- 28.11.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Arbeitszeit muss endlich neu definiert werden - von
Zwei widersprüchliche Ansätze bringen uns auf Dauer nicht weiter
Utl.: Zwei widersprüchliche Ansätze bringen uns auf Dauer nicht
weiter =
Wien (OTS) - Arbeitszeitflexibilisierung" ist ein schönes Wort. Es
klingt nach individueller Zeiteinteilung, Freiheit und Freizeit -
also genau nach dem, was es in einer idealen Welt auch sein sollte.
Die Realität hingegen ist - wie immer in solchen Fällen - sehr viel
grauer und auch weit weniger eindrucksvoll. Mit
"Arbeitszeitflexibilisierung" beschreiben nämlich Produktionsbetriebe
im Normalfall ihren Wunsch nach dem idealen Mitarbeiter: Immer da,
wenn man ihn braucht - und immer dann auf wundersame Weise
verschwunden, wenn er nicht vonnöten ist.
Dass diese Vorstellung der der meisten Arbeitnehmer nach acht Stunden
Schlaf täglich, einem freien Wochenende sowie einem funktionierenden
Familienleben widerspricht, ist leider genauso wahr. Der seit Jahren
wiederkehrenden Forderung nach dem völlig flexiblen Mitarbeiter
begegnet die Gewerkschaft daher ebenso lange mit der Forderung nach
Arbeitszeitverkürzung: Eine Variante, die neue Arbeitsplätze schaffen
soll, das aber leider nicht tut - das haben Fallbeispiele aus anderen
Ländern traurigerweise bereits gezeigt. Die typisch österreichische
Lösung: Aussitzen. Heißt übersetzt: Keiner bewegt sich in irgendeine
Richtung.
Mit Verlaub, auf Dauer ist das keine Option. Denn das kommt dabei
heraus: betriebsinterne Sonderlösungen, die knapp an der Illegalität
schrammen, und Mitarbeiter, die Überstunden anhäufen, die sie rein
rechnerisch frühestens mit Antritt ihrer Pension genießen können.
Wenn der Wirtschaftsbund nun im heutigen Wirtschaftsparlament mit dem
Antrag "Flexibilisierung des Arbeitsmarktes" vorprescht (siehe dazu
auch den Artikel auf Seite 2), ist das ein gutes Zeichen. Immerhin
wird auf diese Weise zumindest wieder einmal ernsthaft über das Thema
geredet. Auch dass darin Elemente wie "Anschaffung von Anreizen für
die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer", "ehestmögliche Nutzung von
Spielräumen zur Lohnkostensenkung" und "Ungerechtigkeiten im
Pensionssystem rasch beheben" als große Überschriften prominent
vorkommen, kann nur gelobt werden.
Denn wie bisher einfach nur zwei widersprüchliche Ansätze auf den
Tisch zu legen und dort liegen zu lassen, bringt uns nicht weiter.
Die Einstellung vieler Menschen zu Job, Berufung und Arbeitszeiten
hat sich in den vergangenen Jahren geändert - dem muss endlich
Rechnung getragen werden. Und zwar so, dass beide Seiten -
Arbeitgeber wie Arbeitnehmer - mit dem Ergebnis zufrieden sind.
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