• 26.11.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die große Angst vor Frank Stronach - von Esther Mitterstieler

Ein Anstoß zum Nachdenken ist Stronachs Eintritt in die Politik

Utl.: Ein Anstoß zum Nachdenken ist Stronachs Eintritt in die
Politik =

Wien (OTS) - In den vergangenen Monaten ist die große Angst
ausgebrochen. Der lange Jahre erprobte Wirtschaftskapitän Frank
Stronach, einst als Franz Strohsack ausgezogen, um in Kanada sein
Glück zu suchen und zu finden, ließ plötzlich verlauten: Ich habe
Interesse, meinem Land zu dienen. Anfangs belächelt und noch immer
teils spöttisch in ein wirres Eck gedrängt: So mag man Stronach
sehen. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit.

Stronach ist ein Unternehmer, der sich zwar nicht als Politiker sehen
will, aber glaubt, auch unternehmerische Leitlinien auf die Politik
anwenden zu können. Er hat auch in seinem Betrieb eine
Unternehmensverfassung implementiert und sagt, dadurch habe er sich
abkömmlich gemacht. Das ist eine Einstellung, die schon Silvio
Berlusconi 1994 dazu gebracht hat, in Italiens Politik einzutreten.
Man kann Stronach zugutehalten, dass er im Gegensatz zu Berlusconi
nicht in die Politik gehen musste, um sein Unternehmen zu retten.
Gleichwohl ist die schlichte Parallele zwischen Wirtschaft und
Politik zu kurz gegriffen, was wiederum das Beispiel Berlusconi
zeigt.

Wenn Robert Lugar, Stronachs Klubchef, in der "Pressestunde" meinte,
es brauche keine Parteien im Parlament, dann hat er wohl wenig Sinn
für demokratisches Verständnis gezeigt. Ob Stronach diesen Sager
unterschreiben würde, ist die Frage. Er strebt beim zweiten Antritt
in vier Jahren die absolute Mehrheit an (siehe Interview auf den
Seiten 2/3). Das ist ein großes Ziel. Gut ist angekommen, dass
Sachpolitik zählen soll. Das hören sicher viele Wähler nur zu gerne;
das hat sich auch bei der Grazer Gemeinderatswahl gezeigt. Dass die
KPÖ wieder auf 20 Prozent kam, hat sie auch der Spitzenkandidatin
Elke Kahr zu verdanken, die geradezu als Vorbild der Sachpolitik
steht.

So oder so hat das Team Stronach keine schlechten Chancen. Und
Stronachs Vorgabe, nach zwei Legislaturperioden müssten seine
Kandidaten in die Wirtschaft zurückkehren, ist ein hohes Maß an
Neuerungsbeweis. Ob das realisierbar ist, sei dahingestellt. Den
Wählern gefällt es sicher, da sich so niemand zu lange an der Macht
festklammern kann.

Aufholbedarf hat Stronach noch, wenn es um konkrete Details im
Programm geht. Viel hängt von seinen künftigen Beratern ab. Dass er
solche in einem Weisenrat braucht, ist klar. Angst haben braucht
keiner vor der neuen Partei. Ein Anstoß zum Nachdenken, warum
Stronach so einen Erfolg hat, das sollte sein Eintritt in die Politik
sein. Denn Erfolg zeigt sich auch darin, wie viel Angst andere
Parteien schon im Voraus haben, siehe BZÖ - und nicht nur.

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