- 25.11.2012, 19:35:48
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der alljährliche Gipfel der Scheinheiligkeit" (Von Günter Pilch)
Ausgabe vom 26.11.2012
Utl.: Ausgabe vom 26.11.2012=
Graz (OTS) - Also auf ein Neues. Wieder trifft sich die Welt, um
die Welt zu retten. Diesmal haben sich die Verhandler zum
Weltklimagipfel in Doha eingemietet, der Hauptstadt des Emirats
Katar. Selbst unbekehrbare Optimisten ahnen, dass der exotische
Tagungsort das Einzige bleiben wird, was das Spektakel von seinen
Vorgängertagungen unterscheidet. Ein Durchbruch gilt als
ausgeschlossen.
Seit Jahren wabern die Klimaverhandlungen träge dahin, die Beschlüsse
werden von Mal zu Mal schwerer fassbar. Nicht weil die Welt so
kompliziert geworden wäre. Das war sie auch schon vor 15 Jahren bei
der Einigung in Kyoto. Der Grund liegt bei den Staatenlenkern, die in
Wahrheit jene Klimapolitik ablehnen, zu deren Implementierung sie
sich jährlich treffen.
So verkommen die Gipfel zu einer Abwehrschlacht einzelstaatlicher
Interessenträger gegen einen wirkungsvollen Klimavertrag. Die
faktische Ergebnislosigkeit der Gespräche demaskiert, wie
scheinheilig die weltweite Umweltpolitik heute ist.
So ließ US-Präsident Barack Obama vor zwei Wochen wissen, dass der
Kampf gegen den Klimawandel eine "Pflicht gegenüber den künftigen
Generationen" sei. Gleichzeitig bauen die USA die Erdölförderung aus,
stecken Milliarden in die zerstörerische Ausbeutung von
Schiefergasfeldern und errichten mit Kanada Mega-Pipelines quer über
den Kontinent.
Auf der anderen Seite der Welt eröffnet China im Schnitt jede Woche
ein neues Kohlekraftwerk, während sich Russland mit den anderen
Arktis-Anrainern ein Wettrennen um die Bodenschätze der Polarregion
liefert. Ironischerweise ist es der Klimawandel, der den Weg dorthin
(eis-)frei macht. Die Bohrungen nach Öl dringen immer tiefer ins
Erdinnere vor - vergessen ist die Havarie im Golf von Mexiko vor
zweieinhalb Jahren.
Doch auch die EU ist nicht mehr das Vorbild, als das sie sich so
gerne gibt. Polen und andere Staaten wehren sich erbittert gegen
Klimaverpflichtungen, die Förderungen für Öko-Energien sind ins
Schussfeld der Wirtschaftslobbyisten geraten. Und Österreich? Hat
kein brauchbares Klimaschutzgesetz, verzichtet auf eine
Ökologisierung der Pendlerpauschale und fördert jährlich mit
dreistelligen Millionenbeträgen fossile Energieträger.
All das wird in Doha nicht zur Diskussion stehen. Stattdessen
verhandeln die Staaten über abstrakte Reduktionsziele beim
Treibhausgas. Nur: Solange keiner bereit ist, den Weg dorthin zu
beschreiten, sind solche Ziele nutzlos - und die Klimagipfel nichts
weiter als Heuchelei.****
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