• 27.11.2012, 10:02:59
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Hoffnung für junge Kniepatienten

Linz (OTS) - Stiegen steigen, den Schutzweg queren oder spazieren
gehen - scheinbar banale Bewegungsabläufe, über deren Durchführung
vor allem junge Menschen normalerweise nicht nachdenken müssen. Eine
angeborene Fehlbildung des Oberschenkelknochens lässt jedoch genau
diese Bewegungen zu einem Balanceakt werden, der Betroffene im
schlimmsten Fall sogar in die Erwerbslosigkeit führt. Diese
ausgeprägte Form der Kniescheibeninstabilität und deren Behandlung
ist eines der zentralen Themen im Rahmen der Fortbildung "Patella im
Fokus" am 29. November 2012 im Linzer Ars Electronica Center.

Mehr als 100 Experten aus dem In- und Ausland werden Ende November in
Linz erwartet. Das Kniegelenk, insbesondere das Kniescheibengelenk (=
Patellofemoralgelenk) bildet den Schwerpunkt der gegenwärtigen
Veranstaltung. So ist es der Orthopädischen Abteilung des
Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern unter der Leitung von Prim.
Dr. Josef Hochreiter gelungen, ein fachlich sehr anspruchsvolles,
aber hochaktuelles Programm mit einem besonderen Highlight zu
erstellen: Erstmals in Österreich findet die Live-Übertragung einer
Trochleaplastik - die Korrektur einer so genannten Trochleadysplasie
statt. Hierbei handelt es sich um eine besonders ausgeprägte Form der
Kniescheibeninstabilität, deren operative Korrektur technisch sehr
anspruchsvoll ist und österreichweit nur von wenigen Orthopäden (zwei
davon arbeiten im KH der BHS Linz) durchgeführt wird. OA Dr. Florian
Dirisamer wird diesen Eingriff vor knapp 100 Orthopäden live
demonstrieren. Das fachliche Know-how hat ihm der Entwickler der
Operationsmethode, Dr. Heinz Bereiter aus Chur, im Rahmen eines
Studienaufenthaltes persönlich vermittelt. Gemeinsam mit seinem
Kollegen OA Dr. Christian Patsch ist Dr. Dirisamer österreichweit
führend bei Kniescheibenstabilisierungsoperationen.

Was genau ist nun eine Trochleadysplasie? "Der Oberschenkelknochen
weist am Ende eine V-förmige Rinne, die so genannte Trochlea, auf. In
diesem stabilisierenden Kanal gleitet die Kniescheibe während der
Bewegung auf und ab. Bei Patienten mit einer Trochleadysplasie ist
diese Rinne entweder nicht angelegt oder entsprechend deformiert.
Dadurch findet die Kniescheibe seitlich keinen Halt, was dazu führt,
dass sie bei alltäglichen Bewegungen wie zB Stiegensteigen plötzlich
herausspringt", skizziert Dr. Dirisamer das Erkrankungsbild. Im Zuge
der Operation löst der Orthopäde den Knorpeldeckel vom Knochen ab und
"formt" das Ende des Oberschenkelknochens zu einem V-förmigen Kanal,
in dem die Kniescheibe anschließend anatomisch korrekt gleiten kann.
"Unsere Tätigkeit lässt sich mit jener eines Bildhauers vergleichen:
wir bearbeiten den Knochen so lange, bis er die gewünschte natürliche
Form erreicht hat", fasst Dr. Dirisamer den Eingriff zusammen.

Für die Operation kommen nur junge Menschen bis etwa 20 Jahre in
Frage, da das Gewebe elastisch und verformbar sein muss. Zudem darf
kein Knorpelschaden vorliegen, da dieser eine Kontraindikation für
den Eingriff darstellt. Nach der Operation können Betroffene ein
weitgehend normales Leben führen. Ängste vor alltäglichen
Bewegungsabläufen wie etwa das Überqueren eines Zebrastreifens
gehören der Vergangenheit an.

Österreichweite Vorreiterrolle bei
Kniescheibenstabilisierungsoperationen

Erkrankungen des patellofemoralen Gelenks*) gehörten über einen
langen Zeitraum zu den orthopädisch am wenigsten erforschten
Problemstellungen. Dies hatte zur Folge, dass die Behandlungen der
Kniescheibeninstabilität oft zu unbefriedigenden Ergebnissen
führten. Die orthopädische Abteilung des Krankenhauses der
Barmherzigen Schwestern Linz nimmt eine österreichweite
Vorreiterrolle auf dem Fachgebiet des Kniescheibengelenks und seiner
Erkrankungen ein. So führt das Team von Prim. Dr. Josef Hochreiter
die mit Abstand meisten Eingriffe an diesem Gelenk durch und
beschäftigt sich auch mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung dieses
Spezialgebiets. Zudem verfügt die Abteilung über die einzige
Patellofemoralgelenks-Ambulanz in Österreich. Jährlich werden
zwischen 40 und 50 Kniescheibenstabilisierungsoperationen
durchgeführt, davon entfallen 15 Eingriffe auf die Korrektur der
Trochleadysplasie.

Bei der Tagung am 29. November 2012 im Ars Electronica Center
präsentieren vier österreichische Kniechirurgen, zwei davon aus dem
Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz, ihr therapeutisches
Vorgehen bei Kniescheibenstabilisierungsoperationen. "Die Referenten
sind allesamt ausgewiesene Experten, deren Konzepte sich über die
Jahre in der Praxis bewährt haben. Unsere Fortbildungsveranstaltung
im AEC soll den Kollegen Mut zur Übernahme dieser Konzepte machen",
ergänzt Prim. Dr. Josef Hochreiter.

*) Das Patellofemoralgelenk
Die Rückseite der Kniescheibe (= Patella) bildet gemeinsam mit dem
unteren Teil des Oberschenkelknochens (= Femur) das
Patellofemoralgelenk. Sowohl die Kniescheibe als auch der
Oberschenkelknochen sind an den aufeinander treffenden Flächen mit
Knorpelsubstanz bedeckt. Eine instabile Kniescheibe bedingt die
Entstehung von Abnützungserscheinungen, der so genannten Arthrose.

Bildmaterial unter www.vinzenzgruppe.at/presse

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