• 27.11.2012, 20:36:36
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Flickschusterei, Kommentar zur neuerlichen Griechenlandhilfe, von Detlef Fechtner.

Frankfurt (ots) - Am Tag nach der erneuten Marathonsitzung der
Eurogruppe war gestern halb Brüssel damit beschäftigt, Tableaus mit
Dutzenden Zahlen zu verstehen. Zu begreifen, um wie viele Milliarden
es die akute Finanzlücke schmälert, wenn Zinsen für bilaterale
Hilfskredite um 100 Basispunkte sinken. Oder um wie viele
Prozentpunkte die Schuldenquote 2022 steigt, wenn die
Brückenfinanzierung via T-Bills fortgesetzt wird.

Alle diese Fragen sind bedeutsam, schließlich geht es um Milliarden
Euro der Steuerzahler. Und um die Aussichten für Hellas, irgendwann
der Schuldenspirale zu entrinnen. Doch darf die Analyse der Details
nicht den Blick auf das Ganze verstellen. So ist noch nie so klar
geworden wie gestern, dass es für die Absicherung Griechenlands in
der Währungsunion keine abschließenden Lösungen geben wird - ja nicht
einmal jene "echten" und "nachhaltigen" Lösungen, von denen Politiker
in den vergangenen Tagen schwadroniert haben. Der jüngste Kompromiss
ist erneute Flickschusterei und wirkt wie der hektische Versuch, an
allen Ecken und Enden noch ein paar Millionen zusammenzukratzen.
Gerade so, dass es bis zum nächsten Mal reicht. Oder bis zur nächsten
Wahl.

Zweitens macht das Ergebnis der Nachtsitzungen deutlich, dass Hellas
ein Dauerpatient ist: Griechenland ist Krisenland. Gestern wurden
zinsgünstige Kredite bis 2040 verlängert. Mit den Zinssubventionen
für Griechenland werden also noch Finanzminister zu tun haben, die
gerade erst Abitur machen.

Drittens schließlich belegt der vereinbarte Katalog der Maßnahmen,
dass es die Hilfe für Griechenland nicht umsonst gibt - auch wenn
Minister nicht müde werden, ständig zu beteuern, dass "kein frisches
Geld" nötig werde. Denn wenn Euro-Staaten auf Zinseinnahmen
verzichten und wenn demnächst Hunderte Millionen Euro aus dem
Bundeshaushalt direkt nach Athen überwiesen werden, klingt es
unglaubwürdig, wenn so getan wird, als bedeute die Griechenlandhilfe
keine Belastung für die Bundesbürger.

Gerade in diesen Tagen hatten Finanzminister eine gute Gelegenheit,
um zu sagen: Ja, es kostet Geld, es kostet Nerven und es kostet vor
allem viel Geduld - und doch lassen wir Griechenland nicht aus dem
Euro rutschen, weil wir die damit verbundenen Risiken nicht
einzugehen bereit sind. Das wurde jedoch nur am Rande erwähnt, obwohl
das viele Bürger verstehen - ganz anders als die verwirrenden Zahlen
und Rechnungen, die eher Argwohn schüren, als dass sie Vertrauen in
Euroland zurückgewinnen helfen.

(Börsen-Zeitung, 28.11.2012)

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