• 22.11.2012, 18:15:31
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Manche Branche ist nur Ballast für das System - von Andreas Kolb

EPU sprießen wie Schwammerln aus dem Boden

Utl.: EPU sprießen wie Schwammerln aus dem Boden=

Wien (OTS) - Die Wirtschaftskammer droht mittelfristig aus allen
Nähten zu platzen und befürchtet, ihre Leistungen schon bald nicht
mehr voll erbringen zu können. Was in Kammerkreisen hinter
vorgehaltener Hand schon länger ein Thema ist, hat der steirische
Wirtschaftskammerpräsident Josef Herk jetzt als Erster öffentlich
ausgesprochen: Die stetig steigende Zahl der
Ein-Personen-Unternehmen, die mittlerweile mehr als die Hälfte aller
Kammermitglieder ausmachen, überfordert die WK-Strukturen.

Vor allem im Gesundheitsbereich - und hier wiederum im weiten Feld
des Esoterikmarkts - sprießen EPU wie die Schwammerln nach dem
Sommerregen aus dem Boden. Mehr als 1500 aktive sogenannte
"Humanenergetiker" zählt allein die WK Steiermark zu ihren
Mitgliedern. Dazu kommen noch zahlreiche Astrologen,
Wünschelrutengänger, Anbieter von geheimnisvollen
Erdstrahlen-Schutzmatten und sogar Tierkommunikatoren, die nach einem
Blick auf das Foto von Hund oder Katze telepathisch Kontakt zum
vierbeinigen Freund aufnehmen wollen und ihn nach seinen Wünschen
fragen - kostenpflichtig natürlich. Seit die deutsche Bundesagentur
für Arbeit im vergangenen Jahr zugeben musste, dass sie gesetzlich
verpflichtet ist, einem Arbeitssuchenden die Umschulung zum
Sterndeuter zu finanzieren, weil ja schließlich reelle
Verdienstchancen bestünden, sollte man sich nicht mehr wundern, welch
seltsame Blüten unsere Gesellschaft zuweilen treibt.

Herk spricht es offen aus: Manche Berufsgruppen wären in einer
anderen Interessensvertretung als der Wirtschaftskammer
wahrscheinlich besser aufgehoben. Denn außer dass Geld im Spiel ist,
haben diese Esoterikunternehmer mit ernsthafter Wirtschaft wohl nur
wenig zu tun. Sie sind im Grunde nur Ballast für eine
Wirtschaftskammer, die ernsthafte Leistungen für ernsthafte Firmen
erbringen will - Ballast, von dem man sich besser trennt.

Doch es geht nicht nur um die Esoteriker. Herk stellt auch die Frage,
ob diejenigen Menschen, die einen Gewerbeschein haben und ihr Gewerbe
als Zweitberuf ausüben, überhaupt jene klassischen Unternehmer sind,
die die WK vertreten soll und will. Ein Drittel dieser
Ein-Personen-Unternehmer fühlt sich einer Studie der KMU Forschung
Austria zufolge in diese Rolle gedrängt - quer durch alle Branchen.

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