seine potenzielle Kern-Klientel und deren diffuse
Heilserwartungen bedient er aber punktgenau.
Vielleicht sollte er einen eigenen Sender gründen: Stronach-TV.
Hauptabendprogramm: Stronach spricht mit Frank über Frank Stronach
;-)****
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